Bill Mockridge und Margie Kinsky amüsieren mit einem Kabarett voller Klischees
Bill Mockridge und Margie Kinsky brachten das Publikum und sich selbst im Stadeum zum Lachen. Foto: Lankuttis
Margie Kinsky und Bill Mockridge sind ein gegensätzliches Paar und doch seit 34 Jahren verheiratet. Wie das gut gehen kann, beschreiben die temperamentvolle Italienerin mit rheinischem Dialekt und der stoische Kanadier in ihrem ersten gemeinsamen Kabarettprogramm „Hurra, wir lieben noch.“
Der Humor verbindet beide. Das wird am Freitag im ausverkauften kleinen Saal des Stadeums schnell klar. So haben sie sich auch kennengelernt: Margie Kinsky, die in Rom aufwuchs und in Bonn Romanistik studierte, meldete sich zum Casting beim Improvisationstheater „Die Springmaus“, das Bill Mockridge gerade gegründet hatte. „Ich hatte den Job und den Mann“, erzählt sie auf der Bühne in ihrer direkten rheinischen Art: „Dat passte wie Arsch auf Eimer.“
Bodenständig und herzlich wirken die beiden, die aus vielen Talks-Shows bekannt sind, aber auch aus der Serie „Die Mockridges. Eine Knallerfamilie“. In der „Lindenstraße“ spielte Bill Mockridge 24 Jahre lang den Erich Schiller und starb vor drei Jahren den Serientod. Margie und Bill verhackstücken bekannte Rollenklischees, aber auf eine erfrischende Art und mit witzigen Gags.
Es geht um die multitasking-begabte Frau, die gerne shoppt, und den sturen Holzfäller, der einsame Seen in Kanada liebt und wenig redet. Viel Applaus bekommt der 71-Jährige, als er das zusammenhanglose Gerede seiner Frau parodiert. Auch als Junggeselle, der sich mit Bier, Fußball und Schrauben in der Zuckerdose gut eingerichtet hat, ist er überzeugend. Das krempelt Margie ordentlich um. Sie sagt immer drastisch ihre Meinung, sorgt für Heiterkeit und behält natürlich immer Recht: „Wenn ich dir recht gebe, liegen wir beide falsch.“
Ein Höhepunkt ist ihr Solo über die Erziehung, die sie als „italienische Mama“ gelassen betrachtet. Doch vor Elternpflichten im Kindergarten und in der Grundschule warnt sie. Es schaudert ihr, dass sie Laternen basteln musste und Möhrchen statt Nutella in die Brotdose packen sollte. Die im Turnbeutel versteckten Nutella-Brote sind aufgeflogen. „Das war, als hätte ich Heroin mitgegeben.“ Immer wieder sind ihre Kinder unpünktlich. Für das Zuspätkommen entschuldigt sich ihr Sohn mit der nächtlichen Arbeit der Mama, wobei sie viel Applaus bekäme. „Und dein Papa bumst Helga Beimer“, sagte ein „doofer“ Mitschüler.
Kein gutes Haar lässt die 60-Jährige an der Theateraufführung in der Schule über Gemüse, bei der Sohn Liam die Hauptrolle als Gurke ergattert hat, und das bescheuerte „Blockflötenintermezzo“ zu Beginn jeder Schulfeier das sich anhört „wie 27 Katzen am Gebären.“ Die sechs Söhne des in Bonn lebenden Paares sind mittlerweile ausgezogen und selbst im Showbusiness tätig. Rührend, wie Bill erklärt, dass er sich nach dem Auszug der Kinder neu in seine Frau verliebt hat. Beide tragen die Folgen des Alters mit Humor, auch wenn der String-Tanga nicht mehr passt, und werben ernsthaft für die Ehe. Man sollte sich vor dem Schlafengehen immer wieder vertragen. „Sonst hast du einen steifen Hals, dat is schad, woanders könntest du 'nen Steifen gut gebrauchen“, sagt sie, und „alles wird joot.“