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Ermittlungen

Brandruine in Haddorf wird zur Müllkippe

Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Feuer wachsen die Müllberge an der Ruine. Fotos: Beneke

Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Feuer wachsen die Müllberge an der Ruine. Fotos: Beneke

Die Anwohner der Brandruine an der B 73 am Rand der Stader Ortschaft Haddorf sind mit den Nerven am Ende. Seit dem Feuer Anfang 2018 liegt der stinkende Bauschutt auf dem Grundstück – und der Müllberg wächst. Kreisumweltamt und Polizei haben die Ermittlungen aufgenommen.

Sonntag, 27.10.2019, 10:00 Uhr

Inzwischen machen sich Ratten breit. „Hier muss etwas passieren“, sagt Nachbar Christian Ostertag. Neben dem Bauschutt liegen inzwischen auch Möbel, Kleidung, Sanitäranlagen, Feuerlöscher, Gasflaschen und Blumentöpfe dort – zum Teil frisch abgeladen. Auch ein gelber Transporter mit offener Ladefläche und ohne Kennzeichen stand dort wochenlang, ist inzwischen aber wieder verschwunden. In einem Schuppen lagern Lacke und Farben. Es riecht noch immer verbrannt. Im Schutt wachsen schon die Unkräuter. „Das ist einfach nur ekelhaft“, sagt Christian Ostertag. „Der Schandfleck muss weg“, sagt Nachbarin Melanie Breede.

Wenn die Anwohner im Garten sitzen, kommt es zu skurrilen Szenen: „Die Leute halten mit dem Fahrrad hier an und fahren mit vollen Taschen wieder weg“, erzählt Christian Ostertag. „Manchmal fragen sie auch, ob sie hier ihren Müll hinbringen dürfen.“ Zwar wuchern Gräser und Sträucher, doch die Ruine ist ohne Weiteres zugänglich. Eine gepflasterte Auffahrt ohne Tor ermöglicht eine schnelle Anlieferung von allerlei Unrat. „Die können hier bequem rückwärts rauffahren. Davon bekommen wir nachts gar nichts mit. Der Haufen wird bloß immer größer.“

Die Nachbarn haben einige Autofahrer, die ihren Müll dort hingebracht haben, auf frischer Tat ertappt. Darunter waren auch Gewerbetreibende. Es gibt Fotos von Fahrzeugen und Kennzeichen, sie liegen der Polizei und dem Umweltamt des Landkreises vor. Jeder, der dort Müll ablädt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann bestraft werden. Längst hat das Umweltamt in mehreren Fällen auch Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet, an einige Übeltäter sind bereits Bußgeldbescheide über mehrere Hundert Euro zugestellt worden.

Der Landkreis hat den Eigentümer mehrfach aufgefordert, den Müll zu entsorgen. Bisher vergeblich. Seit eineinhalb Jahren gibt es Schriftwechsel. Mittlerweile läuft gegen ihn ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Betreibens einer illegalen Mülldeponie. Wenn der Eigentümer den Aufforderungen des Landkreises nicht Folge leistet, droht ihm eine Ersatzvornahme. Dann wird der Landkreis die Räumung des Grundstücks ausführen lassen und dem Eigentümer die Kosten in Rechnung stellen.

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Die Anwohner sagen, dass sie seit Monaten keinen Kontakt mehr zum Eigentümer haben und ihn an der Ruine auch seither nicht mehr gesehen haben. Bei dem Brandschutt handelt es sich um Sondermüll. Um herauszufinden, inwiefern der Schutt kontaminiert ist, müssten Proben genommen werden. Die städtische Bauaufsicht könnte tätig werden, indem sie die Mauern der Ruine für einsturzgefährdet erklärt und abbrechen lässt. Bisher ist das nicht geschehen. Besonders wertvoll sind für die Ermittler Hinweise auf die Urheber des Mülls. Deshalb sehen sie sich die Abfälle genau an.

Besonders beunruhigend finden die Nachbarn, dass sich seit einigen Monaten Ratten auf dem Gelände breitmachen. Von ihrem Schlafzimmerfenster aus kann Melanie Breede sie beobachten. „Ich habe an einem Tag über 20 Stück gezählt.“ Auch das zuständige städtische Ordnungsamt wisse Bescheid, unternehme jedoch nichts. Auch die CDU-Ratspolitikerin Kristina Kilian-Klinge aus Haddorf hatte sich an das Ordnungsamt gewandt und ein Einschreiten gefordert. Sie brachte das Thema in einer Ortsratssitzung zur Sprache. „Die werden nicht tätig“, empört sich Christian Ostertag. „Ich finde es traurig, dass sich keiner dafür verantwortlich fühlt.“

Zuständig sei der Landkreis Stade als Umwelt- und Abfallbehörde, betont Stadt-Sprecherin Myriam Kappelhoff. „Hinsichtlich des Wildmülls hat das Ordnungsamt dem Eigentümer empfohlen, das Gelände mit einem Bauzaun zu sichern, um zu verhindern, dass dort weiterhin Müll abgestellt wird“, teilt sie mit. Dies ist bisher jedoch nicht geschehen. Dem Hinweis auf Schädlinge sei die Stadt nachgegangen. Mitarbeiter hätten sich zwei Mal vor Ort umgesehen. „Bei diesen Vorortterminen konnte kein Rattenbefall festgestellt werden“, sagt Myriam Kappelhoff.

Beamte der Stader Polizeiinspektion waren in den vergangenen Monaten mehrfach vor Ort. Weil der Besitzer augenscheinlich nichts dagegen unternimmt, dass Fremde dort ihren Müll abladen, und auch keine Anstalten macht, den entsorgungspflichtigen Brandschutt zu entsorgen, läuft gegen ihn nach TAGEBLATT-Informationen ein Strafverfahren.

Das leer stehende Wohnhaus war kurz nach einem Eigentümerwechsel im Februar 2018 in einer bitterkalten Winternacht unter mysteriösen Umständen lichterloh abgebrannt. 100 Feuerwehrleute aus Stade und Wiepenkathen konnten das Gebäude nicht mehr retten, die angrenzenden Wohnhäuser jedoch vor den Flammen schützen. Schnell fanden die Brandexperten der Stader Polizei heraus, dass das Feuer mithilfe von Brandbeschleuniger mutwillig gelegt worden ist. Einen Täter konnten sie bisher noch nicht zweifelsfrei ermitteln.

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