Das machen unsere Jugendreporter heute
Rieke Meyer, Anjana Gersmann und Sonja Gersonde (von links) sind nur drei der vielen jungen Reporter, die über die Jahre für die Jugendseite geschrieben haben.
Seit Januar 2002 erscheint die Jugendseite wöchentlich am Sonnabend. Neu war das Konzept: Jugendliche schreiben für Jugendliche. Mehrere Hundert junge Reporter aus dem Landkreis haben seitdem Artikel für die Jugendseite verfasst und Fotos geschickt.
Anfangs schrieben sie für den JOKER, später – als Titel und Layout sich änderten – als Jugendreporter. Zum Jahresende wird die Jugendseite eingestellt. Zum Abschied erzählen Ehemalige, was aus ihnen geworden ist. Sie entschieden sich für den Beruf Journalist oder gingen andere Wege.
Von Kimja Sophie van den Berg
Ich habe einige Jahre für die Jugendseite geschrieben. Inzwischen bin ich 27 Jahre, habe zwei Söhne, wohne im Landkreis Cuxhaven und befinde mich im vierten Ausbildungsjahr zur Erzieherin. Anschließend beginne ich ein Studium der Sozialen Arbeit in Lüneburg und möchte eine Langzeitfortbildung zur Theaterpädagogin absolvieren. Ich beschäftige mich noch viel mit der Schauspielerei, der Fotografie und Schreiberei, wenn auch nicht als Hauptjob. Privat schreibe ich Kurzgeschichten, Gedichte und Poetry-Slam-Texte. Außerdem betreibe ich seit fünf Jahren den Familienblog „Die Weltenbauer“, auf dem sich alles um Waldorf, den Autismus meines Sohnes, Holzspielzeug – und den normalen Familienwahnsinn dreht.
Von Sonja Gersonde
Man nehme Bastian Pastewka, Olli Dittrich, einen Mini-Fernseher im Backstage-Bereich des Stadeums und die EM-Partie England gegen Portugal 2004 – und hat die Zutaten für ein wirklich skurriles Interview, an das man sich auch heute noch erinnert, als wäre es gestern gewesen. Tatsächlich liegen zwischen heute und meinem ersten Einsatz als Joker-Reporterin ganze zwölf Jahre, ein Bachelor in Internationaler Fachjournalistik, ein Master in Medienkultur, eine halbe Weltumsegelung als Bordredakteurin auf der Aida und die eine oder andere durchmachte Nacht als Lektorin für Bibi Blocksberg und Prinzessin Lillifee. Zwischen 2004 und 2007 schrieb ich für die Jugendseite. Der Schreiberei bin ich – heute 29 Jahre alt – immer treu geblieben: Als Redakteurin und Social-Media-Managerin in einer Bremer Digitalagentur verantworte ich heute die Social-Media-Kanäle und Communitys großer Kunden, entwickle Digitalkonzepte und gebe im Rahmen von Workshops mein Know-how in Sachen Content Marketing weiter. Nicht auszudenken, was aus mir geworden wäre, wenn ich die Top Storys meiner dreijährigen JOKER-Karriere – die Aufmacher über den „gefährlichen Trend Komasaufen“, das „unerwartete Comeback der Backstreet Boys“ oder den „Booty Shake Contest“, bei dem es darum geht, möglichst lange und heftig mit dem Hintern zu wackeln – niemals zu Papier gebracht hätte.
Von Luzie Lemmermann
2012 habe ich das dreiwöchige Schulpraktikum beim TAGEBLATT gemacht, seitdem schrieb ich für die Jugendseite und den Lokalteil. Ich interessiere mich für den Journalismus und auch für Fotografie, womit ich in meinem jetzigen Job viel zu tun habe. Nach meinem Abitur 2014 am Vincent-Lübeck-Gymnasium in Stade zog ich nach Hamburg, wo ich – inzwischen 20 Jahre alt – eine Ausbildung zur Mediengestalterin bei der Werbeagentur „The Fashion Network“ in Barmbek mache. Im Sommer werde ich fertig sein und gehe dann wahrscheinlich für ein Jahr als Au Pair nach Frankreich.
Von Lena Modrow
Die Jugendseite war der Einstieg in den Beruf, den ich heute ausübe. Ich habe Germanistik und Anglistik studiert, anschließend darüber promoviert, wie Songtexte erzählen, aber nebenbei immer für verschiedene Medien geschrieben. Jetzt bin ich 30 Jahre alt, verheiratet (für das TAGEBLATT habe ich als Lena Schüch geschrieben) und seit über einem Jahr Volontärin bei den Lübecker Nachrichten. In diesem Jahr habe ich die Seemannsmission auf ein Containerschiff begleitet, eine Meerjungfrau interviewt und Ziegen auf Wanderung begleitet.
Ich liebe es immer noch, Geschichten zu erzählen und Fotos zu machen. 2004 bis 2010 habe ich für die Jugendseite geschrieben. Mein erster Artikel war eine Rezension zum Roman „Wonderboys“ von Michael Chabon. Ich weiß noch, dass ich einen ganzen Tag an 30 Zeilen feilte und unheimlich stolz war, als sie erschienen. Ich hatte damals einen Rezensionswettbewerb gewonnen – so ist der Kontakt zustande gekommen. Ich denke immer noch gern daran zurück, dass ich mich auf der Jugendseite thematisch austoben konnte. Ich habe nicht nur über lokale Bands geschrieben, sondern unter anderem auch über Emos, Online-Rollenspiele und die ersten Lebenszeichen von Twitter und YouTube.
Von Rieke Meyer
Als ich anfing, für die Jugendseite zu schreiben, war ich 14 Jahre alt. Seitdem ich beim Girls Day 2006 in der Redaktion angesprochen wurde, habe ich Artikel für den JOKER geschrieben: mal einen größeren Artikel, mal eine Umfrage, mal einen CD-Tipp. Es hat Spaß gemacht – und es hat mich definitiv für meinen späteren Beruf geprägt.
Nach dem Abitur machte ich ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in einer Pressestelle und ein Praktikum in der Online-Redaktion von freenet. Meine Ausbildung zur Tourismuskauffrau bei TUI führte mich erst mal in eine andere Richtung, bevor ich mich wieder auf das Schreiben besann. Seit Oktober studiere ich – in Jork aufgewachsen – an der Leuphana Uni in Lüneburg Kulturwissenschaften, ein Fach, von dem die Dozenten behaupten, man würde damit später „irgendwas mit Medien“ machen. Ich denke, ich bin – inzwischen 25 Jahre alt – auf dem richtigen Weg.
Von Kimberley Schulz
Ich komme aus Jork, bin 23 Jahre alt und lebe in Hamburg. Vor elf Jahren, als ich die 7. Klasse der Halepaghen-Schule in Buxtehude besuchte, hatten wir die Aufgabe, im Deutschunterricht ein Gedicht zu schreiben. Mein Deutschlehrer riet mir, es dem TAGEBLATT anzubieten, und so stapfte ich im Alter von zwölf Jahren in die Redaktion. Mein Gedicht wurde zwar nicht veröffentlicht, dafür aber viele andere Texte.
Ich schrieb für die Jugendseite JOKER Buchtipps, Kommentare, Urlaubsberichte und war voller Elan als Backstagereporterin bei The Dome unterwegs. Während meiner Zeit beim TAGEBLATT war ich zusätzlich als Jugendreporterin der Jungen Presse Niedersachsen (JPN) aktiv. Nach der Schule studierte ich sieben Semester Kommunikationsdesign und Art Direction an der Hamburger Akademie, arbeitete nebenbei im Eventbereich und ging nach meinem Abschluss im Februar 2015 für ein Praktikum in einer Modelagentur nach Berlin. Im darauffolgenden Herbst fuhr ich nach Amerika und unternahm einen Roadtrip durch die östlichen Gebiete, so wie die Wüste Australiens. Seit fast einem Jahr arbeite ich als Projektmanagerin in Teilzeit in einer Hamburger Agentur und lasse mich zusätzlich als Synchronsprecherin und Moderatorin ausbilden. Das Projektmanagement bereitet mir viel Freude, da mir das Organisieren liegt, doch will ich wieder mehr im Medienbereich tätig sein, denn ich schreibe immer noch gerne.
Von Mona Adams
Ich bin Redakteurin, 30, verheiratet, eine Tochter und wohne in Hamburg. Bevor ich mein Journalistik-Studium in Bielefeld begonnen habe, habe ich für die Jugendseite geschrieben. Das waren vor allem viele Umfragen in der Buxtehuder Innenstadt, über Taschengeld, Ferienziele oder Hobbys – Themen, die Jugendliche bewegen. Wie ich dazu kam: Mein Papa Wolfgang Stephan als TAGEBLATT-Chefredakteur hat meine beste Freundin gefragt, ob sie für die Jugendseite schreiben will. Sie wollte. Und ich auch. Heute ist Manal im Marketing tätig – beste Freundinnen sind wir nach wie vor. Doch was seither in meinem Leben ist: der Journalismus. Auch meinen Mann habe ich in der Branche kennengelernt. Nach Praktika bei Zeitschriften, Zeitungen, Radio und Fernsehen und meinem Volontariat beim Weser Kurier in Bremen arbeite ich heute als Korrespondentin in Hamburg, unter anderem noch für das TAGEBLATT.
Von Federica Guccini
Journalistin bin ich nicht geworden. Ich habe zwar eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt und wurde als Heinrich-Böll-Stipendiatin im Journalismusprogramm aufgenommen, habe mich dann aber zu sehr in die Wissenschaft verliebt. Ich bin gerade im Begriff, meinen Master in Ethnologie in Göttingen abzuschließen und mich auf Promotionsstudiengänge zu bewerben. Promovieren will ich, wenn alles klappt, in Kanada. Ich bin jetzt 25, studiere und wohne seit 2010 in Göttingen, von zwei Auslandspraktika in Kenia und Tansania und zwei Auslandssemestern in den USA mal abgesehen. Ich wohne mit meinem Freund zusammen; wir sind nicht verheiratet, aber seit der Abizeit Ende 2008 zusammen – eine echte Stader Beziehung. 2007 bis 2011 habe ich für die Jugendseite geschrieben und in der Redaktion 2008 ein dreiwöchiges Praktikum gemacht.
Von Madeleine Janssen
Im Sommer 2002 habe ich beim TAGEBLATT meine ersten journalistischen Gehversuche unternommen. Für die Jugendseite JOKER schrieb ich als Madeleine Warsitz unter anderem Porträts über Bands aus der Region, Umfragen – und einmal einen Artikel über meinen Golden Retriever Sam. Ich bin in Harsefeld aufgewachsen, am Stader Athenaeum habe ich 2004 das Abi gemacht. Nach dem Magister-Studium Politikwissenschaft, Anglistik und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation in Jena absolvierte ich die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Heute arbeite ich – 33 Jahre alt, verheiratet, eine kleine Tochter – als freie Journalistin in Hamburg vor allem für Spiegel, Spiegel Online und die Körber-Stiftung. Ende 2011 heiratete ich; Christoph und ich kennen uns noch aus der Athe-Schülervertretung. 2015 war ich mit einem Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung für drei Monate als Gastredakteurin bei der linksliberalen Wochenzeitschrift Polityka in Warschau. Für den Stern schrieb ich über illegalen Welpenhandel, für Spiegel Wissen über meinen Opa und seine Heimat Breslau.
Von Anjana Gersmann
Ich denke gern an meine Zeit als Jugendreporterin vor sieben Jahren zurück, auch wenn es mich beruflich in eine andere Richtung verschlagen hat. In Erinnerung geblieben ist mir der Drehtag des TAGEBLATT-TV-Teams im HSV-Museum, das ich begleiten durfte. Inzwischen bin ich 23 Jahre alt und wohne in Hamburg. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Servicekauffrau im Luftverkehr habe ich als Ops- und Rampagentin am Hamburger Flughafen gearbeitet. Derzeit befinde ich mich in einer Ausbildung zur Vorfeldlotsin am Flughafen. Dort bin ich für die Überwachung und Bewegungslenkung der Luftfahrzeuge auf den Vorfeldern verantwortlich.
Von Juliane Minow
Ich habe von 2010 bis 2012 für die Jugendseite geschrieben. In der Zeit habe ich viel über die Evangelische Jugend geschrieben, weil ich dort mitgearbeitet habe, und Kurzinterviews für die Kolumne Umgehört geführt. Mittlerweile bin ich 23 und kurz vor dem Abschluss meines Masterstudiums in Kiel. Seit der dritten Klasse möchte ich Journalistin werden, und daran hat sich nichts geändert. Meine Mitarbeit bei der Jugendseite war mein erster praktischer Einblick, und nach dem Abitur entschied ich mich für ein Germanistik- und Kunstgeschichtsstudium im Bachelor und ein Germanistik- und Filmwissenschaftsstudium im Master – immer mit dem Berufswunsch Journalistin. Jetzt habe ich mein Auslandssemester in Aarhus beendet, vor mir liegt die Masterarbeit – und dann hoffe ich, dass es soweit ist und ich es schaffe, das Schreiben zum Beruf zu machen.
Von Jan-Hendrik Mautsch
Ich weiß noch ganz genau, wie aufgeregt ich war, als 2004 mein erster Artikel auf der Jugendseite erschien: ein Silbermond-Interview und kurz danach ein Interview mit Bushido. Nach einem Politik-Studium in Hamburg und Taiwan, Praktika bei Sat.1 und Bild habe ich mich 2014 entschieden, etwas ganz anderes zu machen und arbeite seitdem im Hamburger Büro einer amerikanischen Strategieberatung.