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TDas Rätsel um eine alte Familiengrabstätte

Das Rätsel um eine alte Familiengrabstätte

Etwa 100 Meter misst der Weg vom Friedhofseingang bis zu dem Ziegelgebäude am Ende der Anlage. Selbst Ururenkel Kuno von Zedlitz kennt kaum ein Detail über das Mausoleum in Balje. Über das Rästel um eine alte Familiengrabstätte.

Samstag, 04.12.2021, 12:59 Uhr

Schnurgerade führt der Weg dorthin, es muss ein schwerer Weg für Klaus Alexander von der Decken und seine Frau Marie, geborene von Plate, gewesen sein. Im Dezember 1877 setzten sie ihre Kinder Karl und Hedwig in dem Begräbnishaus der Familie bei.

Das ist so ziemlich das einzige Detail, das der Ururenkel Kuno von Zedlitz über das Mausoleum kennt. In der knapp gehaltenen Familienchronik steht in Sütterlin für das Jahr 1877: „Im September das Begräbnishaus mit Plates in Altenwisch gemeinschaftlich gebaut und vollendet. Im Dezember wurden die beiden Leichen unserer Kinder Karl und Hedwig darin niedergesetzt.“

Keine Beerdigung in "nasser Kehdinger Erde"?

„Es ist mir ein Rätsel, warum meine Ururgroßeltern damals diese Begräbnisstätte gebaut haben.“ Eine Erklärung könnte eine Äußerung einer 99-jährigen Tante geben, die heute in Süddeutschland lebt: Sie wolle auf keinen Fall „in der nassen Kehdinger Erde“ beerdigt werden. Vielleicht wollten seine Vorfahren einfach nur trocken liegen.

Das Schieferdach des denkmalgeschützten Gebäudes hatten die Eigentümer Kuno von Zedlitz und Christian von Plate 1999 erneuert. „Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben“ steht über der Holztür. Links das Wappen der Familie von der Decken, rechts das der von Plates. Kuno von Zedlitz zieht den großen Schlüssel aus der Manteltasche und steckt ihn ins Schloss. Auf Anhieb lässt es sich öffnen. „Ich war erst vor kurzem hier und habe ein wenig sauber gemacht“, erzählt er, dabei habe er auch das Schloss geölt.

Geschichte hinter dem Mausoleum von Balje

Die Tür führt in einen schlichten Raum. Die Ziegelwände sind gekalkt, drei Rundfenster lassen die spärliche Spätherbstsonne ein. Rechts stehen vier Särge der Familie von Plate. Drei aus Zink mit reichen Ornamenten verziert, dazwischen ein Holzsarg. Links sind die Särge der Familie von der Decken aufgereiht. Zwei mit inzwischen recht mürbem Stoff bespannte Holzsärge und dann zwei kleine Kindersärge. Weiter nichts. Keine Gedenktafeln, keine Namen. Nachfahre von Zedlitz kann nur vermuten, dass es seine Ururgroßeltern sind, die neben ihren Kindern liegen.

Kuno von Zedlitz hat den Schlüssel zur schweren Holztür der Familiengrabstätte. In dem denkmalgeschützten Gebäude fanden letztlich nur acht Angehörige der Familien von Zedlitz und von Plate ihre letzte Ruhestätte. Foto: Helfferich

Kuno von Zedlitz hat den Schlüssel zur schweren Holztür der Familiengrabstätte. In dem denkmalgeschützten Gebäude fanden letztlich nur acht Angehörige der Familien von Zedlitz und von Plate ihre letzte Ruhestätte. Foto: Helfferich

Auch das ist ein Rätsel: Warum wurde das Begräbnishaus nicht weiter genutzt? Eisenstifte in den Wänden lassen vermuten, dass hier Etagen eingezogen werden sollten, um Platz für weitere Todesfälle zu haben.

Die Geschichte hinter diesen Mauern bleibt wohl wie das Mausoleum für die Gegenwart verschlossen.

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Die Drochterser Kirche.

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