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Das Jugendamt greift durch

In diesem Wohnblock im Stadtteil Osdorf haben die jungen Eltern ihr Kind Deljo schwer misshandelt . Foto Heimken/dpa

In diesem Wohnblock im Stadtteil Osdorf haben die jungen Eltern ihr Kind Deljo schwer misshandelt . Foto Heimken/dpa

Nach der schweren Misshandlung eines neun Monate alten Babys in Hamburg-Osdorf hat das Jugendamt die vier Geschwister des Jungen aus der Familie genommen. Sie seien in einem Kinderschutzhaus, sagte ein Sprecher des Bezirksamts Altona. Die 25 Jahre alte Mutter und ihr 21-jähriger Lebensgefährte seien die leiblichen Eltern aller fünf Kinder, sagte ein Polizeisprecher. Der Name des misshandelten Kindes laute Deljo.

Donnerstag, 14.01.2016, 17:12 Uhr

Nach der schweren Misshandlung eines neun Monate alten Babys in Hamburg-Osdorf hat das Jugendamt die vier Geschwister des Jungen aus der Familie genommen. Sie seien in einem Kinderschutzhaus, sagte ein Sprecher des Bezirksamts Altona. Die 25 Jahre alte Mutter und ihr 21-jähriger Lebensgefährte seien die leiblichen Eltern aller fünf Kinder, sagte ein Polizeisprecher. Der Name des misshandelten Kindes laute Deljo.

Die Eltern stehen unter Verdacht, ihr Baby im vergangenen November fast zu Tode geschüttelt zu haben. Das lebensgefährlich verletzte Kind kam nach Angaben der Polizei nach einer rettenden Notoperation in eine Pflegefamilie.

Die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags gegen die Eltern gehen unterdessen weiter. Derzeit würden die sichergestellten Beweismittel der Wohnungsdurchsuchung ausgewertet, sagte der Polizeisprecher. Das Paar sei weiterhin auf freiem Fuß.

Die Eltern gelten als Tatverdächtige, es besteht laut Polizei aber kein dringender Tatverdacht, der einen Haftbefehl rechtfertigen könnte. Bereits vor der Misshandlung war die Familie vom Jugendamt Altona betreut worden. Der Vater des Jungen ist bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, wie der Polizeisprecher bestätigte.

Der 21-Jährige habe den Vorwurf, er oder seine Lebensgefährtin seien für die Verletzungen verantwortlich, zurückgewiesen, hieß es in Medienberichten. Beide Elternteile hätten behauptet, dass Deljo versehentlich von der Couch gestoßen worden sei, als die Geschwisterkinder miteinander spielten, schrieb das „Hamburger Abendblatt“. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich dazu nicht äußern. Den Eltern sei rechtliches Gehör geboten worden. „Es sind Angaben gemacht worden“, sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Die Ermittler seien dabei, den möglichen Tatablauf zu rekonstruieren.

Der familienpolitische Sprecher der CDU in der Bürgerschaft, Philipp Heißner, äußerte sich erschüttert über den neuen Fall von Kindesmisshandlung. Offenbar sei den Behörden bekannt gewesen, dass die 25-jährige Mutter mit der Erziehung und Pflege ihrer fünf Kinder überfordert gewesen sei. Darum habe die Familie bereits Erziehungsunterstützung vom Jugendamt erhalten. Deljo habe seine ersten Lebensmonate in einer Pflegefamilie verbracht. Warum er trotzdem zurück in dieses Umfeld gelassen wurde, müsse jetzt aufgeklärt werden, forderte Heißner und kündigte eine offizielle Anfrage an den Senat an. Die CDU-Fraktion wolle auch wissen, warum der Fall erst zwei Monate nach der Tat öffentlich geworden sei.

Erst am 19. Dezember war der zwölf Monate alte Tayler nach einer schweren Misshandlung im Universitätsklinikum Eppendorf gestorben. Todesursache waren laut einer Obduktion schwerste Hirnverletzungen, die er ebenfalls durch ein Schütteltrauma erlitten haben soll. Gegen die 23-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren Freund, der nicht der Vater des Jungen ist, wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt.

Ende April 2015 war der drei Monate alte Jamie-Dean in Hamburg-Finkenwerder so heftig geschüttelt worden, dass er seitdem schwerstbehindert ist. Ende November verurteilte das Hamburger Landgericht den Vater zu siebeneinhalb Jahren Haft.

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