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Boltes-Chef sucht Nachfolger

Geflügel bleibt der Renner: Gastronom Frank Garloff und Mitarbeiterin Barbara Hackel im Boltes-Imbiss am Pferdemarkt in Stade. Foto Beneke

Geflügel bleibt der Renner: Gastronom Frank Garloff und Mitarbeiterin Barbara Hackel im Boltes-Imbiss am Pferdemarkt in Stade. Foto Beneke

Seit Wochen kursieren Gerüchte, jetzt stellt Gastronom Frank Garloff (67) klar: Er möchte das Kult-Restaurant Boltes und den angeschlossenen Schnellimbiss am Pferdemarkt in der Stader Innenstadt zum Jahresende schließen. Seit zwei Jahren sucht der Inhaber vergeblich einen Nachfolger. 

Von Daniel Beneke Freitag, 27.01.2017, 19:05 Uhr

Die Zukunft des Betriebes ist ungewiss. Es sei nicht die wirtschaftliche Lage, die ihn zu diesem Schritt bewogen habe, betont Garloff. Im Gegenteil, der Betrieb sei „ein Selbstläufer“. Aber nach fast 40 Jahren möchte er in den Ruhestand treten und mehr Zeit mit seiner Frau in ihrem Heimatland Spanien verbringen. Vor zwei Jahren machte er sich auf die Suche nach einem Nachfolger, kontaktierte diverse Gastronomen und Ketten. Bisher holte er sich nur Absagen – trotz 1A-Lage.

Boltes belegt am Pferdemarkt 600 Quadratmeter und beschäftigt 30 Mitarbeiter. „Ich habe den Wunsch, dass es weitergeht. Aber ich war überrascht, dass es so schwer ist, jemanden zu finden“, sagt Garloff. Am 31. Dezember soll definitiv Schluss sein, kündigt er an. Seinen Lieferservice stellt er bereits am 31. Januar ein.

Sein Geschäft bezeichnet er als „Insel der Glückseligkeit“. Generationen von Stadern seien hier eingekehrt. Die Kunden der ersten Stunde brächten inzwischen ihre Kinder oder Enkel mit. Das Klima sei familiär, einige seiner Angestellten sind seit Jahrzehnten dabei. Mitarbeiterin Barbara Hackel, die seit fast 34 Jahren für Garloff arbeitet, antwortet auf die Frage, was ihren Job ausmacht: „Das Team hier und die lieben Gäste. Ganz viel Schnacken. Du erfährst was Neues.“

Als der gebürtige Lübecker Garloff 1979 das Restaurant und den Imbiss am Pferdemarkt eröffnete, war er der erste Vertreter der Systemgastronomie in Stade. Damals gehörte sein Betrieb zur Kette „Wienerwald“, deren Gebietsleiter er zwischenzeitlich war. 500 Betriebe in Deutschland und den Nachbarländern firmierten damals unter der Marke. Der Laden hatte bis in die Nacht geöffnet, in der Nachbarschaft waren Kneipen und Diskotheken ansässig.

Die Expansion nach Amerika habe dem Konzern das Genick gebrochen, erinnert sich der Gastronom. Im Zuge diverser Eigentümerwechsel sei „das Tafelsilber verscherbelt“ worden. Als die Franchise-Gebühren immer weiter stiegen, trennte sich Garloff von „Wienerwald“. Mit Kollegen in Hamburg und Berlin rief er das Label „Boltes“ ins Leben. Das grün-gelbe Design wich einer rot-gelben Optik. Die Einrichtung ist aus Figuren aus dem Kinderbuch „Max und Moritz“, das seine Tochter gelesen hat. Heute wie in den Anfangsjahren steht Geflügel in vielen Variationen auf der Speisekarte. Parallel dazu gibt es saisonale und regionale Gerichte wie Spargel im Frühjahr und Grünkohl im Winter. Was ebenfalls im Lauf der Jahrzehnte geblieben ist: Restaurant und Imbiss haben an 365 Tagen im Jahr geöffnet. „Wir waren immer präsent“, sagt Garloff.

Das wüssten die Stammkunden zu schätzen: Eltern mit Kindern kommen ebenso wie ältere Menschen, im Imbiss holen sich auch Schüler und Beschäftigte aus der Innenstadt ihr Mittagessen. Insgesamt sei sein Publikum überdurchschnittlich alt, erklärt der Gastronom. Der Boltes-Lieferservice fahre viele Senioreneinrichtungen an. „Für sie ist es das Highlight des Tages, wenn wir kommen“, sagt Garloff.

Er glaubt an die Zukunft des Geschäfts, sagt aber auch: „Es muss ein Facelift her.“ Einem Nachfolger würde er auf Wunsch „mit Know-how und finanziell“ zur Seite stehen.

Kontakt zu Frank Garloff unter Telefon 0 41 41/ 31 13 oder im Internet.

www.boltes-stade.de

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