Cybertrading-Betrug: Sieben Verdächtige festgenommen
Ermittlern ist ein Schlag gegen eine internationale Bande von Betrügern im Internet gelungen. (Symbolbild) Foto: Uli Deck/dpa
Vermeintliche Trading-Plattformen locken mit hohen Gewinnen, dann ist das Geld weg. Nun sind zahlreiche Webseiten abgeschaltet, sieben Verdächtige festgenommen. Wie die Ermittlungen in Kiel begannen.
Kiel. Ermittlern aus Schleswig-Holstein ist nach eigenen Angaben ein Schlag gegen eine international agierende Gruppe von Internetkriminellen gelungen. Die Gruppe soll Anleger aus Deutschland und anderen Staaten um hohe Millionenbeträge betrogen haben, wie das Landeskriminalamt (LKA) berichtete. Bei einer Razzia durchsuchten Beamte in Israel, Albanien, Kosovo, Zypern, Nordmazedonien und Finnland insgesamt 17 Objekte und sicherten mehr als 100 Server, Beweismittel und Vermögenswerte. Zudem wurden zahlreiche betrügerische Webseiten abgeschaltet.
Auf Grundlage europäischer Haftbefehle wurden sieben Personen mit dem Ziel der Auslieferung nach Deutschland festgenommen. Zudem wird gegen sechs weitere Verdächtige ermittelt, die im Verdacht stehen, Callcenter in Albanien, Kosovo und Nordmazedonien betrieben, beziehungsweise für diese gearbeitet zu haben.
Die Gruppe soll ihre Opfer auf scheinbar seriöse Online-Trading-Plattformen gelenkt haben, wo ihnen in kurzer Zeit eine enorme Gewinnspanne durch den Handel mit Kryptowährungen, Devisen oder Aktien versprochen wird. Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Strafanzeige eines Ehepaars aus dem Kieler Umland, das seine angeblichen Gewinne nicht ausgezahlt bekam.
Bereits im September 2022 wurden nach Ermittlungen der Kieler Polizei umfangreiche Beweismittel sichergestellt. Im Mai 2025 folgten Durchsuchungen mehrerer Wohn- und Geschäftsräume in Israel, Albanien, Großbritannien und auf Zypern. Drei der damals ermittelten Verdächtigen wurden mittlerweile nach Deutschland ausgeliefert und zu Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt.
In Schleswig-Holstein sind seit dem 1. August 290 Fälle bekanntgeworden, wie eine LKA-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Gesamtschaden belaufe sich dabei auf mehr als 8,4 Millionen Euro.
Immer höhere Beträge
Bei der perfiden Masche wurden die Opfer den Angaben zufolge zunächst zu Überweisungen überschaubarer Geldbeträge veranlasst. Danach wird der Eindruck hoher Kursgewinne vorgetäuscht. Es folgen auch kleinere Ausschüttungen.
Durch angebliche „Broker“, welche nicht selten auch psychischen Druck ausüben, werden die Geschädigten den Ermittlungen zufolge dazu gebracht, auch höhere Beträge zu überweisen. „Das böse Erwachen folgt erst, wenn sich Anleger ihre angeblichen Gewinne auszahlen lassen wollen: Nach einer Zeit der Hinhaltetaktiken tauchen die Täter ab und das Geld ist weg“, berichtete das LKA.
Durch die Auswertung 2025 sichergestellter Beweismittel erlangten Ermittler Hinweise auf ein Unternehmen mit Sitz auf Zypern und in Israel, das als sogenannter „crime-as-a-service-provider“ verschiedenen Tätergruppierungen betrügerische Internetseiten und Geldwäschenetzwerke für die Betrugsmasche Cybertrading Fraud zur Verfügung stellte.
„Diese Täterinnen und Täter gehen mit einer Skrupellosigkeit vor, die nicht akzeptabel ist“, sagte Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU). „Sie täuschen Menschen eine sichere Zukunft vor, missbrauchen ihr Vertrauen und nehmen ihnen ihre Ersparnisse.“ Mit der erfolgreichen länderübergreifenden Aktion hätten die Ermittelnden gezielt und mit voller Konsequenz gegen organisierten Anlagebetrug im Internet durchgegriffen.
Die Aktionen wurden von den europäischen Behörden Europol und Eurojust koordiniert. In Deutschland führen die bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe angesiedelte Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung der Cyberkriminalität sowie die im LKA eingerichtete Ermittlungsgruppe Cybertrading Fraud die Ermittlungen.