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Das sind die EM-Favoriten der Fußball-Experten

Iker Casillas war 2012 Kapitän der spanischen Mannschaft und reißt nach dem Finale den Pokal in die Höhe. Foto dpa

Iker Casillas war 2012 Kapitän der spanischen Mannschaft und reißt nach dem Finale den Pokal in die Höhe. Foto dpa

Werden die Deutschen erstmals nach 20 Jahren Europameister? Oder Gastgeber Frankreich oder eine Mannschaft, die noch niemand auf dem Zettel hat? Die Fußball-Experten aus der Region sind geteilter Meinung.

Von Daniel Berlin Freitag, 10.06.2016, 16:00 Uhr

Deutschland mischt natürlich wieder mit“, sagt der Trainer des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel, Enrico Maaßen. Maaßen glaubt allerdings auch, dass die Franzosen im eigenen Land eine gute Mannschaft auf die Beine gestellt haben. Dem jungen belgischen Team traut der Drochterser Trainer viel zu und England, Spanien und Italien hat er auf dem Zettel.

„Ich tippe total auf Deutschland“, sagt der Präsident der TuS Güldenstern Stade und Vizepräsident des VfL Stade, Thomas Trabandt. Die Deutschen hätten endlich kapiert, wie gepflegter Fußball gespielt werde. „Kampf und Herz haben wir schon immer gezeigt“, sagt Trabandt. In den vergangenen Jahren kamen auch noch Spielwitz, schnelle Pässe, viel Bewegung und eine Menge Kreativität dazu. Die Mischung gefällt Trabandt.

Der Fußball-Trainer und TAGEBLATT-Kolumnist Wolfgang Nitschke hat seine ganz eigene Sicht der Dinge: „Fast würde ich sagen: keiner! Die akuten Anschlagsdrohungen lassen mich befürchten, dass auch ein Abbruch der EM möglich werden könnte. Ansonsten tippe ich auf Frankreich – gute Mannschaft, kluger Trainer und dazu noch der immens wichtige Heimvorteil.“

Der Teamsprecher vom Landesligisten TuS Harsefeld, Tim Schnoor, kann keinen Topfavoriten erkennen. Die Belgier hatte Schnoor auf dem Zettel, aber ähnlich wie bei den Deutschen haben sich dort wichtige Defensivspieler verletzt. Frankreich traut er viel zu. „Diesmal ist es schwer zu sagen. Fünf, sechs Teams spielen auf einem Level“, sagt der Harsefelder.

Der DFB-Stützpunktkoordinator Bernhard Augustin setzte bereits bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren auf Deutschland. Dieses Jahr gibt er den gleichen Tipp ab. „Wir haben am meisten Potenzial und sind eine Turniermannschaft“, sagt Augustin. Deutschland habe in der Breite die meiste Qualität. Nicht außer acht lässt Augustin die „üblichen Verdächtigen“, wie Frankreich als Gastgeber und Spanien. Wenn die Belgier Kontinuität zeigten, könnten auch sie vorne mit dabei sein.

Die Dänen gewannen 1992 völlig überraschend die Europameisterschaft. Griechenland schaffte dieses Kunststück sensationell im Jahr 2004. Der Team-Manager des neu gegründeten VfL Güldenstern Stade, Dirk Dammann, sieht in diesem Jahr ebenfalls eine Überraschungsmannschaft am Ende auf dem EM-Thron. „Ein Team, mit dem niemand rechnet“, sagt Dammann. Spanien, Frankreich und Deutschland seien zwar die Favoriten. Aber gerade Deutschland habe sich nach der WM in den vergangenen zwei Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Der Stützpunkttrainer Lars Jagemann sagt, er habe ernsthafte Bedenken zum Abschneiden der deutschen Mannschaft. „Gefühlt hat in den vergangenen zwei Jahren der Spirit gefehlt. Die Leichtigkeit aus Brasilien ist ein wenig verloren gegangen.“ Es möge aber sein, dass Deutschland ins Turnier finde. Jagemanns Final-Konstellation sieht Spanien und Frankreich vor. Auch England könne ein große Rolle spielen. „Die jungen Spieler wirken sehr heiß“, sagt der Drochterser.

Erst vor drei Tagen hat sich der Team-Manager des Fußball-Oberligisten Buxtehuder SV, René Klawon, erstmals mit der Europameisterschaft befasst. In den vergangenen Jahren sei vor solchen Turnieren mehr Stimmung gewesen. „Deutschland spielt zwar eine Rolle im Turnierverlauf, aber für ganz vorne reicht es nicht“, sagt Klawon. Der Mannschaft von Trainer Joachim Löw fehle ein Top-Stürmer. Die vergangenen Qualifikations- und Testspiele hätten gezeigt, dass die Chancenverwertung nicht die beste ist. Klawon hat vielmehr Frankreich als Gastgeber im Auge, dazu die Spanier, die Engländer und die Italiener mit ihrer typischen Art, Fußball zu spielen.

Der ehemalige Fußballtrainer Jörg Richters erklärt Frankreich mit seinem Publikum und den überragenden Spielern zum Favoriten. Erstmals sei die Équipe Tricolore eine homogene Mannschaft. Trainer Didier Deschamps habe die Superstars, die immer die schlechte Stimmung verbreitet haben, zu Hause gelassen. „Das macht frei“, sagt Richters.

Fußballtrainer Lutz Bendler sieht die deutsche Nationalmannschaft vorne. Weil es Jogi Löw immer gelungen sei, neue Spieler zu integrieren und während des Turniers zu Spitzenleistungen zu führen. „Ich möchte, dass die deutsche Mannschaft so lange wie möglich im Turnier bleibt, damit Herr Gauland die Özils, Boatengs und Khediras und andere kennen- und schätzen lernt“, sagt Bendler und kann sich einen Seitenhieb auf die aktuellen Debatten um die AfD nicht verkneifen.

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