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(Ein-)Blick

Björn Holm: Gezeichnete Pointen in Schwarz-Weiß

Der Illustrator Björn Holm an seinem Schreibtisch. Fotos Felsch

Der Illustrator Björn Holm an seinem Schreibtisch. Fotos Felsch

Den eiligen Mediziner zeichnete er für eine große Krankenversicherung und die lustigen Enten für ein deutsch-englisches Kinderbuch des Bullenpreisträgers James Watson über Buxtehude – die Stadt, in der Björn Holm lebt und arbeitet.

Von Franziska Felsch Montag, 24.09.2018, 18:29 Uhr

Er lebt quasi Tür an Tür mit seiner Frau, Imke Korth-Sander, der mit Kulturpreisen geehrten und durch eine große Zahl von Ausstellungen bekannten Malerin, deren Werke einem in dem Künstlerhaus in der Stader Straße überall begegnen. Und auch Spuren von Tochter Corinna Korth, ebenfalls Künstlerin, die sich dem Thema Wölfe verschrieben hat, finden sich auf allen Etagen.

„Wir befruchten uns gegenseitig“, meint ihr Vater, Björn Holm, der heute nur noch zu Hause zeichnet und Bücher illustriert. Eines seiner Lieblingswerke, „Es gibt Schlimmeres“, mit Cartoons und gezeichneten Pointen, überrascht mit witzigen Einfällen. Überhaupt scheint ein feiner, hintergründiger Humor, der dennoch nie unter die Gürtellinie zielt, sich wie ein roter Faden durch seine unzähligen Arbeiten zu ziehen.

Gerahmte Bilder an den weißen Wänden, lose Entwürfe auf dem Parkett und Mappen mit Blattsammlungen in den deckenhohen Regalen ringen dem Betrachter ein ehrfürchtiges Staunen ab. Und die Frage: „Woher kommen diese verdammt guten Ideen?“ Lernen kann so was niemand. Das ist sicher. Weder Studium noch jahrelange berufliche Erfahrung bringen solche Schätze hervor. Wie die perfekten Porträtzeichnungen von bekannten oder von ihm verehrten Persönlichkeiten etwa. Oder die ironischen, auf dem Papier festgehaltenen Beziehungsdramen. Gezeichnete Pointen – das ist die Kunst, mit der er sich wohlfühlt. So wie die Mini-Storys, die er sich ausdenkt – Geschichten in vier Bildern, einprägsam und lustig.

Über 30 Jahre hat er als Art Director die Geschicke einer Hamburger Agentur geleitet. Und den gut bezahlten Job dann an den Nagel gehängt. Nicht unbedingt ein Abschied mit Wehmut. „Werbung ist ein heftiges Pflaster. Stress pur, meist bis 22 Uhr“, sagt der 1954 geborene Wahl-Buxtehuder. Aber er sei über diese Schiene auf Ideen gekommen, die er jetzt, mit mehr Ruhe und ohne Druck, am heimischen Schreibtisch verwirklichen kann, freut sich der vielseitige Illustrator, der auch für NDR-Ratgebersendungen Cartoons geliefert hat oder das Etikett für den Buxtehuder Sommerwein 2002.

Viele seiner Schwarz-Weiß-Zeichnungen lassen einen schmunzeln oder bringen einen zum Nachdenken. Über die mögliche Aussage dahinter. Obwohl die manchmal mehr als offensichtlich ist: Wenn es um die „Dame mit Anhang“ geht, ihren Mann, um Herbert, den Frauenversteher, der im Sessel auf die Anweisungen seiner Gattin wartet oder den Menschen im Hamsterrad, der den Absprung nicht schafft. Eine Botschaft? Ein gut gemeinter Rat? „Zeit ist kostbar und sie vergeht so wahnsinnig schnell“, sagt der ehemalige Agenturchef, der schon vor einigen Jahren seine Festanstellung aufgab.

Während er zeichnet, läuft im Hintergrund Musik. Nicht, weil er möglichst viel auf einmal erleben will. Folk, Funk und Jazz sind eine weitere Leidenschaft des Künstlers. Wenn sich die Oldies auf dem Plattenteller drehen, dient das der zusätzlichen Entspannung, die er beim Zeichnen ohnehin empfinde. 3000 Langspielplatten und etwa 1000 Singles stehen dem Sammler zur Verfügung, die dann zum Einsatz kommen, wenn Björn Holm seine Skizzen fertigt – für die nächste lustige oder nachdenkliche Kurzgeschichte.

Mit der Serie (Ein-)Blick verschafft das TAGEBLATT den Lesern Zugang zu den Ateliers der bildenden Künstler der Region. Wie sehen die Arbeitsstätten der Maler und Bildhauer aus? Welche Werkzeuge verwenden sie, und wie sieht eigentlich der Arbeitsalltag der Kunstschaffenden aus? Diese und mehr Fragen beantwortet die Kulturredaktion mit einem Blick hinter die Kulissen.

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