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Das lange Warten auf den EWE-Glasfaser-Anschluss

An vielen Orten im Landkreis wurden Glaserfaserleitungen, wie hier am Elbdeich in der Samtgemeinde Lühe, verlegt. Foto Lankuttis

An vielen Orten im Landkreis wurden Glaserfaserleitungen, wie hier am Elbdeich in der Samtgemeinde Lühe, verlegt. Foto Lankuttis

In vielen Orten wurden neue Glaserfaserleitungen verlegt. Viele schlossen bei der EWE deshalb einen Vertrag ab. Jetzt kommt es immer wieder zu Beschwerden, dass die Kunden keine Informationen bekommen, wann für sie die digitale Zukunft beginnt.

Von Karsten Wisser Dienstag, 04.06.2019, 10:10 Uhr

Die Bilder gaben vielen Menschen Hoffnung, dass jetzt auch für sie das digitale Zeitalter beginnen kann. Eine prominente Runde mit Landrat Michael Roesberg und dem Bundestagsabgeordneten Oliver Grundmann hatten sich am 2. Februar 2018 eine Schaufel geschnappt und gemeinsam mit Rudolf Markschläger von der EWE TEL GmbH den ersten Spatenstich für ein wichtiges Projekt unternommen. Rund 6000 Haushalte sollten dank neuer Glasfaserleitungen die Möglichkeit bekommen, in Zukunft schnelles Internet zu nutzen. Der Start der staatlich subventionierten Maßnahme verlief vielversprechend. In vielen Orten im Landkreis Stade wurden für jedermann gut sichtbar die neuen Glaserfaserleitungen verlegt. Viele Kunden nutzten dann auch die zeitlich begrenzten guten Konditionen, um bei der EWE einen Vertrag abzuschließen. Die Bauarbeiten sind jetzt in vielen Bereichen ein halbes Jahr und länger beendet, von der EWE haben offenbar viele Menschen noch nichts gehört, wann der Hausanschluss für sie realisiert wird. In den vergangenen Wochen haben sich verstärkt Leser beim TAGEBLATT gemeldet und auf diese Problematik hingewiesen, nachdem ihre eigenen Anfragen bei der EWE keine Ergebnisse erbracht haben. „Wir warten tatsächlich seit einem Jahr auf unseren Hausanschluss, denn außer einer Auftragsbestätigung und einem Schreiben über etwaige Planungen ist bisher nichts geschehen“, beschreibt ein Leser seine Erfahrungen.

Ohne staatliches Geld hätte die EWE, die sich den Zuschlag im Rahmen einer Ausschreibung gesichert hat, das Projekt nicht in Angriff genommen. Dort, wo heute noch kein schnelles Internet vorhanden ist, liegt das in der Regel daran, dass sich der Ausbau wirtschaftlich nicht lohnt. Das jetzt laufende Projekt hat ein Investitionsvolumen von neun Millionen Euro. Dabei entsteht für die EWE eine Wirtschaftlichkeitslücke in Höhe von rund fünf Millionen Euro, an deren Finanzierung sich der Bund mit etwa 2,3 Millionen Euro und das Land Niedersachsen mit zwei Millionen Euro beteiligen. Die verbleibende Lücke von rund 500 000 Euro teilen sich die Gemeinden und der Landkreis im Verhältnis von zwei zu eins.

Wie viele Kunden bisher vergeblich auf ihre Anschlüsse warten und in welchen Gebieten es mit den Anschlüssen weitergehen soll, konnte das Unternehmen aus Oldenburg auch auf TAGEBLATT-Nachfrage nicht beantworten. „Sehr viele Haushalte haben bei EWE einen direkten Hausschluss beauftragt, der im Landkreis Stade nicht Bestandteil des Förderprogramms ist“, sagt Mathias Radowski von der EWE. Leider käme es aufgrund sehr begrenzter Bauressourcen beim Ausbau zu Verzögerungen, die man aktuell leider auch bei der Produktschaltung beklagen würde. „Aufgrund einer nicht einheitlichen Dokumentation der jeweiligen Ausbaustände kommt es bei der Aktivierung der Produkte leider zu Verzögerungen“, so Mathias Radowski. Aussagen zur Anzahl der fertigen Haushaltsanschlüsse wollte das Unternehmen nicht machen: „Selbstverständlich haben wir schon Haushalte angeschlossen. Da der Hausanschluss jedoch nicht Bestandteil der Förderung ist, geben wir unsere Vertriebszahlen als Geschäftsinterna nicht bekannt.“ Man bedauere diese Unannehmlichkeiten und arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, um die Kunden schnellstmöglich mit dem beauftragten Highspeed-Internet-Produkt versorgen zu können.

Zunächst wurde mit der EWE der 31. Dezember 2018 als Fertigstellungstermin vereinbart. Dieser Termin konnte nicht eingehalten werden. Beispielsweise konnten witterungsbedingt im Frühjahr 2018 nur eingeschränkt Tiefbauarbeiten stattfinden. Weitere Verzögerungen sind darin begründet, dass die Belastungen für die Anwohner möglichst gering gehalten werden sollen. So sucht die EWE das Gespräch mit anderen Infrastrukturanbietern, um Baustellen zusammenlegen zu können und dadurch die Belastung für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer zu reduzieren.

Um die Verzögerungen angemessen zu berücksichtigen, hat der Landkreis eine Fristverlängerung bei den Fördermittelgebern bis zum 31. März 2020 beantragt. Der für die Bundesförderung zuständige Projektträger hat der Verlängerung zugestimmt. Bis zu diesem Termin sollen alle Adressen in den Gebieten mit direkten Glasfaseranschlüssen, die sich während der Vorvermarktungsphase für einen entsprechenden Hausanschluss entschieden haben, angeschlossen werden. Kunden, die sich erst nach der Vorvermarktungsphase für einen Hausanschluss entschieden haben, könnten aber auch erst nach diesem Fertigstellungstermin angeschlossen werden.

Trotz der Verzögerungen geht der Ausbau aber nach TAGEBLATT-Informationen weiter. Die Tiefbauarbeiten sind im Nordkreis – Gemeinde Drochtersen, Samtgemeinden Oldendorf-Himmelpforten und Nordkehdingen – im Wesentlichen abgeschlossen. Dort werden in den kommenden Wochen und Monaten die Hausanschlüsse fertiggestellt und die aktive Technik auf die neue Infrastruktur umgestellt. Im Südkreis finden aktuell vor allem im Bereich der Gemeinde Jork und der Samtgemeinde Lühe noch Tiefbauarbeiten statt. In anderen Teilgebieten haben aber auch hier bereits die Arbeiten für die Herstellung der Glasfaserhausanschlüsse sowie die Umstellung der aktiven Technik begonnen.

„Die zähen Abläufe und Wartezeiten bei der Umsetzung sind natürlich bedauerlich“, sagt der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann. Er könne den Unmut der Anschlussinhaber nachvollziehen. „Ich wäre da persönlich ebenfalls ungeduldig. Denn die überfällige Digitalisierung in Stadt und Land wird von den Menschen zu Recht sehnlichst erwartet“, so der Bundestagsabgeordnete, der mitgeholfen hatte, die Fördermittel der Bundesebene zu besorgen. Für Unternehmen ist es ein echter Standortfaktor. „Die Digitalisierung ist heute ein wichtiger Baustein der kommunalen Daseinsvorsorge und ein entscheidendes Element der Lebensqualität auf dem Lande“, so Grundmann. Er habe sich bei EWE für eine zügige Umsetzung der Arbeiten stark gemacht. „Ich habe volles Vertrauen darin, dass die EWE die Arbeiten sachgerecht und mit dem nötigen Nachdruck umsetzt und abschließt. Die digitale Spaltung zwischen Stadt und Land muss zukünftig der Vergangenheit angehören.“

Landrat Michael Roesberg bedauert die Verzögerung sehr. „Denn der Breitbandausbau verbessert sowohl die Lebensqualität der Bevölkerung als auch die Standortqualität der Unternehmen deutlich“, sagt er. Es bleibe daher das ausdrückliche Ziel, dass möglichst schnell eine Breitbandanbindung in den bislang unterversorgten Gebieten herzustellen. Michael Roesberg weiß aber auch um die knappen Marktkapazitäten bei den Tiefbaufirmen. Entscheidend sei, dass der angekündigte Ausbau stattfinde.

Trotz der langsamen Fortschritte beim Ausbau der Breitbandinfrastruktur gibt es weiter unterversorgte Räume im Landkreis Stade. Damit auch diese Adressen schnelles Internet bekommen können, ist der Landkreis auf weitere Zuschüsse von Bund und Land angewiesen. Bereits Ende 2017 hatte der Bund für einen Ausbau von in einen zweiten Förderantrag des Landkreises aufgenommenen unterversorgten Adressen eine Zuwendung bewilligt. Das Land Niedersachsen hat im Sommer 2018 eine Förderung grundsätzlich in Aussicht gestellt. Der Landkreis hofft, dass das Land nunmehr seine Ankündigungen in diesem Jahr konkret umsetzen wird, so dass dann ein weiterer Ausbau auch erfolgen kann.

Die in das Projektgebiet aufgenommenen rund 6000 Adressen sollen nach Abschluss des Projekts über eine Internetanbindung mit mindestens 30 Mbit/s (Download) verfügen. 98 Prozent dieser Adressen werden dann mit mindestens 50 Mbit/s (Downstream) versorgt. Die berücksichtigten Adressen verteilen sich in 67 Teilgebieten über das gesamte Gebiet des Landkreises. Etwa 70 Prozent der Adressen im Projektgebiet erhalten die Möglichkeit, sich gegen private Kostenbeteiligung einen Glasfaserhausanschluss legen zu lassen. Die anderen 30 Prozent der Adressen profitieren von einer Verbesserung der vorhandenen Kupferleitungen.

 

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