Bürgerbus bringt alle ans Ziel
„Tolle Einrichtung“, sagt Thomas Trinke zum Bürgerbus . Busfahrer Michael Haferkamp schiebt seinen Fahrgast ins Fahrzeug und bringt ihn ans Ziel. Fotos Stief
Viele fahren zum Bahnhof, manche zur Arbeit und ausnahmsweise machen auch mal zwei Besucher aus der Schweiz eine Sightseeing-Tour. Der Bürgerbus in Harsefeld ist für alle offen. Zum 1. Oktober hat er einen neuen Fahrplan erhalten, mit geänderten Fahrtrouten, angepasst an die Bedürfnisse der Fahrgäste.
Das Bürgerbus-Angebot in Harsefeld geht jetzt ins dritte Jahr. Das Fazit, das die Bürgerbusorganisatoren Bernd Lück und Martin Schimmöller ziehen können, ist positiv. Die Fahrgastzahlen gehen nach oben. Mittlerweile steigen über 500 Nutzer monatlich in den Bus und lassen sich ans Ziel kutschieren. Erstaunlich: An die 80 Fahrgäste steigen in Ahlerstedt ein, weil sie in Harsefeld etwas zu erledigen haben.
Die Art und Weise, wie die Fahrgäste den Bus nutzen, haben die Bürgerbus-Betreiber ausgewertet. Und daraus abgeleitet, was die Harsefelder und Ahlerstedter möchten und was nicht.
„Im Neubaugebiet am Redder haben wir nur wenige Ein- und Aussteiger verzeichnet“, haben Bernd Lück und Martin Schimmöller festgestellt. Sie zogen daraus den Schluss, dass es nicht lohnt, das Neubaugebiet anzusteuern. „Dafür steuern wir jetzt stündlich den Bahnhof an“, sagt Bürgerbusvereinsvorsitzender Schimmöller. Der Bahnhof ist als Zielort nämlich beliebt. Ebenso wie das DRK-Heim oder die Ärzte, die häufig aufgesucht werden.
Für die Verantwortlichen war auch das eine Überraschung: Kaum jemand nutzt den Bus, um sich zum Friedhof Ehrenberg, der nahe der Aue am Rande von Harsefeld liegt, fahren zu lassen. Dabei hatten die Verantwortlichen gedacht, dass ältere Leute das Angebot dankend annehmen. Die Realität sieht anhand der Zählung durch die Busfahrer aber anders aus. Also wird auch dieser Ort nicht mehr angesteuert.
Beim neuen Fahrplan nahmen die Bürgerbus-Betreiber auch Rücksicht auf einzelne Fahrgäste. Eine Raumpflegerin kann den Bus mit den neuen Fahrzeiten zur Arbeitsstelle und zurück nutzen – nun passt es gut. Auch eine Frau, die im DRK-Heim arbeitet, fand beim neuen Plan Berücksichtigung.
Auf allen Linien beginnen die Fahrten um 8 Uhr. 20 männliche Fahrer und drei Fahrerinnen sind im Einsatz. Ein Busfahrer sitzt dabei einen halben Tag am Steuer und bewältigt knapp 100 Kilometer. Auf jeden kommen zwei Schichten zu, die zu fahren sind. Fahrer werden übrigens immer gesucht, machen Lück und Schimmöller deutlich. Die Fahrerlaubnis für die Busfahrer muss alle fünf Jahre erneuert werden und manch ein Fahrer schafft dann den Augen- oder den Reaktionstest nicht mehr.
In den ersten drei Jahren des Bürgerbus-Projekts stiegen 12 000 Menschen in den Bus ein. Sie zahlten 1,50 Euro für die Fahrkarte. Diese Einnahmen decken so eben den Spritverbrauch. Die Haupteinnahmequelle ist die Werbung auf dem Fahrzeug, die von Firmen aus dem Flecken finanziert wird. Eine Anschubfinanzierung gab es von der Gemeinde.
Von den 500 verkauften Fahrkarten im August wurden 142 an Schwerbehinderte verkauft und 39 an deren Begleitpersonen. Die meisten nutzen den Bus regelmäßig, 185 Personen zogen Zehnerkarten. Zudem zahlten weitere 187 Gäste den Preis in bar. Die beiden Schweizer tauchen in der Statistik nicht extra auf.
Sitzt gern am Steuer: Fahrer Michael Haferkamp .