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Janine Wissler

Das neue Gesicht der Linken im Westen

Janine Wissler sitzt seit 2008 im hessischen Landtag und Vorsitzende ihrer Fraktion. Bei der Bundestagswahl konnte die Linke in Hessen 8,1 Prozent holen. Sie hilft Benjamin Koch- Böhnke beim Wahlkampf.  Foto Wisser

Janine Wissler sitzt seit 2008 im hessischen Landtag und Vorsitzende ihrer Fraktion. Bei der Bundestagswahl konnte die Linke in Hessen 8,1 Prozent holen. Sie hilft Benjamin Koch- Böhnke beim Wahlkampf. Foto Wisser

Sie passt nicht unbedingt in das Bild, das man von einer stellvertretenden Bundesvorsitzenden einer relativ großen Partei hat. Janine Wissler (36) aus Frankfurt ist eine der großen Nachwuchshoffnungen der Linkspartei und unterstützt gerade drei Tage lang ihre Parteifreunde bei der Landtagswahl.

Von Karsten Wisser Donnerstag, 05.10.2017, 19:20 Uhr

„Wir sind insgesamt mit sieben Leuten aus Hessen hier“, sagt die junge Frau, die seit 2014 eine der vier stellvertretenden Vorsitzenden der Linken auf Bundesebene ist – als Nachfolgerin der aktuell noch bekannteren Sahra Wagenknecht. Jung, schlagfertig, locker im Umgang und auch ein bisschen das Gesicht einer Partei, die sich von einer weitgehend ostdeutschen Provinzpartei zu einem gesamtdeutschen Phänomen wandelt. „Sorry, dass ich ein bisschen overdressed bin, ich komme direkt von einer Hochzeit“, sagt sie im Gespräch beim TAGEBLATT.

Janine Wissler ist nicht nur in die Region gekommen, um öffentlich aufzutreten, sondern auch, um bei der Wahlkampfbasisarbeit zu helfen. Plakate aufhängen, Infostände besetzen und Ähnliches. Für den Linken-Kreisvorsitzenden Benjamin Koch-Böhnke aus Buxtehude sind die hessischen Linken Vorbild. Denen ist es als Erstes gelungen, sich dauerhaft in einem westdeutschen Flächenland zu etablieren. Seit 2008 und in drei Wahlen haben sich die hessischen Linken im Landtag festgesetzt, und Janine Wissler ist die Fraktionsvorsitzende. Sie lieferte sich in dieser Rolle gerade einen Schlagabtausch mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zur Frage, wer Schuld am Erstarken der AfD ist.

„Im Wesen haben wir bei der Bundestagswahl super zugelegt und fast nichts an die AfD abgegeben. Im Osten ist die Situation eine andere. Da verlieren wir auch an die AfD“, so Wissler. Es müsse geschaut werden, wie eine Stimmung entstanden sei, dass die großen Erfolge der AfD im Osten möglich wurden. „Die AfD kann sich bei der bayrischen Staatskanzlei bedanken. Sie hat über Jahre hinweg in hysterischer Art und Weise das Flüchtlingsthema hochgezogen.“ Und: „Wenn Leute Abstiegsängste haben, besteht das Risiko, dass sie nach rechts gehen.“

Das Thema soziale Gerechtigkeit besitzt bei Janine Wissler eine hohe Priorität. Sie kennt viele Geschichten von Menschen, die in prekären Beschäftigungssituationen sind und sich um ihre Zukunft sorgen. Das Thema Regierungsbeteiligung – laut letzten Umfragen ist eine rot-rot-grüne Landesregierung von den Zahlen her nicht ausgeschlossen – ist aus ihrer Sicht eine Frage der Inhalte. In Hessen war sie 2008 schon dabei, als es fast in dieser Konstellation zu einer Tolerierung einer SPD-geführten Landesregierung gekommen wäre. Das scheiterte damals an der SPD und beendete die Karriere von Andrea Ypsilanti.

Am Donnerstag, 12. Oktober, werden Hans-Henning Adler, Spitzenkandidat für die niedersächsische Landtagswahl und Dieter Peters, Direktkandidat der Linken im Wahlkreis Stade, zu Gast im Hotel Vier Linden in Stade, Schölischer Straße 63, sein. Beginn ist 19 Uhr. Adler wird zum Thema: „Niedersachsen: Soziale Gerechtigkeit ist wählbar“ sprechen und mit Dieter Peters für Fragen und Gespräche mit den Besuchern da sein. Sicher wird die Straßenausbaubeitragssatzung an diesem Abend ein Thema sein.

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