Buxtehude-Museum: Hinter der Fassade nagen Schädlinge
Das Buxtehude-Museum wird für 4,3 Millionen Euro saniert und erweitert. Auch der Altbau, das alte Heimatmuseum, muss dringend saniert werden. Unklar ist, wer das bezahlen soll. Denn der Altbau gehört dem Heimatverein.
Martin Lockert ist Vorsitzender des Buxtehuder Heimatvereins. Der hat viele Projekte, aber Lockert beschäftigt zurzeit vor allem eins: Die Zukunft des alten Heimatmuseums. Das malerische Haus mit der Lebkuchenhaus-Optik ist zwar Eigentum des Heimatvereins, aber heute Teil des Buxtehude-Museums. Es muss dringend saniert werden – unter anderem, weil im Holz der Balken, wie eine Laboruntersuchung ergab, drei verschiedene Sorten Schädlinge sitzen.
Das Buxtehude-Museum wird seit 2015 für 4,3 Millionen Euro saniert, umgebaut und erweitert. Nur im Altbau ist bisher baulich nichts passiert. Spätestens seit Ende 2017 ist bekannt, dass die Kosten für die Sanierung bei mindestens 300 000 Euro liegen werden. Seither laufen Gespräche zwischen Stadt und Heimatverein zur Frage der Finanzierung. Der Zeitdruck steigt: Sonst könnte 2019 mitten im Herzen des frisch sanierten und erweiterten Buxtehude-Museums noch immer der marode Altbau stehen.
Das Gebäude erscheint auf den ersten Blick älter, wurde aber erst 1913 erbaut. Stifter war der Seifenfabrikant und Mäzen Julius Cäsar Kähler. Er überschrieb das Haus dem Vorgängerverein des Heimat- und Geschichtsvereins Buxtehude. Der hatte sich seit 1880 zum Ziel gesetzt, die „in hiesiger Stadt und Umgegend verstreuten Kunstgegenstände und Alterthümer“ zu sammeln, zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
1992 wurde direkt an das Heimatmuseum anschließend das Buxtehude-Museum gebaut, der Altbau wurde saniert. Der Heimatverein, dem auch benachbarte Flächen gehörten, überließ der Stadt für den Neubau einige Parzellen. Für das entstehende Buxtehude-Museum übernahm der eigens gegründete Museumsverein die Trägerschaft. Mitglieder sind die Stadt Buxtehude, der Landkreis Stade und der Heimatverein. Vorsitzende des Museumsvereins ist heute Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt, zum Vorstand gehören auch Landrat Michael Roesberg sowie Dr. Martin Lockert (siehe Foto) und Helmut Gretscher vom Heimatverein.
Wie Lockert erläutert, stellt der Heimatverein laut damaliger Vereinbarung Altbau und Museumsgut dem städtischen Museum unentgeltlich zur Verfügung. Im Gegenzug übernehme der Museumsverein die Pflege des Museumsgutes und die Unterhaltung des Gebäudes. Der Heimatverein habe hin und wieder Ausstellungen oder kleine Reparaturen bezahlt und Ankäufe mitbezahlt. Laufende Kosten tragen Stadt und Landkreis, Einzelheiten sollten in weiteren Vereinbarungen geregelt werden. „Doch die sind nie zustande gekommen“, sagt Lockert.
Dass solche Details nie geklärt wurden, bedauert auch Katja Oldenburg-Schmidt. Nun soll das nachgeholt werden – mit einer zeitgemäßen Satzung für den Museumsverein und einer neuen Nutzungsvereinbarung. Ein Satzungsentwurf wurde bereits vorgelegt und diskutiert, ein Gegenentwurf des Heimatvereins ebenfalls, die Gespräche laufen weiter. Ein Anliegen der Stadt ist es, dass der Vorstand künftig zu je einem Drittel von Stadt, Landkreis und Heimatverein besetzt wird. Bisher stellt der Heimatverein zwei der vier Vorstände.
Die Sanierung des Altbaus könnte nach Oldenburg-Schmidts Einschätzung wegen des „extremen Sanierungsstaus“ auch noch durchaus teurer als 300 000 Euro werden. Der Heimatverein könne einen Zuschuss beantragen: „Ich bin sicher, dass die Politik das wohlwollend beurteilen würde.“ Der Landkreis sei im Zuge der Gleichbehandlung mit anderen Heimatvereinen nicht bereit zur Kostenübernahme. Die Stadt würde sogar sämtliche Kosten tragen – aber nur bei einer Eigentumsübergabe, betont Oldenburg-Schmidt: „Wenn wir 100 Prozent übernehmen, dann wollen wir auch diese Sicherheit.“
Für den Heimatvereinsvorsitzenden Dr. Lockert ist die Eigentumsfrage „eigentlich nicht von großer Relevanz“. Wichtig sei, was daraus werde. Der Heimatverein hat mehrere alte Gebäude unter seiner Regie und keine großen Mittel übrig. Wo das Problem einer Übergabe an die Stadt liegt, lässt aber eine Erklärung erahnen: „Das Heimatmuseum ist die Seele des Heimatvereins.“
Das alte Heimatmuseum liegt dem Heimatverein nicht nur am Herzen, es ist wirklich ein wichtiger Teil seiner Geschichte. Nur dem Engagement geschichts- und kulturbewusster Buxtehuder ist es zu verdanken, dass so viele wunderbare Objekte erhalten wurden, die aus der Vergangenheit der Stadt erzählen und dass 1913 das Haus gebaut wurde, das die Keimzelle des heutigen Museums ist.
Der Stifter hat es damals bewusst nicht der Stadt, sondern dem Vorgänger des heutigen Heimatvereins überlassen. Kein Wunder: Es wurde ja gebaut, weil es damals offenbar an Bewusstsein dafür mangelte, wie Historisches erhalten und vermittelt werden kann und die Objekte keinen würdigen Ausstellungsort hatten. Als das kostbare Heimatmuseum 1992 zu einem Teil des Buxtehude-Museums wurde, ist das für den Heimatverein sicher auch kein einfacher Schritt gewesen. Den Ehrenamtlichen war aber klar, dass die Sammlung und das Haus davon profitieren würden, in einem größeren Zusammenhang präsentiert und professionell gemanagt zu werden.
Nun steht der nächste Schritt bevor: Nach der Sanierung und Erweiterung wird das Buxtehude-Museum in einer höheren Liga spielen. Vor allem die neue Altsachsen-Abteilung dürfte überregionale Strahlkraft entwickeln. Der Heimatverein sollte sich also nicht fürchten, sein Eigentum loszulassen. Das Museum wird ein Magnet. Um den neuen, höheren Ansprüchen zu genügen, wird es weiterhin auf die Kompetenz und das Engagement der Ehrenamtlichen des Heimatvereins angewiesen sein.