Buxtehude bekommt wieder einen Schlachter
Es wird ab Februar wieder eine Fleischerei in der Buxtehuder Altstadt geben. Gut ein Jahr nach dem überraschenden Ende von Schlachter Bitter am Westfleth haben jetzt zwei Jungunternehmer ihre Pläne für ein neues Geschäft vorgestellt.
Neben der Angebotsverbesserung ist der Ort, an dem das neue Geschäft etabliert werden soll, wichtig. Das Geschäft mit dem Namen „Die Fleischerjungs“ soll im letzten noch freien Laden im Rathausquartier an der Langen Straße einziehen. Seit der Eröffnung des neuen Quartiers im März 2014 konnte dieser Laden noch nie vermietet werden. „Das war einer der prominentesten Leerstände, und wir freuen uns sehr, dass dort so ein tolles Geschäft reinkommt“, sagt Kerstin Maack von der Wirtschaftsförderung der Stadt Buxtehude. Die staatliche Wirtschaftsförderin hatte die langwierigen Verhandlungen intensiv begleitet. Sie erhofft sich durch ein zusätzliches Geschäft an diesem Platz auch eine stärkere Frequentierung des anschließenden Petri-Platzes.
Der äußerst beliebte Schlachter Bitter hatte völlig überraschend im Oktober 2016 die Türen geschlossen. Daraufhin wurde immer wieder die Familie Röhrs mit ihrem Vorzeigebetrieb in Jork angesprochen. Der Vater-und-Sohn-Betrieb solle doch die Lücke schließen, die sich in der benachbarten Stadt aufgetan habe. Röhrs ist das älteste Fleischereifachgeschäft Norddeutschlands. Das Unternehmen hat eine hauseigene Schlachtung und arbeitet mit regionalen Landwirten zusammen. Seit einigen Jahren steht der „Röhrs-O-Mat“ in der Jorker Ortsmitte – ein Automat, an dem rund um die Uhr Grillfleisch gekauft werden kann.
Es sind jetzt nicht Vater und Sohn Röhrs, sondern Sohn Daniel Röhrs (28) als eine Hälfte der Fleischerjungs, die das neue Geschäft eröffnen. Er hat mit Ole Meyer eine eigene Firma für den Gang nach Buxtehude gegründet. Fleischermeister Daniel Röhrs hat in diesem Jahr in der Kategorie Unternehmensnachfolge den Gründerstar gewonnen. Meyer (26) hat bei Röhrs gelernt und noch zwei weitere Ausbildungen zum Groß- und Einzelhandelskaufmann und zum Wirtschaftsfachwirt absolviert. Zurzeit ist Meyer als Geschäftsführer in der Viehvermarktung der Stader Saatzucht tätig. Er wird sich um den Verkauf in Buxtehude vor Ort kümmern. Daniel Röhrs kümmert sich von Jork aus um die Produktion der Waren und ist für die Produktentwicklung zuständig.
„Wir wollen dem Fleisch seine Wertigkeit zurückgeben“, sagt Ole Meyer. Zwei ausgesuchte Landwirte werden Rinder und Schweine liefern. Geschlachtet wird bei Röhrs in Jork. Die beiden setzen bei ihrer Neugründung darauf, dass eine Fleischerei auch ein Ort zum Aufenthalt ist. „Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, welche Entwicklung die Bäckereien genommen haben“, sagt Ole Meyer. Es wird im Laden Stehplätze geben, und es werden Mittagstischangebote und warme Produkte zum Mitnehmen angeboten.
Die Einrichtung des 150 Quadratmeter großen Geschäfts soll hochwertig und nostalgisch sein. „Wie vor hundert Jahren, aber neu interpretiert“, beschreibt Ole Meyer das Konzept. Aktuell stehen „Die Fleischerjungs“ mit einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt in der Breiten Straße, der ab Montag wieder besetzt ist. So wollen sie schon mal Kontakt zu den neuen Kunden bekommen. Die erste Baubesprechung für den Umbau des Ladens gibt es bereits heute. Die Eröffnung ist für Mitte Februar geplant.
Die beiden jungen Unternehmer agieren mit ihrer Neugründung gegen den bundesweiten Trend. Reine Schlachtereien sind auf dem Rückzug. In Stade hat die Fleischerei Bunn gerade aufgehört, in Buxtehude-Altkloster hat der Schlachter Meyer seine Geschäftsaufgabe angekündigt. Außerdem hat gerade Feinkost Basedahl am Petri-Platz in Buxtehude dichtgemacht.
Generell sieht Wirtschaftsförderin Kerstin Maack die Buxtehuder Innenstadt gut aufgestellt. „Wir sind ein sehr attraktiver Standort für den stationären Einzelhandel“, sagt sie mit einem Hinweis auf die Lücken, die sich gerade in den vergangenen Wochen und Monaten sehr schnell geschlossen haben. Für zwei Leerstände am Westfleth und einen in der Breiten Straße seien sehr schnell Nachnutzer gefunden worden.