AbonnierenAbo
Zähl Pixel
Verwaltung

Bundesweiter Papieratlas: Landkreis Stade ist „Aufsteiger des Jahres“

Die Wiederverwertung von gebrauchtem Papier schont Ressourcen und damit auch das Klima.

Die Wiederverwertung von gebrauchtem Papier schont Ressourcen und damit auch das Klima. Foto: Kahnert/dpa

Die Landkreis-Verwaltung geht einen weiteren Öko-Schritt – und darf sich über eine Auszeichnung von höchster Stelle freuen.

Von Redaktion 09.10.2026, 05:52 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Landkreis/Berlin. Der Landkreis Stade hat im vergangenen Jahr in der Verwaltung Recyclingpapier eingeführt und den Anteil innerhalb eines Jahres von 0 auf 57,80 Prozent ausgebaut. Damit erreichte der Landkreis im Papieratlas 2026 der Initiative Pro Recyclingpapier (IPR) die höchste Steigerung. Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter zeichnete den Landkreis Stade im Bundesumweltministerium in Berlin jetzt als „Aufsteiger des Jahres“ aus. Landrat Kai Seefried nahm am Dienstag die Auszeichnung persönlich entgegen.

Mehr als 700.000 Liter Wasser eingespart

Im Vergleich zu Frischfaserpapier, welches ersetzt wurde, bewirkte der Landkreis im vergangenen Jahr eine Einsparung von mehr als 703.000 Litern Wasser und mehr als 158.000 Kilowattstunden Energie. Die Wassereinsparung entspricht dem täglichen Bedarf von mehr als 5000 Menschen. Die eingesparte Energie könnte den jährlichen Strombedarf von 45 Drei-Personen-Haushalten decken.

Marc Gebauer, Sprecher der IPR, betonte: „Bei der nachhaltigen Papierbeschaffung nimmt der Landkreis Stade eine Vorreiterrolle ein. Der Einsatz von Blauer-Engel-Papier erzielt spürbare ökologische Effekte und dient als inspirierendes Best-Practice-Beispiel für alle Kommunen.“

Der Papieratlas dokumentiert seit 2008 jährlich den Papierverbrauch und die Recyclingpapierquoten in deutschen Städten, seit 2016 auch in Hochschulen und seit 2018 in Landkreisen.

Kai Seefried nahm den Preis von Marc Gebauer (Sprecher der Initiative Pro Recyclingpapier, links) und der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter entgegen.

Kai Seefried nahm den Preis von Marc Gebauer (Sprecher der Initiative Pro Recyclingpapier, links) und der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter entgegen. Foto: IPR/Mark Bollhorst

4,3 Millionen DIN-A4-Blätter benutzt

Kai Seefried versprach, den positiven Trend innerhalb der Verwaltung fortzuführen: „Ich bin mir sicher, wir können noch besser werden und unser Ergebnis in den kommenden Jahren Schritt für Schritt übertreffen.“

4,3 Millionen DIN-A4-Blätter wurden im Jahr 2025 in der Kreisverwaltung insgesamt genutzt. „Hier werden wir noch genauer hinschauen, ob und wie sich Abläufe komplett papierlos gestalten lassen“, sagte Seefried.

Die Initiative Pro Recyclingpapier beobachtet 2026 einen Aufwärtstrend in der Verwaltung: Die 94 teilnehmenden Landkreise konnten die durchschnittliche Recyclingpapierquote auf fast 86 Prozent steigern.

In diesem Jahr konnten sich die Städte Bremerhaven und Tübingen, der Kreis Dithmarschen sowie die Universität Hohenheim die ersten Plätze in den verschiedenen Kategorien sichern. Neben dem Landkreis Stade wurden auch die Stadt Euskirchen und die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf als „Aufsteiger des Jahres“ ausgezeichnet.

  • 5 häufige Fragen rund um Papier-Recycling

(1) Wie viel Papier verbrauchen wir im Jahr?

In Deutschland werden laut NABU etwa 19 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton verbraucht, das entspricht 200 Kilo Papier pro Einwohnerin bzw. Einwohner. Mehr als die Hälfte geht auf das Konto von Verpackungen, wie Versandkartons. Die Zahl nimmt seit der Pandemie stetig zu.

(2) Wieso sollte man Recyclingpapier nutzen?

Für die Herstellung von Recyclingpapier fallen weniger Wasser und Energie an. Außerdem werden die Wälder geschont. Denn: Für Papier wird Zellstoff aus Holz benötigt – es müssen also Bäume gefällt werden. Oft wird Holz aus schnellwachsenden Plantagen genutzt, was einen negativen Einfluss auf die Artenvielfalt hat. In Zahlen bedeutet das: Wer auf Recyclingpapier setzt, spart im Vergleich zur Nutzung von Frischfaserpapier 100 Prozent Holz, 78 Prozent Wasser, 68 Prozent Energie und 15 Prozent CO2-Emissionen.

(3) Wie erkenne ich Recyclingpapier?

Recyclingpapier wird mit verschiedenen Siegeln gekennzeichnet. Der Blaue Engel ist das Umweltzeichen der Bundesregierung, es gibt ihn seit 1978. Recyclingpapier mit diesem Zeichen besteht zu 100 Prozent aus Altpapier, ist chlorfrei und ohne halogenierte Bleichmittel aufgehellt.

Ein weiteres Siegel ist das FSC Recycled – hier gelten allerdings weniger strenge Regeln. Umweltverbände wie der NABU etwas empfehlen die Verwendung von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel.

(4) Hat Recyclingpapier dieselbe Qualität wie Frischfaserpapier?

Ein Mythos, der sich hartnäckig hält, ist, dass Recyclingpapier keine gute Qualität hat. Dank moderner Herstellungstechnik steht Recyclingpapier dem klassischen Frischfaserpapier in Qualität und Optik in nichts nach. Recyclingpapier gibt es – wie Frischfaserpapier auch – in verschiedenen Stärken und Weißegraden.

(5) Wie kann ich generell Papier im Alltag einsparen?

Ein wichtiger Schritt: Immer dort, wo Papier ins Haus kommt, prüfen, ob das auch wirklich benötigt wird. Werbung und Hauswurfsendungen abzubestellen, reduziert das Papieraufkommen immens. Dokumente wie Rechnungen, Bescheide und Mitteilungen von Ämtern, Banken oder Ähnliches können oft auch auf dem digitalen Weg zugestellt und abgelegt werden. Wenn möglich, auf ausgedruckte Kassenzettel verzichten.

Wer beruflich oder privat viel druckt, sollte – sofern möglich – doppelseitig drucken. Fehldrucke können als Schmierpapier verwendet werden.

Ein Tipp für Dokumente, die unterschrieben werden müssen: Über Anwendungen wie Adobe Acrobat Sign, DocuSign und andere lässt sich das mithilfe von elektronischen Signaturen komplett digital lösen. (tip)

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel