Zähl Pixel
Archiv

„Beate + Babutz“: Übernahme in stürmischen Zeiten

Neuanfang : Friseur Tim Wilcke hat den Stader Betrieb von Mutter Beate übernommen. Ihren Stammkunden bleibt sie vorerst erhalten. Foto Beneke

Neuanfang : Friseur Tim Wilcke hat den Stader Betrieb von Mutter Beate übernommen. Ihren Stammkunden bleibt sie vorerst erhalten. Foto Beneke

Generationen von Stadern hat sie die Haare geschnitten. Nach 35 Jahren übergibt Friseurin Beate Wilcke (66) die Leitung ihres Salons an der Harsefelder Straße an Sohn Tim (40). Indes sind für das Friseurhandwerk schwierige Zeiten angebrochen.

Von Daniel Beneke Dienstag, 20.12.2016, 16:43 Uhr

Schon als Kind ist er durch den Laden der Mutter getobt. Nach der Schulzeit hat Tim Wilcke ein Praktikum in einem anderen Friseurgeschäft absolviert und sich gesagt: „Ich probier es mal.“ Im Anschluss an die Ausbildung in einem Salon in Hamburg ist er zehn Jahre in der Hansestadt geblieben, hat unter anderem im Szeneviertel St. Pauli gearbeitet. Seit Jahresbeginn trägt er die Verantwortung für ein Geschäft mit langer Tradition. 2012 hatte der 40-Jährige bereits die Zweigstelle in der Großen Schmiedestraße übernommen.

Beate Wilcke, die aus Stade stammt, hat sich vor 35 Jahren selbstständig gemacht. Vor dem Umzug an den heutigen Standort in der Harsefelder Straße hatte der Laden seinen Sitz in der Wallstraße und später in der Kehdinger Straße. Weil der Telefonbucheintrag misslang, musste sie ihre ersten Kunden mit Flyern anwerben. Damals ein Novum: Die Friseurin öffnete montags ihre Türen, dafür blieb der Salon am Sonnabend dicht. Kinder, denen sie früher den ersten Haarschnitt verpasst hat, kommen heute mit ihrem Nachwuchs ins Geschäft. Viel Stammpublikum hält ihr die Treue, teilt Freud und Leid mit Beate Wilcke wie mit einer engen Freundin. „Ich müsste eigentlich ein Buch über die vielen Begegnungen schreiben“, sagt sie mit einem Grinsen im Gesicht.

Die Frisörin hat immer trendbewusst gearbeitet, wie sie sagt. Sohn Tim plant deshalb keine radikalen Umbrüche, möchte sich am bisher gelebten Stil orientieren. Sein Mantra: „Wir kümmern uns.“ Die Kunden sollen sich bei ihm wohlfühlen. Er werde sich Zeit nehmen und bei Terminproblemen flexible Lösungen finden. Einzige Neuerung: Aus „Beates Frisörsalon“ wird „Beate + Babutz“. Der neue Chef hat den altdeutschen Begriff für „Barbier“ in den Schriftzug über dem Eingang integrieren lassen.

Besonders wichtig ist für ihn ein lockeres Miteinander im Team. Er beschäftigt neun Mitarbeiter, darunter drei Lehrlinge. „Das schönste Kompliment ist, wenn die Kunden fragen, wer hier eigentlich der Chef ist“, sagt Beate Wilcke, die von Anfang an ausgebildet hat. Zwei ihrer ehemaligen Mitarbeiterinnen haben erfolgreich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt – für sie auch eine Bestätigung ihres eigenen Wirkens. Das Loslassen fällt ihr inzwischen leichter, weil sich Tim inzwischen eingearbeitet hat: „Er macht das ganz prima.“ Einen Tag pro Woche möchte sie noch ihre Stammkunden bedienen, ansonsten aber ihre freie Zeit genießen. Reisen und Sprachen lernen stehen auf dem Programm. „Langeweile werde ich nicht haben“, ist sich die 66-Jährige sicher.

Das Friseurhandwerk steht indes vor schweren Zeiten. In der Region gibt es rund 190 Betriebe, berichtet Innungsobermeister Hartmut Vagts von der Kreishandwerkerschaft. Die Konkurrenz durch Billiganbieter, bei denen der Haarschnitt nur zehn Euro kostet, nehme zu. Wenn ein Shampoo in diesen Läden teurer ist als die eigentliche Dienstleistung, sei das „ein Widerspruch in sich“. Der Preisverfall sorge zudem für Imageprobleme. Die Folge: Den Friseuren fehlt der Nachwuchs. Die Löhne seien teilweise niedrig – auch eine Auswirkung des Preisdrucks.

Zurzeit gebe es keinen gültigen Tarifvertrag, lediglich Empfehlungen auf Basis sieben Jahre alter Regelungen, sagt Vagts. Dabei gehe es um einen interessanten Beruf, um Mode und Kreativität. Der Obermeister spricht von einer spannenden und abwechslungsreichen Tätigkeit, die „jeden Tag Erfolgserlebnisse“ mit sich bringe. Er wünscht sich mehr Wertschätzung für die Arbeit seiner Berufskollegen.

Kontakt

„Beate + Babutz“, Harsefelder Straße 4, 21680 Stade, Telefon 0 41 41 / 25 35, info@beates-frisoerladen.de. Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags 9 bis 18.30 Uhr, freitags 9 bis 19.30 Uhr, sonnabends 9 bis 13.30 Uhr.

www.beates-frisoerladen.de

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.