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Der Kompromiss misst 180 Meter

Windparks in Nordkehdingen rufen Protest der Bürger hervor.

Windparks in Nordkehdingen rufen Protest der Bürger hervor.

In der Gemeinde Oldendorf ist ein Kompromiss gefunden worden: Am Donnerstagabend beschloss der Gemeinderat, im Windpark Ost die Höhe der Windenergieanlagen auf 180 Meter zu begrenzen. Die Entscheidung war knapp.

Von Susanne Helfferich Freitag, 29.01.2016, 16:02 Uhr

Sieben Ratsmitglieder stimmten für den Antrag von Matthias Tiedemann, fünf dagegen. Der BUS-Ratsherr hatte den Kompromissvorschlag überraschend in der vorangegangenen Sitzung des Verwaltungsausschusses aus der Tasche gezogen.

Am Dienstagabend hatte es noch im Bauausschuss eine knappe Mehrheit für den Antrag von Jörg-Rainer Gast (WG) gegeben, die Anlagen auf 150 Meter zu begrenzen und sie mit radargesteuerter Nachtbefeuerung auszustatten. Zuvor war der Antrag auf 200 Meter hohe Anlagen ebenso knapp abgelehnt worden.

Entsprechend überrascht war Ratsherr Gast über den neuen Antrag: „Es wäre schön gewesen, wenn Du beim Bauausschuss dabei gewesen wärst“, meinte er zu Tiedemann, der am Dienstag aus dienstlichen Gründen gefehlt hatte. Angesichts der neuen Situation beantragte der WG-Ratsherr, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. „Ich sehe keinen Zeitdruck und ich möchte erst mit der Initiative aus der Blumensiedlung reden.“ Die hatten im Vorwege die Unterschriften von 574 Bürgern gesammelt, die eine Höhenbegrenzung von 150 Metern forderten. Auch CDU-Mann Werner Schmidt betonte, die 574 Unterschriften dürfe der Rat nicht ignorieren. Außerdem mahnte er ein Infraschallgutachten an. Stephanie Tiedemann (BUS) drängte auf eine Entscheidung: Das Thema habe sie und ihre Familie schon zu lange belastet. Uwe Uhlendorf (CDU) bekannte, mit dem Verlauf der Diskussion über diesen Tagesordnungspunkt „ganz und gar nicht zufrieden“ zu sein.

Doch der Antrag Gasts wurde abgelehnt. Bürgermeister Johann Schlichtmann (WG), der sich bereits am Dienstag dazu bekannt hatte, für zwei Windkraftanlagen mit 200 Meter Höhe zu sein, machte deutlich, dass sehr wohl ein Zeitfenster einzuhalten sei. Er betonte etwas pathetisch die Grundsätze seiner Politik: „Ökologisch, ökonomisch und sozial, danach prüfe ich alles.“ Die neue Generation von Windenergieanlagen würden Menschen nicht schaden und die wpd habe eine radargesteuerte Befeuerung zugesagt, auch bei den 180 Meter hohen Anlagen.

Nachdem die Vertagung des Beratungspunktes abgelehnt worden war, stimmte der Rat über Tiedemanns Antrag ab. Jörg-Rainer Gast, Hans-Dieter Kahrs (beide WG) sowie die komplette CDU mit Werner Schmidt, Uwe Uhlendorf und Dr. Horst Paulsen lehnten ihn ab. Die übrigen sieben Ratsmitglieder stimmten zu, Hermann Schlichtmann (WG) hatte als betroffener Grundeigentümer nicht mit abgestimmt.

Am Ende versuchte Bürgermeister Schlichtmann, Rat und Zuhörer – 30 Bürger waren da – wieder auf gemeinsamen Kurs zu bringen: „Es gibt ein Leben nach dieser Entscheidung“, sagte er, „Oldendorf wird liebens- und lebenswert trotz der beiden Windräder bleiben.“ Melanie Böker, Anwohnerin der Blumensiedlung und Initiatorin der Unterschriftenaktion, meldete sich am Ende auch zu Wort: „Ich bin wirklich enttäuscht, dass 574 Unterschriften so wenig zählen.“

Nach dieser Vorentscheidung geht es nun in die Entwicklung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. Unter anderem soll nun das geforderte Infraschallgutachten eingeholt werden.

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