Zähl Pixel
Leserbriefe

TBegabte erkennen

Zum Artikel „Leben mit einem IQ ab 130“ (TAGEBLATT vom 7. Januar) schreibt Ronald Finke aus Dollern:

Mittwoch, 05.02.2025, 10:50 Uhr

Vielen Dank für den interessanten Artikel zum Jahresbeginn über das kontroverse Thema „Hochbegabung“. Per Definition haben offenbar 2,27 Prozent der Bevölkerung einen Intelligenzquotienten, der zwei Standardabweichungen über dem Durchschnitt von 100 liegt. Schlau zu sein, ist dabei zwar ein wertvolles und seltenes Geschenk, bedeutet aber auch, dass damit eine erhöhte Empfindlichkeit für Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten im Lebensalltag einhergeht. Zudem erleben Hochbegabte zuerst in der Schule und später im Berufsleben, dass sie große Kompromisse machen müssen, da diese Umgebungen in der Regel nicht auf ihre speziellen Fähigkeiten und Bedürfnisse ausgerichtet sind. Der frühe Weg in die Selbstständigkeit bietet sich daher als Alternative an.

Das Grundgesetz erwähnt im Artikel § 3, Abs 3 nicht das Wort Intelligenz, obwohl es sich dabei um das psychologisch am besten erforschte Persönlichkeitsmerkmal handelt, welches sich über die Lebensspanne eines Erwachsenen zwar strukturell verändert, aber dennoch insgesamt einigermaßen stabil bleibt. Im Landkreis Stade wohnen rund 211.000 Menschen; fast 5000 sind also hochbegabt. Da müsste es doch eigentlich möglich sein, regelmäßig Zusammenkünfte zu organisieren, um dem im Gastartikel beschriebenen Gefühl der Vereinzelung entgegen zu wirken?

Ein Problem ist offenbar, dass viele Hochbegabte gar nichts von ihrer speziellen Eigenschaft wissen oder intuitiv gelernt haben, sie zu verbergen, um nicht als Besserwisser oder Streber zu gelten. Dies ist tragisch, denn auf diese Weise bleiben viele gute Ideen in der Schublade und dringend benötige Innovationen kommen gar nicht erst zu Stande. Schulen kommt traditionell die Aufgabe zu, begabte Kinder zu erkennen und nach Möglichkeit angemessen zu fördern und zu fordern. In den hiesigen Unternehmen - zum Beispiel bei Airbus - rückt das übergeordnete Themenfeld „Neurodiversität“ zunehmend in den Blick. Gründe dafür sind die Verpflichtung zur Inklusion nach der UN Charta und natürlich auch der Fachkräftemangel in den Betrieben.

Weitere Themen

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel