Bergung des Saugbaggers in Ovelgönne erfolgreich
Auch mit der Hilfe einer Raupe wird der 150 Tonnen schwere Bagger am Baggersee in Buxtehude-Ovelgönne auf die Luftsäcke gezogen.
Es ist kalt. Eiskalt. Um 13 Uhr schlagen die Bunte- Arbeiter und Bergungsexperten von Lührs Schifffahrt die Stahlseile am Saugbagger „Pirat 5“ an. Zwei Schaufelbagger und eine Raupe sollen den fast 150 Tonnen schweren Koloss an Land ziehen.
. Das dauert. Die Aktion gestaltet sich schwierig. Kurz vor 14 Uhr bricht Hektik aus. Weil die Uferkante sehr steil ist, liegt das Heck des Saugbaggers zu tief im Wasser. Dieses läuft voll. Mit mehreren Pumpen gelingt es, den Ballast wieder von Bord zu bekommen. Dann geht es richtig los: Fast zehn Meter lange Luftsackrollen werden aufgepumpt und vor den Bug gelegt. Über diese wird der Bagger an Land gezogen. Dann platzt eine Rolle. Ein Steg, der sich unter dem Anfang Oktober gesunkenen Bagger verklemmt hatte, schlitzt die Luftsäcke auf. Wieder muss die Bergung unterbrochen werden. Das Teil wird entfernt, es geht planmäßig weiter. Gegen 18 Uhr liegt der schwere Teil des Baggers mit Maschinen und Führerhaus an Land. 20 Uhr: Es ist geschafft.
Das Kreis-Umweltamt ist zufrieden, die Ölsperren halten. Wie berichtet, waren am Vortag alle Betriebsstoffe abgepumpt worden, nachdem der stählerne Koloss mit drei auf einem Schwimmkörper-System montierten Portalkranen an die Oberfläche gezogen worden war. „Die Bergung war sehr komplex, weil der zur Hälfte, über Kopf im Sand versunkene Bagger, unter Wasser erst gedreht werden musste“, sagte Bergungsfachmann Robin Lührs. Zuletzt schleppte sein Team ein gestrandetes Containerschiff frei. „Das war – im Gegensatz zum Bagger – Kinderkram.“ Zur Vorbereitung hatte Lührs den See mit dem Havaristen mit dem Echolot vermessen, mit einer Computersimulation spielten sie die Aktion zwei Wochen durch. Der Bagger besteht aus fünf Teilen, er hätte auseinanderbrechen können.
Ein Gutachter soll jetzt klären, warum der Bagger gesunken ist. Die Hülle ist offenbar intakt. „Wir werden den Bagger auseinandernehmen und reparieren“, sagte der Technische Leiter von Bunte, Helmut Wollschläger am Donnerstag. Ein Neubau würde vier Millionen Euro kosten. Bergung und Reparatur werden deutlich mehr als eine halbe Million Euro kosten, konkrete Zahlen gab es nicht. „Pirat 6“ ist am Donnerstag eingetroffen, nächste Woche wird der Bagger montiert, so A-26-Projektleiter Helmut Klaß. Solange wird der Sand – per Ausnahmegenehmigung – weiter mit Lkw von Ovelgönne zur A-26-Trasse zwischen Buxtehude und Rübke gefahren. Im Dezember wird der neue Bagger bis zu 5000 Kubikmeter feste Masse täglich als Wasser-Sand-Mix über die Spülleitung zur A 26 pumpen, doppelt so viel wie die Lkw heute schaffen.
Ein Video zur Bergung gibt es im Laufe des Freitags bei TAGEBLATT online.
Die Landesbehörde für Straßenbau in Stade rechnet damit, dass der Untergang von „Pirat 5“ den Bau der A 26 nicht verzögern wird. Wie berichtet, soll der Spülbetrieb bis Mitte 2018 laufen. Mit den Nassbaggern sollen knapp zwei Millionen Kubikmeter Sand nördlich von Ovelgönne für den Bau des dritten Bauabschnitts der A 26 zwischen der Este und der Anschlussstelle Neu Wulmstorf aus der Tiefe geholt werden. Das Prinzip: Mit dem Riesenrüssel saugt der Spüler das Sand-Wasser-Gemisch am Grund des Baggersees an. In einem Verhältnis von 25:75 wird der Mix über die Spülrohrleitung zur A-26-Trasse gepumpt – mit einer Geschwindigkeit von vier bis sechs Metern pro Sekunde. 1600 Kubikmeter können stündlich durch die Leitungen gepumpt werden. „Pirat 2“ steht an Land und sorgt für den notwendigen Druck. Die Strecke ist schließlich fast fünf Kilometer lang. Die Druckstation steht vor dem EU-Vogelschutzgebiet – zum Schutz der Tierwelt. In zwei Spülfeldern wird das Wasser entzogen. Umgerechnet 400 Kubikmeter feste Masse können so stündlich zur Baustelle transportiert werden, das spart 54 Lkw-Fahrten pro Stunde und entlaste letztlich die Anwohner der Straßen und die Natur. Zurückbleiben wird ein 16 Hektar großer Baggersee.
Endlich geschafft: Drei Viertel des Saugbaggers liegen an Land .