TDefizite werden ignoriert
Zum Artikel „Die Lebensqualität in unserer Stadt hat sich spürbar verbessert“ (TAGEBLATT vom 5. Januar) schreibt Horst Lilienthal aus Buxtehude:
Mit Erstaunen habe ich gelesen, dass die Bürgermeisterin der Meinung ist, in ihrer Amtszeit habe sich die Lebensqualität in der Stadt spürbar verbessert. Sie begründet es mit kultureller Vielfalt, einer lebhaften Innenstadt, einer leistungsstarken Wirtschaft, der Unterstützung von Sportvereinen, ausreichenden Betreuungsplätzen für alle Kinder ab drei Jahren und ähnliches mehr. Auch die Krisen der vergangenen fünf Jahre habe man gut gemeistert. Besonders hervorgehoben wird aber die Ausarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie mit Zielen, die in den nächsten 10 bis 15 Jahren erreicht werden sollen. Einziger Wermutstropfen, man habe vielleicht früher und mehr in den Erhalt unserer Gebäude investieren können.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation an unseren Schulen ist das „vielleicht“ mehr als nur Schönrederei. Lange Zeit war der Verwaltung der Zustand der Schulen bekannt und es ist nichts passiert. Ich denke, das sind unhaltbare Zustände.
Auch werden von der Bürgermeisterin Defizite in der Infrastruktur ignoriert. Ich möchte hier nur auf den öffentlichen Nahverkehr und den schlechten Zustand der ärztlichen Versorgung hinweisen. Bei der Bewertung des gesellschaftlichen Klimas beobachtet die Bürgermeisterin steigende Frustration. Auch vermisst die Bürgermeisterin bei einigen Bürgern Engagement für die Demokratie.
Diese Kritik erscheint mir nicht angebracht. Die Bürger zweifeln nicht an der Demokratie, sondern beklagen konkrete Missstände. So ist die Sicherheit ein Problem. Viele Bürger fühlen sich an manchen Stellen der Stadt nicht mehr sicher.
Wie passt das alles zur verbesserten Lebensqualität?
Recht hat die Bürgermeisterin mit der Aussage, dass der Ton rauer geworden ist. Als Beispiel möchte ich hier auf den Umgang unserer Ratspolitiker untereinander hinweisen, den ich als Bürger in Ausschuss- und Ratssitzungen erleben musste. Hier hat - nicht nur durch Corona bedingt - eine Spaltung der Gesellschaft stattgefunden.
Überhaupt nicht thematisiert wird - trotz der überdurchschnittlichen Verschuldung - die finanzielle Lage der Hansestadt. Ich wünsche mir eine differenziertere Darstellung der derzeitigen Lebensqualität in unserer Stadt. Stärker in den Fokus von Politik und Verwaltung sollten wieder Tagesprobleme rücken und nicht anvisierte Ziele der Nachhaltigkeit in 10 bis 15 Jahren.