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Geschäftszeiten im Einzelhandel

Das Wirrwarr um die Öffnungszeiten in Stade

So bunt wie die Öffnungszeiten sind auch die Aushänge der Geschäfte in der Stader Fußgängerzone. Fotos: Strüning

So bunt wie die Öffnungszeiten sind auch die Aushänge der Geschäfte in der Stader Fußgängerzone. Fotos: Strüning

Die Eröffnung des Geschäftshauses Neuer Pferdemarkt in der Innenstadt hat es noch einmal gezeigt: Die Öffnungszeiten der Einzelhandelsgeschäfte in der City sind zum Teil extrem uneinheitlich. Das TAGEBLATT hat sich umgehört. Quintessenz: Es wird schwierig, etwas zu ändern.

Von Lars Strüning Samstag, 07.04.2018, 10:00 Uhr

Einzelhändler zu sein heißt offenbar auch, einzeln zu handeln. Die Bandbreite an Öffnungszeiten an Werktagen reicht morgens von 9 bis 11 Uhr. Abends variieren die Schlusszeiten zwischen 18 und 20 Uhr. Gastronomie, Bäcker und Lebensmittelhändler wurden bei der Betrachtung herausgelassen.

Beim Rundgang durch die Fußgängerzone wird schnell klar: Ein harmonisches Bild sieht anders aus, was sich nicht nur an den Schildern zu den Öffnungszeiten zeigt. Vor allem am Sonnabend wird es bunt in Sachen Öffnungszeiten. Der Feierabend variiert stark. Einige haben von 12 Uhr an Wochenende, andere müssen bis 20 Uhr malochen. Jede Stunde machen ab dem Mittag Läden zu. Der Kunde steht im Zweifel vor verschlossenen Türen und bleibt verwirrt zurück. Ob der noch mal wiederkommt?

Oder lieber nach Harburg, Hamburg oder Posthausen fährt, wo es fixe Zeiten gibt? Im Phoenix-Center oder bei Dodenhof gilt für alle sechs Tage: geöffnet von 9.30 bis 20 Uhr. Die Europa-Passage in der Hamburger City hat durchgehend von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Das macht es den Kunden leichter.

Schwierig ist dagegen die Lage in Städten wie in Stade oder Buxtehude mit einer gemischten Gemengelage. Das sind die großen Kaufhäuser wie Stackmann, die eher kleinen, inhabergeführten Läden und das sind die Filialisten, die klare Vorgaben ihrer Zentrale erfüllen müssen. Die unterschiedlichen Interessen zu harmonisieren, scheint schier unmöglich. Das hat auch schon Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin beim Handelsverband Nordwest, zu spüren bekommen. Sie würde sich eine größere Verlässlichkeit im Sinne der Kunden wünschen, sieht aber auch die Zwänge und Grenzen.

Nicht jeder Einzelhändler kann sich die langen Öffnungszeiten leisten. Das Personal muss vorgehalten werden, der Umsatz steigt damit nicht automatisch. Es ist eine Kostenfrage. Die stellen sich Betreiber von Passagen oder Shopping-Malls nicht. Sie verdonnern ihre Mieter zu vorgegebenen Öffnungszeiten. Bei den in Innenstädten erwünschten inhabergeführten Geschäften, die erst den speziellen Mix in Kleinstädten ausmachen, geht das nicht.

Bleiben wir beim Positiven. Auch wenn die Zeiten auf den ersten Blick ein uneinheitliches Ganzes ergeben, schälen sich beim genauen Hingucken feste Zeiten heraus. An Wochentagen sind zwischen 10 und 18 Uhr nahezu alle Geschäfte geöffnet. Das Gleiche gilt für den Sonnabend von 10 bis 14 Uhr. Und: Mittags ist nahezu überall durchgehend geöffnet. Die Zeiten von Mittagspausen sind vorbei. Nathalie Rübsteck verweist auf die gemeinsamen Aktionen wie verkaufsoffene Sonntage, wenn aus der Kakofonie der einzelnen Händler wieder eine Solidarität erwächst.

Wolfgang Drusell ist Vorsitzender von Stade Aktuell, dem Verein der Kaufmannschaft in der City. Er setzt in Sachen Öffnungszeiten auf Gespräche. Die Eröffnung des Neuen Pferdemarktes sei ein guter Anlass, die alte Idee aufleben zu lassen. Drusell: „Das ist für die Innenstadt eine wichtige Geschichte.“ Die Aufgabe, unterschiedliche Branchen und viele Individualisten unter einen Hut zu bekommen, ist nicht leicht zu erledigen. Es gehe darum, neue Kunden zu gewinnen und Kaufkraft zu binden. Daran müssten alle interessiert sein.

Thomas Schomaker betreut für das Aktuelle Stade die 200 Mitglieder, hat ständig das Ohr an den Geschäftsleuten. Seine Idee: Mit der Harmonisierung am neuen Geschäftshaus anfangen und Schritt für Schritt in der Innenstadt verbreiten. Einheitliche Öffnungszeiten – zum Beispiel sonnabends für alle bis 16 Uhr – seien wünschenswert auch im Sinne eines starken Marketings, aber das benötige Zeit – wie das Thema Parken in der Innenstadt. Dass sich längere Öffnungszeiten nicht lohnen, höre er oft. Vielleicht müssten die Händler in Vorleistung gehen, damit es die Kunden belohnen. Vom neuen Pferdemarkt erwartet er zusätzliche Dynamik für den Standort. Das Aktuelle Stade hat einen Marketing-Experten eingeladen, der sich ab der kommenden Woche mit den Geschäftsleuten und dem Verein intensiv unterhalten will. Seine Vorschläge für eine Belebung der City soll er während der Mitgliederversammlung des Aktuellen Stade im Sommer vorlegen.

Das neue Citymanagement sieht grundsätzlich Optimierungsbedarf bei dem Thema. Der sei vermutlich erst mittelfristig umsetzbar. Unterschiedliche Geschäftszeiten auch von Läden, die direkt nebeneinanderliegen, seien für die Kundengewinnung eher nachteilig. Immerhin: Bei der letzten Kundenbefragung waren die Besucher der Stader Innenstadt mit den Ladenöffnungszeiten durchschnittlich zufrieden.

Inhabergeführte Geschäfte machten einen Großteil des Charmes der City aus, so das City-Marketing in einer schriftlichen Stellungnahme. Jeder Geschäftsführer müsse abwägen, ob zusätzliche Personalkosten zu mehr Umsatz führen. Häufig stünden sie – neben ihren Mitarbeitern – sechs Tage die Woche in ihren Läden.

„Der Schritt zu einer gemeinsamen Kernöffnungszeit der Geschäfte ist begrüßenswert, erzwingen können wir ihn aber nicht“, sagte City-Managerin Sophie Hagebölling.

Auch sie strebt eine intensivere Kommunikation und gemeinsame Aktionen an, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern. Das City-Management denkt dabei zum Beispiel an die lange Einkaufsnacht. Hagebölling: „Es geht nicht nur um Öffnungszeiten, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz.“

Das Einzelhandelskonzept von 2012 weist für Stade ein Einzugsgebiet mit 150 000 Einwohnern aus. In der gesamten Stadt wurden 387 Betriebe gezählt mit 130 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Umsatz von 365 Millionen Euro. Knapp die Hälfte entfiel auf Kunden aus dem Umland.

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