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Torwandschießen

D/A-Kicker Gooßen und der Titan sorgen für Rekord im ZDF-Sportstudio

Der Drochterser Fußballer Thilo Gooßen und Torwart-Titan Oliver Kahn haben mit ihrem Duell an der Torwand im ZDF-Sportstudio für einen Rekord gesorgt. Noch nie gab es so viele Treffer. Knapp anderthalb Millionen Menschen wurden Zeugen.

Von Tim Scholz Montag, 10.09.2018, 20:00 Uhr

Als sich Thilo Gooßen und Oliver Kahn auf dem Gang begegnen, wechseln sie ein, zwei Sätze und gehen getrennte Wege. „Er hat mich gefragt, ob ich trainiert habe“, sagt Gooßen, „ansonsten hat er uns kaum beachtet.“ Gooßen ist zusammen mit seinem Bruder Jasper, Jannes Elfers und Maximilian Kühlcke nach Mainz ins Sportstudio gereist, um im Duell mit dem Titan auf die legendäre Torwand zu schießen.

Im Backstage-Bereich darf Thilo Gooßen kurz vor der Sendung einige Male zur Probe auf eine andere Torwand schießen – und es läuft richtig gut. „Die Mitarbeiter vom ZDF meinten, dass es bei vielen in der Probe besser laufe als im Studio“, erzählt Gooßen amüsiert. Danach geht es in die Maske und wenig später ins Studio. Dort sitzen die Vier aus Drochtersen in ihren roten D/A-Trikots und fiebern dem Auftritt von Thilo Gooßen entgegen.

Um kurz vor Mitternacht ist es soweit. Gooßen steht im Rampenlicht neben Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein und dem Experten Oliver Kahn – und das, weil er, der Bezirksliga-Kicker der SV Drochtersen/Assel III, sechs Tage zuvor ein 50-Meter-Tor gegen den ASC Cranz-Estebrügge erzielt hatte. Die „Hartplatzhelden“ des Fußballportals Fupa.net um ZEIT-ONLINE-Redakteur Oliver Fritsch sind auf den Videoclip des Tores aufmerksam geworden und wählten Gooßen aus.

Und nun stehen sie sich gegenüber: Thilo Gooßen und die Torwand. Gooßen, 25, spielt seit dem dritten Lebensjahr Fußball bei D/A, er gehörte zu der Mannschaft, die den Aufstieg in die Regionalliga klarmachte. Danach trat er sportlich aus beruflichen Gründen kürzer und kickt jetzt für die Dritte. Bald beginnt Gooßen ein Masterstudium im internationalen Steuerrecht.

Sieben Meter von ihm entfernt steht die berühmteste Torwand Deutschlands. 1,83 Meter hoch, 2,70 Meter breit, acht Millimeter dick. Seit 1964 haben die Kandidaten sechs Versuche, drei links oben, drei rechts unten. Günter Netzer war es, dem zuerst fünf Treffer gelangen. Noch nie aber verbuchte ein Schütze sechs Treffer.

Kahn beginnt, trifft einmal unten. Gooßen leistet sich zunächst einen Fehlversuch. „Das hat mich schon geärgert“, sagt er und macht es gleich besser mit zwei Treffern unten. 2:1 für den Amateurfußballer. „Ich bin davon ausgegangen, dass Kahn nicht mehr als einmal oben trifft“, sagt Gooßen. Doch er irrt. Kahn legt einen unglaublichen Dreierpack vor – 4:2. Der Titan reckt beide Arme in die Höhe.

Gleiches müsste Gooßen jetzt gelingen, um als alleiniger Sieger 1000 Euro für die Mannschaftskasse zu gewinnen. Der erste Schuss klatscht noch knapp neben das 55 Zentimeter große Loch, die Versuche Nummer 2 und 3 sind drin, 4:4. „Historisch“ nennt Moderatorin Müller-Hohenstein das Ergebnis. Auf TAGEBLATT-Nachfrage teilt das ZDF mit, dass das 4:4 das bisher höchste Ergebnis im Sportstudio gewesen sei. Allerdings mit einer Einschränkung: Das Duell Promi gegen Zuschauerkandidat gibt es erst seit Anfang 2010. Knapp anderthalb Millionen Menschen wurden Zeugen dieses Torwandschießens.

Thilo Gooßen erreichen in den Stunden nach der Sendung etliche Glückwünsche auf dem Smartphone. „Ich war den ganzen Sonntag damit beschäftigt, die Nachrichten zu beantworten“, sagt er. Dass er nicht der alleinige Sieger war, kann er verkraften. „Ein 4:4 ist natürlich interessanter als ein 1:0-Sieg.“

Gooßen hat sich damit wohl den Respekt des einstigen Nationaltorhüters erarbeitet. Als die vier Drochterser Kahn um ein gemeinsames Foto bitten, sei dieser schon viel „umgänglicher“ gewesen, erzählt Gooßen. Am Sonntag veröffentlicht Kahn das Foto auf seinem Instagram-Account mit dem Kommentar: „Unglaubliches 4:4 an der Torwand und spannende Themen – gelungener Abend im aktuellen Sportstudio“. Ein Drochterser hat einen Teil dazu beigetragen.

Fünf Treffer: Günter Netzer (1974), Rudi Völler (1995), Rolf Fringer (1995), Günter Hermann (1988), Reinhard Saftig (1991), Matthias Becker (1994), Frank Pagelsdorf (1999), Frank Rost (1999).

Vier Treffer (eine Auswahl):Rudi Völler (2004), Franz Beckenbauer (1972), Mike Krüger (1984), Andy Möller (1989), Fredi Bobic (1994), Olaf Thon (1997), Christoph Daum (2000), Felix Magath (2008), Oliver Bierhoff (2009), Jerome Boateng (2010), Michael Ballack (2012).

...und einige ohne Glück: Pelé, Marco van Basten und Eusebio blieben ohne Treffer.

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