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Trauerfeier

Bewegender Abschied von Schauspieler Jan Fedder

Die Witwe des Schauspielers Jan Fedder, Marion Fedder, fährt mit einen Jungtimer hinter dem Leichenwagen her. Die Bevölkerung der Stadt nimmt von dem Schauspieler abschied. Fedder war am 30. Dezember gestorben. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die Witwe des Schauspielers Jan Fedder, Marion Fedder, fährt mit einen Jungtimer hinter dem Leichenwagen her. Die Bevölkerung der Stadt nimmt von dem Schauspieler abschied. Fedder war am 30. Dezember gestorben. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

28 Jahre spielte er im "Großstadtrevier" den Polizisten Dirk Matthies. Im Michel verneigte sich die Hansestadt am Dienstag vor ihrem Hamburger Jung "mit dem großen Herzen und den Sinn für Gerechtigkeit".

Dienstag, 14.01.2020, 11:00 Uhr

(Letztes Update am 14. Januar um 15.04 Uhr: Details zur Trauerfeier ergänzt.)

Einer schwenkte eine Hamburg-Fahne, andere prosteten dem TV-Star stumm mit Bierflaschen zu. Ein anderer murmelte „Tschüss, Jan“, als der rosengeschmückte Sarg im Oldtimer-Benz mit den unverhängten Fenstern an der Davidwache vorüberglitt. Wie so vieles an diesem Tag seiner Trauerfeier hatte sich der Junge aus St. Pauli auch diese letzte Ehrenrunde durch sein Kiezrevier gewünscht. Fedder, der am 30. Dezember gestorben war und gestern 65 Jahre alt geworden wäre, hatte sein gesamtes Leben in dem Rotlichtstadtteil verbracht. Fast 30 Jahre verkörperte er den Hamburger Polizisten Dirk Matthies in der TV-Serie „Großstadtrevier“.

Und so eskortierten Polizeimotorräder und Streifenwagen mit Blaulicht den Korso, der kurz vor der Großen Freiheit zum Stehen kam. Vor dem „Pink Palace“ hatten Fedder-Freunde aus der Kiezspelunke „Zur Ritze“ eine Bühne aufgebaut, von der das „Ave Maria“ und Leonhard Cohens „Hallelujah“ erklangen. Minutenlang harrte der Wagen aus, so als hörte Jan Fedder zu. Passanten stimmten ein, und als Sängerin Laeticia Spormann ihren Tribut beendet hatte, rief auch sie: „Tschüss, Jan. Für immer.“

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Zuvor hatten fast 2000 geladene Gäste im Michel feierlich Abschied genommen. Der Gottesdienst begann mit Orgelklängen und der Stimme des Verstorbenen. Jan Fedder sang „La Paloma“ vom Band, und zahlreiche Freunde und Weggefährten lauschten andächtig. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), TV-Koch Tim Mälzer, Dragqueen Olivia Jones, Rotlichtgröße Carsten Marek, die Sänger Klaus Meine und H.P. Baxxter, die Schauspieler Heinz Hoenig, Claude-Oliver Rudolph und Axel Milberg sowie Kollegen aus dem „Großstadtrevier“, aus „Neues aus Büttenwarder“ und „Das Boot“ waren gekommen. Hamburgs berühmteste Kirche war mit Rosen geschmückt. Fedders Lieblingsblumen erinnerten an seine Hochzeit vor 20 Jahren in dem Gotteshaus. Im Michel war Fedder auch getauft und konfirmiert worden. Hier sang er im Kirchenchor. Kein Wunder, dass er sich gewünscht hatte, dass seine Trauerfeier hier stattfinden sollte.

Während draußen Hunderte die Feier auf einer Leinwand verfolgten, würdigten drinnen Trauerredner den Schauspieler und den Menschen. Hauptpastor Alexander Röder erinnerte sich daran, wie der „Großstadtrevier“-Star die Weihnachtsgeschichte im Michel vorlas. „Vor Nervosität hat er in der Sakristei eine Zigarette nach der anderen geraucht.“

"Mein geliebter Jan: schlaf gut“

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Röder würdigte Fedders „großes Herz und seinen Sinn für Gerechtigkeit“. Der ehemalige NDR-Intendant Lutz Marmor erzählte, wie er sich ins Kondolenzbuch auf der Davidwache eintragen wollte und im ersten Versuch an der langen Schlange scheiterte. „Mit seiner Kodderschnauze hat er das ganze Land erreicht.“

Sichtlich bewegt nahm Polizeipräsident Ralf Martin Meyer vom „Ehrenkommissar“ Abschied, vom „Schutzmann um die Ecke“. So wie Fedder wünsche er sich seine Polizisten. Zwischendurch erklang nicht nur Kirchenmusik, Rockmusikfan Fedder hatte sich auch „Child in Time“ von Deep Purple und „Knockin’ on Heaven’s Door“ von Bob Dylan gewünscht – geradezu zärtlich vorgetragen von Sängerin Jessy Martens. Der emotionalste Beitrag kam zum Schluss: Mit fester Stimme richtete sich Witwe Marion an ihren Jan: „Das ist der schwerste Gang, den ich je machen musste. Es wird nie wieder jemanden geben wie dich. Nun muss ich dich auf deine letzte Reise über die Reeperbahn schicken, und dann heißt es: schlafen. Endlich Ruhe haben und träumen. Für eine lange Zeit. Mein geliebter Jan: schlaf gut.“

Als sechs Hamburger Polizisten den Sarg aus der Kirche trugen, erklang erneut Fedder vom Band: „Ich liebe dich“, ein Lied das er selbst geschrieben und eingespielt hat – für Marion.

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Nach der Trauerfeier für Jan Fedder („Großstadtrevier“) liegen zahlreiche Kränze im Altarraum des Michels. Foto: Reinhardt/dpa

Nach der Trauerfeier für Jan Fedder („Großstadtrevier“) liegen zahlreiche Kränze im Altarraum des Michels. Foto: Reinhardt/dpa

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