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TDas Geheimnis der Seminarturnhalle

Das Geheimnis der Seminarturnhalle

Bis Heiligabend öffnet das TAGEBLATT 24 Türen, die eigentlich verschlossen sind - und erzählt die spannenden Geschichten dahinter. Ein Stück Stader Stadtgeschichte versteckt sich hinter einer Holzklappe.

Von Lars Strüning Dienstag, 07.12.2021, 08:30 Uhr

Wohin führt eigentlich die auffällige Wendeltreppe in der Seminarturnhalle? Das werden sich wohl schon viele Besucherinnen und Besucher des kulturellen Kleinods gefragt haben. Die Auflösung ist ein Stück aus der Stader Stadtgeschichte.

Vom Tresen aus gesehen links vor der Bühne schrauben sich 27 Stufen direkt gen die Decke. Und dann geht es weiter, was Gäste nicht zu sehen bekommen. Um ins Obergeschoss zu gelangen, muss Seminarturnhallen-Chef Peter Kühn eine schwere zweiteilige Holzklappe nach oben drücken und einhängen. Dann gibt ein kleiner Vorraum den Blick aufs Obergeschoss frei.

Blick auf den Holzhafen

Peter Kühn klappt eine große, braun gestrichene Flügeltür aus Holz mit eingelassenen Fensterscheiben noch aus dem Baujahr der Turnhalle auf und macht so den Weg frei in die alte Hausmeisterwohnung. Sie ist seit Jahrzehnten nicht mehr bewohnt und wird vom Team der Seminarturnhalle als Speicher genutzt.

Scheinwerfer stehen dort, Stühle, Notenständer, eine Discokugel ist abgelegt. Die alten Eichenbalken sind gut zu sehen, auch das Fachwerk der Wände. Um die Statik zu stabilisieren, wurden bei der Sanierung Stahlträger eingebaut. Der Fußboden ist nur zum Teil begehbar. Wer es bis zum Ostflügel unfallfrei schafft, hat einen wunderbaren Blick auf den Holzhafen und den Kinokomplex. Unten rauscht der Stadtverkehr auf dem Salztorswall vorbei.

Peter Kühn gibt an der braunen, zweiflügeligen Holztür den Blick frei aufs Dachgeschoss . Foto: Strüning

Peter Kühn gibt an der braunen, zweiflügeligen Holztür den Blick frei aufs Dachgeschoss . Foto: Strüning

Ewa 50 Quadratmeter ist der Raum groß. Kühn und Co. würden den Platz unterm Dach gern nutzen. Aber aus Feuerschutzgründen wäre ein Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes sehr aufwendig. Die kleine, vom Team favorisierte Lösung, den alten Metallbalkon wieder anzusetzen und dort eine Fluchtleiter nach US-amerikanischem Vorbild zu platzieren, fand kein Gefallen bei den Behörden.

Mit etwas Fantasie ist auch ein schickes Ein-Zimmer-Appartement hier vorstellbar. „Mitten in der Altstadt, eine Traumlage“, sagt Peter Kühn. Doch das wird Theorie bleiben.

Zur Historie

Die Seminarturnhalle war am 30. August 1863 in Betrieb genommen worden. Bauherr war der Männerturnverein von 1850, der 4846 Reichsmark dafür bezahlte und schnell 100 Mitglieder zählte, darunter sogar eine Frauenriege. Generationen von Schülern übten sich hier im Winter an Reck und Stangen. Schon bald entsprachen die Maße der Turnhalle nicht mehr den Anforderungen, auch weil der Außenplatz fehlte.

1921 kaufte die Stadt das Gebäude für 50 000 Mark, das weiterhin zum Sporttreiben und von diversen Stader Vereinen genutzt wurde. Dann lag es brach, und der Förderverein Seminarturnhalle Stade kam ins Spiel. Die Stadt stellt dem Verein quasi kostenfrei das Gebäude zur Verfügung. Er hat das Haus renoviert, hält es in Schuss und bespielt es – seit nunmehr 15 Jahren.

www.seminarturnhalle-stade.de

Adventsserie

Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.

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