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Buxtehude bekommt ein Brauhaus

Seit 1304 gibt es einen Ratskeller in Buxtehude, in diesem Jahr soll im Alten Rathaus nach Eröffnung des Ratsbräus wieder das Licht angehen. Foto Vasel

Seit 1304 gibt es einen Ratskeller in Buxtehude, in diesem Jahr soll im Alten Rathaus nach Eröffnung des Ratsbräus wieder das Licht angehen. Foto Vasel

Nach TAGEBLATT-Informationen ist in der Frage, wer in diesem Frühjahr in den Buxtehuder Ratskeller einziehen wird, eine klare Vorentscheidung gefallen. 

Von Karsten Wisser Dienstag, 05.01.2016, 18:56 Uhr

Sowohl eine Mehrheit im Rat der Stadt als auch die Verwaltung sprechen sich für das Brauhaus/Ratsbräu-Konzept von Dirk Domagala aus. Als Pächter der seit Januar 2011 leerstehenden Räume unter dem historischen Rathaus stünde bei diesem Modell der Chef des Prothesenherstellers Implantcast, Jens Saß, bereit. Der erfolgreiche Unternehmer will 550 000 Euro in den Ratskeller investieren.

Braumeister Dirk Domagala will gemeinsam mit seiner Ehefrau und der potenziellen Geschäftsführerin Carmina Bastl im Ratskeller eine Mini-Brauerei aufbauen. Außerdem soll es – ähnlich wie im Ende 2011 geschlossenen Brauhaus in der alten Viehmarkthalle von 1911 – eine Küche mit rustikaler Hausmannskost, auf Bier abgestimmt, geben. Der frühere Braumeister des Brauhauses will ein leichtes und ein starkes Bier brauen, aber auch auf der Craft-Beer-Welle mitschwimmen. Craft Beer – das steht für geschmacksintensive, handwerklich gebraute Biere.

Die Kräfteverhältnisse im Buxtehuder Rat sind wie folgt: SPD, BBG/FWG und FDP sprechen sich für das Team Domagala/Saß aus und hätten gemeinsam mit Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt eine knappe Mehrheit im entscheidenden nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss, der in der übernächsten Woche tagt und im Bauausschuss, der am kommenden Dienstag tagt – allerdings bei diesem Thema ebenfalls hinter verschlossenen Türen.

CDU und Bündnis 90/Die Grünen sind – trotz der Verwaltungsvorlage – weiterhin für den Irish-Pub-Betreiber Tim Franz, der von seinem jetzigen Standort am Geesttor gerne in den Ratskeller umziehen und sein Konzept dort fortsetzen möchte.

Der dritte Bewerber, der bekannte Koch und Noch-Seeburg-Betreiber Michael Hofmann, ist aus dem Rennen.

Neben der inhaltlichen Ausrichtung ist der größte Unterschied zwischen den Bewerbern, dass nur beim Brauhaus-Konzept größere Investitionen erfolgen sollen. Die anderen Bewerber wollen laut vertraulicher Verwaltungsvorlage ihr Inventar aus ihren bisherigen Lokalen mitbringen. Die Pacht beträgt im ersten Jahr pro Monat 1200 Euro, danach 1900 Euro pro Monat, der Pachtvertrag ist auf zehn Jahre ausgelegt. Die Verwaltungsvorlage ist in ihrer Aussage eindeutig. Das Konzept „Brauhaus/Ratsbräu“ entspreche am besten dem Ambiente und den baulichen Vorgaben eines Ratskellers – in einem historischen Rathaus. Außerdem werde der Tourismus gefördert, erlebbares Brauhandwerk sei ein Magnet.

„Das Prinzip ‚Mini-Brauerei‘ ist das richtige für den Ratskeller“, sagt SPD-Fraktionschefin Astrid Bade. Ihre Partei habe außerdem eine kleine Umfrage zu mehreren Themen in der Stadt gemacht, und beim Thema Ratskeller hätten sich fast alle Befragten für das Brauhauskonzept ausgesprochen.

„Ein Ratskeller ist die Visitenkarte einer Stadt – ein Irish Pub gehört hier nicht rein“, sagt Bodo Klages (BBG/FWG). Ins selbe Horn stößt auch Henry Bax von der FDP. Ortsverein und Fraktion hätten sich für das Brauhaus-Konzept ausgesprochen. Dieses könne ein Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen werden.

CDU-Fraktionschefin Arnhild Biesenbach ist anderer Meinung. Für die Attraktivität der Altstadt und die Menschen sei das Konzept von Franz das bessere. Live-Musik bei freiem Eintritt und längere Öffnungszeiten würden die Innenstadt beleben. Biesenbach: „Franz hat schon bewiesen, dass er es kann.“

Die Grünen sind weiterhin für Tim Franz („The Rebel’s Choice Irish Pub“). In den Altstadtkneipen waren rund 1000 Unterschriften für ihn gesammelt worden. „Er spricht Jüngere und Ältere – und ein internationales Publikum an“, sagt Grünen-Chef Michael Lemke. Ein Brauhaus mit Voll-Gastronomie werde sich an dieser Stelle nicht halten, es gelte die Kneipenlandschaft in der Altstadt zu erhalten. Doch die Grünen wollen Domagala/Saß nicht die Tür vor der Nase zuwerfen. „Das Brauhaus-Konzept ist gut, nur der Standort ist dafür nicht so optimal“, betont Fraktionschef Lemke, „wir sollten den Mut für einen großen Wurf haben.“ Schließlich werde in diesem Jahr über die Nachnutzung der Malerschule diskutiert. „Die Frage: ,Warum kein großes Brauhaus mit Saal in der Malerschule, in der heutigen Stadtbibliothek oder in einer in einer anderen Immobilie?’ muss erlaubt sein.“ Unter den Bäumen am Hafen (Malerschule) oder am Wehdenhof könnte ein großer Biergarten entstehen. Das Fehlen größerer Außengastronomie hatte der frühere Brauhaus-Wirt Matthias Laser mit für sein Scheitern verantwortlich gemacht.

Der letzte Pächter des Ratskellers zahlte 21 600 Euro im Jahr an die Stadt. Eigentlich „Peanuts“ für Buxtehude – im historischen Rückblick. Schließlich war der Wein- und Bierkeller des Rates noch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die wichtigste Einnahmequelle der Stadt; rund 400 Mark spülte dieser im Jahr 1478 in die Stadtkasse, bei Gesamtausgaben von 1000 Mark. Heute beträgt das Haushaltsvolumen 89,98 Millionen Euro. Alle drei Rathäuser – von 1304, von 1408 und von 1913/1914 – hatten, beziehungsweise haben einen Ratskeller. Selbst, als das Rathaus von 1408 nach dem großen Stadtbrand vom 14. August 1911 in Trümmern lag, war der Buxtehuder Ratskeller am Tag darauf wieder geöffnet, um die Tausenden von Schaulustigen aus Stade und Hamburg inmitten der Trümmer des Rathausquartiers zu versorgen. Der Ratskeller mit seinen Gewölben im Neo-Renaissancestil stand von Januar 2011 bis zum Mai 2015 leer. Der letzte Pächter war auf keinen grünen Zweig gekommen, Küche und Mobiliar wurden verkauft. Mithilfe des Vereins „Kulturforum am Hafen“ zog, auf Bitten der Verwaltung, mit Konzerten, Lesungen und Ausstellungen sowie einem „Kulturcafé“ letztes Jahr wieder Leben ein, nachdem die Stadt das Gewölbe mit Bordmitteln saniert hatte. Im Zuge der Sanierung des Rathauses wird zurzeit ein Fahrstuhl eingebaut, damit ist der Keller barrierefrei.

Das Kulturcafé schloss bereits Ende 2015. Am Sonnabend, 20. Februar, 20 Uhr, steigt das Abschlusskonzert im „the ratskeller“ mit Latin Jazz – vom Christoph Busse-Quartett.

 

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