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Entlastung für Hausarztpraxen

Corona-Testzentrum in Stade eröffnet

Dr. Sebastian Schwindt und Dr. Stephan Brune.

Dr. Sebastian Schwindt und Dr. Stephan Brune.

Ab sofort können im Kreisgebiet mehr Corona-Tests gemacht werden. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ein neues Testzentrum eröffnet, in dem aber nur auf Überweisung eines Haus- oder Facharztes begründete Verdachtsfälle untersucht werden sollen.

Donnerstag, 12.03.2020, 17:49 Uhr

Wer ohne ärztliche Empfehlung kommt, wird abgewiesen. „Unsere Hausarztpraxen sind angesichts der neuen Lage enorm belastet“, sagt Dr. Stephan Brune als Sprecher der Ärzte in der Kassenärztlichen Vereinigung. Um für Entlastung zu sorgen, wurde das Corona-Testzentrum am Donnerstagnachmittag in Stade in Betrieb genommen.

In einem Container machten Dr. Anne Rieth und die medizinisch-technische Assistentin Joana zum Felde die ersten Rachen-Abstriche von überwiesenen Patienten der niedergelassenen Ärzte. Brune: „Aufgrund der aktuell noch begrenzten Ressourcen von Schutzkleidungen und Hygienematerialien ist es ganz wichtig, dass die Menschen nur mit einem Laborüberweisungsschein zu uns kommen.“

Nur für begründete Verdachtsfälle

Getestet werden die Menschen, die nach den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes als begründete Verdachtsfälle gelten: Dazu zählen Patienten, die Kontakt zu bestätigten Corona-Infizierten hatten, sich in internationalen Risikogebieten aufgehalten und akute Symptome wie trockenen Husten und Fieber haben. Wer sich dazu zählt, soll telefonischen Kontakt zum Hausarzt aufnehmen und auf keinen Fall in die Praxis oder ins Elbe Klinikum kommen, sagt Brune. „Wir stellen uns darauf ein, in den nächsten Wochen ganz viele Menschen zu testen“, sagt der Mediziner. Die derzeitige Lage schätzt Brune so ein: „Es wäre falsch, Panik zu verbreiten, aber wir müssen uns darauf einstellen, dass es auch Tote geben wird.“

Dr. Sebastian Schwindt, der als niedergelassener Hausarzt mit im Krisenstab sitzt, sieht im Moment den Schutz der Risikogruppen als eine der wichtigen Aufgaben. Das gelte besonders für die Alten- und Pflegeheime. Schwind: „Wer auch nur kleinste Erkältungssymptome hat, sollte im Moment niemand in einem Heim besuchen.“

Landkreis Stade ist ein Schwerpunkt der Infektionen

Umgekehrt müssten sich chronisch Kranke auch selber schützen und möglichst nicht dahin gehen, wo sie viele Menschen treffen. Schwindt: „Es sind so kleine Dinge, wie auf den Einkaufswagen im Supermarkt zu verzichten, weil der mit Viren belastet sein könnte.“ Auch Banknoten können Virenträger sein.

Nach der Lage-Einschätzung des Landes sind die Region Hannover und der Landkreis Stade derzeit Schwerpunkte der Infektionen. Mit jetzt 15 Fällen gelte Stade aber noch nicht als Risikoregion, sagen die Mediziner. Dass dies ein Wert sei, der landesweit aufhorchen lässt, sei einerseits klar, andererseits aber, so Sebastian Schwindt, gelte: „Wer nicht testet, bekommt auch keine positiven Fälle.“

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