Bauruine in Top-Lage blockiert die City
Das Harburg Center am Harburger Ring 6 verrottet immer mehr. Inhaber Hans-Dieter Lindberg hat noch Hoffnung, einen Investor zu finden. Wahba
Das Harburg Center in bester Lage in der Harburger Innenstadt rottet weiter vor sich hin. Seit nunmehr acht Jahren steht das ortsbildprägende Haus am Harburger Ring leer.
Die geplante Versteigerung ist geplatzt. Der Eigentümer hält die Politik mit Ankündigungen hin. Doch der Bezirk ist machtlos.
Das Harburg Center – eine Bauruine in Top-Lage. Drei Monate lang stand das Gebäude jetzt zur Versteigerung – ohne Erfolg. Seit rund acht Jahren ist das Harburg Center am Harburger Ring 6 in der Innenstadt leer und verrottet zusehends. Seit ebenso vielen Jahren hält der Eigentümer des Gebäudes, der Harburger Geschäftsmann Hans-Dieter Lindberg, den Bezirk Harburg mit dem Hinweis hin, er führe Gespräche mit Interessenten. Doch das Geschäftsgebäude mit verschmierten Wänden und zugenagelten Fenstern und Eingängen ist nach wie vor ohne Mieter. Die weitere und dringend notwendige Entwicklung der Harburger City scheint blockiert.
Aus Lindbergs Sicht verhinderten die Harburger Verwaltung wie auch Teile der Bezirkspolitik eine Entwicklung des Gebäudes. Für das marode Gebäude, so die Auffassung von Politik und Verwaltung, komme nur noch ein Abriss in Frage. Jetzt hatten die Grünen in der Bezirksversammlung gefordert, das Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen zu sanieren und zu nutzen. Die Große Koalition aus SPD und CDU erteilte dem Vorstoß eine klare Absage. „Wenn wir das Center für Flüchtlinge sanieren, spielen wir doch Herrn Lindberg nur in die Hände“, sagt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath.
Im Sommer 2014 musste Lindberg auf Anordnung der Harburger Bauabteilung alle Eingänge seines Harburg Centers verbarrikadieren und „verkehrssicher“ machen. Dort hatten sich osteuropäische Wanderarbeiter häuslich niedergelassen.
Im April 2014 hatte Lindberg noch verkündet, einen Käufer für das Center gefunden zu haben und stellte dem Bezirk die Deutsche Projekt Entwicklung & Management (DPE&M) GmbH vor. Das Harburg Center steht auf städtischem Grund und Boden, und die Hansestadt Hamburg hat das Vorkaufsrecht. Der Deal mit der DPE&M platzte. Die Gesellschaft war pleite und hat nie die Kaufsumme an Lindberg überwiesen.
„Es ist richtig, dass meine Bank daraufhin im März dieses Jahres die Versteigerung angesetzt hat. Nach drei Monaten wurde die Versteigerung aber wieder abgesetzt. Seit Sommer suche ich nun neue Investoren und bin im Gespräch mit Leuten, die uns unterstützen wollen“, so Lindberg.
Lindberg sieht sich einerseits als Opfer der DPE&M. Und er ist in der Immobilienbranche nicht der Einzige, der der Ahrensburger Entwicklungsgesellschaft auf den Leim gegangen ist. Andererseits aber kritisiert er den Bezirk, der „aus wirtschaftlichen Interessen eine vernünftige Entwicklung des Harburg Centers“ verhindere.
Über diese Ankündigung Lindbergs kann Heimath nur lachen. Das höre der Bezirk seit Jahren. Nur sei daraus bislang nie etwas geworden. Aber der Bezirk Harburg ist machtlos und muss der schleichenden Verrottung des ortsbildprägenden Gebäudes in Top-Lage tatenlos zusehen.
Auch wenn das Grundstück, auf dem das Harburg Center steht, der Stadt Hamburg gehört – eine Enteignung ist kaum möglich. Und der Geschäftsmann Lindberg hat in der vergangenen Zeit einen sehr langen Atem bewiesen. „Ich bin guter Hoffnung, dass die Gespräche, die ich derzeit mit Interessenten führe, zu einem positiven Abschluss führen“, sagt er.