TChinesische Krabben fressen norddeutsche Gewässer leer
Zahlreiche Chinesische Wollhandkrabben (Eriocheir sinensis) überqueren ein Hindernis an der Fischtreppe Geesthacht. Foto: Frank Bründel
Eine Invasion an der Nordseeküste: Millionen von Wollhandkrabben tümmeln sich in Gewässern. Forscher entwickeln spezielle Fallen für die Schädlinge, bisher erfolglos.
Sie ist zu einer ausgewachsenen Plage geworden: Die Chinesische Wollhandkrabbe besiedelt fast jeden Fluss rund um die Nordsee. In heimischen Gewässern kann diese invasive Art großen Schaden anrichten. Invasive Art bedeutet, dass sie „eingewandert“ ist. Die Chinesische Wollhandkrabbe wurde vermutlich im Larvenstadium mit dem Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt.
In dem Forschungsprojekt Clancy wollen Wissenschaftler aus vier europäischen Ländern unter anderem spezielle Fallen für die Wollhandkrabbe entwickeln. Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven ist beteiligt. Eine Falle haben Projektleiter Oliver Hauck und sein Team in der Rohr ausgebracht, einem kleinen Fluss in Bremerhaven und im Landkreis Cuxhaven.
Viel Schlamm, aber keine Wollhandkrabben
Abgesehen davon, dass die Konstruktion regelmäßig von Schlamm befreit werden musste: Gefangen wurde nichts. Hauck und sein Team hatten eigentlich erwartet, dass sie im Herbst, wenn erwachsene Wollhandkrabben in die Nordsee abwandern, Fänge haben würden.

Eine Chinesische Wollhandkrabbe wandert nahe des Ortsteils Werder über eine Straße. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Woran lag es? Die Wissenschaftler diskutieren mehrere Möglichkeiten. Eine ist, dass der Bestand gelitten hat, als es in der Rohr im August 2023 zu Sauerstoffmangel kam und viele Wassertiere starben. Vielleicht nutzen die Wollhandkrabben aber auch von Jahr zu Jahr verschiedene Wanderwege. Das vermuten die Projektbeteiligten zumindest für die zuführenden Gewässer.
Im Frühjahr steht Millionen-Wanderung an
Auch die Belgischen Partner hatten keinen Fangerfolg und teilen die Vermutung. „Das zeigt, dass wir noch viel zu lernen haben“, sagt Hauck. Gut war, dass mit der Falle in der Rohr kein Beifang erfolgt ist. Einzig Wollhandkrabben sollten aufgehalten und in die Fangbehälter geführt werden. Das gehörte zu den Zielen der Konstruktion.
Im Frühjahr werden junge Wollhandkrabben aus der Nordsee wieder flussaufwärts ziehen. In Bremen wollen die Forscher in diesem Jahr mindestens eine Wollhandkrabben-Falle platzieren. Am Weserwehr wimmelte es im vergangenen Frühjahr vor jungen Wollhandkrabben. Jedes Frühjahr wandern Millionen junge Tiere die Flüsse aufwärts, um in den nächsten Jahren am Grund von Kanälen, Flüssen und Seen heranzuwachsen. Dabei fressen sie alles, was ihnen vor die Scheren kommt.
In Bremerhaven ist die Rohr wieder dabei. Ob noch andere Gewässer in Bremerhaven bestückt werden, steht noch nicht fest. Insgesamt will das AWI-Team in dem Projekt vier Fallen bauen.