Bibel TV aus Hamburg: Die Hauptbotschaft ist 2000 Jahre alt
Matthias Brender ist seit 2013 Geschäftsführer bei Bibel TV. Foto Bibel TV
Seit etwa 14 Jahren sendet Bibel TV aus Hamburg christliche Werte in die ganze Welt. Im TAGEBLATT-Gespräch mit dem Geschäftsführer Matthias Brender geht es um religiöse Unterhaltung, Zuschauerzahlen und darum, ob Gott bei Facebook zu finden ist.
Von Mona Adams
Herr Brender, wie lässt sich Gott über Facebook und Twitter kommunizieren?
Matthias Brender: Eigentlich wurde jedes Kommunikationsmittel, wenn man zurückschaut, für Gott eingesetzt. Das erste Buch, was gedruckt wurde, war die Bibel. Letztendlich ist Reden von Gott das Erzählen von dem, was Menschen mit Gott erleben.
Und das macht keinen Unterschied in den schnelllebigen sozialen Medien?
Na ja, die Geschichten, die sich ereignen, wenn Menschen etwas mit Gott erleben, sind immer aktuell. Unsere Hauptbotschaft ist zwar 2000 Jahre alt, wird auch noch die nächsten 2000 Jahre Bestand haben, davon sind wir überzeugt. Das was in der Bibel steht zu verbreiten, das ist die Aufgabe von Bibel TV. Dazu nutzen wir in erster Linie Fernsehen, aber auch Kanäle, die sich ergeben. Wann immer die Menschen bei uns einschalten, kann die Bibel über Bibel TV Antworten geben.
Wie sieht das aus?
Wir haben in Deutschland durch katholische, evangelische, freie Kirchen und christliche Werke eine Vielzahl von Möglichkeiten, Gott zu begegnen. So vielfältig ist auch unser Programm. Wir senden Spielfilme, Talkshows, Dokus, Musik- und Kinderprogramm, all das, was zu einem christlichen Vollprogramm gehört. In Interviewformaten erzählen Menschen, was sie mit Gott erlebt haben, in Spielfilmen werden Geschichten gezeigt, wo der Glaube eine Rolle spielt, und wir haben Dokumentationen, die die Schönheit der Schöpfung zeigen und beispielsweise aufzeigen, wie Menschen Menschen helfen.
Wie aktuell ist Bibel TV? Werden aktuelle Ereignisse aufgefangen?
Wir sind dankbar, dass wir in Deutschland ein gutes Nachrichtensystem haben. Da müssen wir nicht auch noch vor Ort sein, das machen ARD oder ZDF deutlich besser. Das wäre auch nicht unsere Kernkompetenz. Aber natürlich stellen sich anhand eines tragischen Ereignisses beispielsweise wie in Nizza viele Fragen: Wie konnte Gott das zulassen, was gibt mir Hoffnung, und das sind dann wiederum unsere Themen. Als das in Nizza passiert ist, haben wir einen halben Tag Fürbitten gezeigt.
Also haben Sie als Sender klassisch auf die Nachrichtenlage reagieren können?
Wir brauchen viel mehr Vorlauf. Wir sind hier 35 Mitarbeiter und machen einen ganzen Sender. Das meiste Programm ist lange im Voraus schon fertig. Wir haben viele Partner im christlichen Bereich, die uns von vor Ort zuliefern. Das wenigste wird hier produziert. Unsere Hauptaufgabe ist, aus der Vielfalt ein schönes Programm zu machen.
Wo sind dabei die Tabus?
Natürlich ist es uns wichtig, dass es die Liebe Jesus widerspiegelt und auf christlichen Werten basiert. Wir unterliegen den ganz normalen Mediengesetzen. Bei der Sorgfalt gesellschaftlich relevanter Themen liegt unsere Messlatte noch wesentlich höher.
Zum Beispiel?
Bei unglücklichen Ausdrucksweisen eines Pfarrers in seiner Predigt zum Beispiel, gehen wir ins Gespräch und fragen, ob man es vielleicht anders machen kann. Das kommt aber nicht häufig vor, alle paar Monate vielleicht mal.
Würden Sie sagen, dass es bei Bibel TV mehr Meinungen gibt als bei anderen Sendern?
Es geht darum, die Bibel auszulegen. Das ist dann schon in einem gewissen Spektrum, ja. Diejenigen, die das tun, gehen davon aus, dass Gott ihnen dabei hilft, das auszulegen, die christliche Botschaft zu verkünden. Wir achten darauf, dass das auf einer guten Basis bleibt.
Was wird in ihrem Studio in Hammerbrook produziert?
Die meisten Produktionen kommen von Produktionsgesellschaften aus der christlichen Welt. Vor Ort produzieren wir eine Zuschauersendung, in der wir Fragen beantworten, und eine Gesprächsrunde.
Sie finanzieren sich größtenteils durch Spenden?
Ja. Bibel TV ist ja so was wie eine Bürgerbewegung. Viele Menschen tragen dazu bei. Unser Büro in Hammerbrook ist nur die Spitze des Eisbergs. Zu Hause sind viele Menschen, die dafür spenden. Wir haben viele Partner, die das Programm auch selber produzieren. Wir dagegen finanzieren die Verbreitung. Insofern ist es ein großes Gemeinschaftsprodukt von Menschen, Werken und Institutionen.
Sie konnten gerade einen Spendenrekord verbuchen.
Seit 14 Jahren, seit es Bibel TV gibt, haben wir jedes Jahr mehr Spenden bekommen. Wir wissen, dass das ein Geschenk ist. Menschen unterstützen uns, weil sie es für wichtig halten. Wir möchten das Unsere dafür tun und Menschen ansprechen und christliche Werte vermitteln.
An wen richtet sich Bibel TV?
An alle, die mehr über Gott wissen wollen oder auf dem Weg zu Gott sind. Wenn Menschen nicht kirchlich sozialisiert sind, haben die ja auch viele religiöse Fragen, die viel grundlegender sind. Das ist aber wichtig, um manches in unserem Land zu verstehen.
Zum Beispiel?
Was ist Pfingsten, Weihnachten oder Ostern? Warum habe ich da Ferien? Warum musste Jesus ans Kreuz? Da ist es unsere Aufgabe, Basishilfe zu stellen: die Einführung ins Christentum. Das ist eine große Aufgabe, da ist viel zu tun.
Dann anders gefragt: Was wissen Sie über ihre Zuschauer?
Wir haben 200 000 bis 400 000 Zuschauer am Tag, wir können diese Zahlen jedes Jahr steigern. Wir sind wesentlich jünger als die öffentlich-rechtlichen Zuschauer. Unsere Zuschauer sind im Durchschnitt 56 Jahre alt. Das freut uns sehr.
Wie schaffen Sie es, verschiedene Konfessionen zu verbinden?
Ganz einfach, indem wir die verschiedenen Programme hintereinander zeigen. Am Anfang haben wir uns da viele Gedanken gemacht. Wir sind sehr dankbar, dass wir Vorreiter in der Ökumene werden konnten. Heute ist das von den Zuschauern sehr akzeptiert. In der katholischen und evangelischen Kirche gibt es eine große Sehnsucht nach Einheit. Der Einheit der Christen. Warum braucht man eine evangelische und katholische Kirche? Die Frage stellen sich immer mehr. Wir bieten Verständnis und Einblicke, die man natürlich nicht bekommt, wenn man jeden Sonntag nur in seiner Kirche sitzt.
Sie senden auch Gottesdienste.
Ja. Wir haben in den ersten Jahren keine gesendet, weil wir keine Auslegung wollten. Und weil wir ganz bewusst keine Fernsehkirche sein wollten. Aber wir haben eine große Nachfrage von Leuten, die krank oder bettlägerig sind. Wir zeigen am Sonntag einen Gottesdienst aus einer katholischen Kirche, wenn auf dem ZDF aus einer evangelischen übertragen wird, und andersherum. Uns ist immer wichtig, das Bestehende zu ergänzen. Wir wollen Glauben und Gemeinschaft unterstützen.
Und auch Spielfilme gehören zu ihrem Programm.
Wir hatten jahrelang die Herausforderung, Filme zu kriegen. Dafür mussten wir erst mal sparen. Heute haben wir fast hundert Filme pro Jahr, und davon sind viele in den letzten zwei, drei Jahren produziert worden, dazu aber auch Klassiker.
Wie hat sich Bibel TV in den 14 Jahren verändert?
Wir sind gewachsen, an Spenden, Zuschauern und an der Vielfalt im Programm. Am Anfang haben wir alles eingesammelt, was es an christlichen Sendungen gab. Mittlerweile gibt es immer mehr. Das heißt, das Programm ist qualitativ enorm gewachsen. Und damit ist auch die Bekanntheit von Bibel TV gewachsen. Und damit auch die Wirkung.
Müssen sie sich mit Vorurteilen auseinandersetzen?
Ich glaube, es gibt schon viele, die ein falsches Bild von uns haben. Die sind überrascht, weil sie sich uns verstaubter vorgestellt haben. Wir sind vielfältiger und moderner, als manche es vielleicht erwarten.
Ist es nicht unglaublich schwierig, mit der Bibel modern zu sein?
Wieso ist die Bibel nicht modern?
Sie ist alt.
Ja, aber sie hat einen Vorteil. Gott hat seine Botschaften in Geschichten verpackt. Geschichten, die von Not handeln, von Vertreibung und Flucht. Insofern ist sie gerade hochaktuell. Alle biblischen Helden sind irgendwann geflüchtet. Unsere Herausforderung ist eher, die Relevanz zu zeigen. Schau her, das was in der Bibel steht, kann auch für dein Leben bereichernd sein.
Glauben alle Ihre Mitarbeiter an Gott beziehungsweise tun so?
Also, beim Einstellungsgespräch fragen wir nicht danach. Aber es hilft natürlich eine Freunde an Gott.
Vielen Dank für das Gespräch.
Als erster christlicher Fernsehsender wurde Bibel TV 2001 gegründet. Der Free-TV-Sender strahlt ein 24-stündiges Vollprogramm aus. Zu empfangen ist Bibel TV europaweit via Satellit, über das digitale Kabel, via Livestream im Web sowie in Deutschland über DVB-T. Die gemeinnützige GmbH hat 16 Gesellschafter, die katholische und evangelische Kirche halten in Deutschland zusammen 25,5 Prozent der Anteile. Die Verbreitung des christlichen Glaubens steht im Mittelpunkt des Fernsehprogramms. Matthias Brender ist seit Februar 2013 Geschäftsführer des Senders mit Sitz in Hammerbrook.