Der Marien-Altar des Meister Bertram
Auch Buxtehudern, die ihn noch nicht gesehen haben, wird Meister Bertrams Marien-Altar bekannt vorkommen: Eine Replik steht in St. Petri. Der Gemeinde gehört aber auch das Original, das die Kunsthalle hütet. Einige Buxtehuder haben es kürzlich besucht.
Ein Deckenfenster leuchtet ihn gut aus, die graublaue Wand dahinter hebt die detailreichen Bilder auf Goldgrund hervor: Der Altar in der Kunsthalle macht Eindruck. Kaum haben die gut 20 Buxtehuder Besucher vom Förderverein St. Petri und vom Förderkreis „Musica Viva“ den Raum betreten, sind Ausrufe des Entzückens zu hören.
Meister Bertram von Minden (1340 bis 1414), einer der bedeutenden Maler der Gotik, hat den Altar einst für ein Frauenkloster gemalt, berichtet Claudia Rasztar, Kunsthistorikerin der Hamburger Kunsthalle. Die 18 Bilder erzählen ohne Text, aber sehr anschaulich aus Marias Leben – nach apokryphen und nach biblischen Vorlagen: Sie zeigen Anna und Joachim, Marias Eltern, die anfangs ungewollt kinderlos sind. Ein Engel erscheint und verkündet Marias baldige Geburt. Bald ist Anna im Wochenbett zu sehen: Sie hält sich mit einer Hand die Brust. Eine Frau steht am Bett und hat ihr eine Schale gereicht, vermutlich mit etwas von der Suppe, die links in einem Topf blubbert. Darin rührt eine zweite Frau und schaukelt nebenbei die kleine Maria in der Wiege.
Viele der Bilder zeigen solche lebensnahen Details: So plündert bei Jesu Geburt im Stall ein kleiner Fuchs den Futtersack. Ein Bild zeigt Jesus als Kind mit seiner Mutter im Garten: Er liest in einem Buch und hat einen Kreisel zum Spielen vor sich liegen. „Eine sehr seltene Darstellung“, merkt Claudia Rasztar an. Das Bild ist keine Idylle: Ein Engel mit Kreuz prophezeit Jesus bevorstehende Leiden. Maria, mit wissendem, ergebenem Blick, strickt schon an seinem Totenhemd.
Pastor Thomas Haase vor der Replik des Marien-Altars im südlichen Seitenschiff von St. Petri.
„Es ist eine der ältesten Darstellungen des Strickens überhaupt“, weiß Claudia Rasztar. Wohl auch deshalb ist sie die bekannteste des Buxtehuder Altars. Dass dieser heute gut erhalten, restauriert und unter besten klimatischen Bedingungen in Hamburg zu sehen ist, liegt an Alfred Lichtwark. Der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle „entdeckte“ den Altar um die Jahrhundertwende in einem Nebenraum der Buxtehuder Petri-Kirche, wo er nach der Reformation wenig beachtet aufbewahrt wurde.
Wie Pastor Thomas Haase berichtet, war der Altar über Neukloster in den Besitz von St. Petri gelangt. 1904 wurde er als Leihgabe an die Kunsthalle übergeben. Nur eines Missverständnisses wegen ist er dort auf einem Schild als von der Kunsthalle „erworben“ gekennzeichnet, was einem Buxtehuder Besucher sogleich auffiel. Zwischen Landeskirche und Museum sind die Besitzverhältnisse aber geklärt, die Verträge sind eindeutig, hat Haase sich im Nachgang bestätigen lassen. Das Schild soll korrigiert werden.
Es mag sein, dass manche davon träumen, den um das Jahr 1400 erschaffenen Buxtehuder Altar in der eigenen Kirche zu zeigen. Das aber wäre kaum machbar. „Um ihn jetzt in einem neuen Raum zu präsentieren und dazu innerhalb des Museums bewegen zu können, musste eigens eine Waage gebaut werden“, berichtet Claudia Rasztar. Auch wäre es klimatechnisch fast unmöglich, in St. Petri die notwendigen Bedingungen zu schaffen, sagt auch Pastor Haase.
Die Replik allerdings, die heute im südlichen Seitenschiff zu sehen ist und die 1990 der Lions-Club stiftete, könnte demnächst erneuert werden. Heute, sagt Pastor Haase, hat die evangelische Kirche ein weiteres Herz für sakrale Kunst – auch, wenn dabei Maria im Mittelpunkt steht. Das gilt auch für die Musik, wie das Konzert am kommenden Wochenende zeigt: Kammerchor, Barockorchester und Solisten führen am Sonntag, 17. Juni, ab 18 Uhr erstmals in der Buxtehuder St.-Petri-Kirche .Monteverdis Marienvesper auf.
BUXTEHUDE. Vor gut 400 Jahren (1610) komponiert, gehörte die Marienvesper von Claudio Monteverdi zum Modernsten, was sich auf dem Gebiet der geistlichen Chormusik vorstellen ließ. Am Sonntag, 17. Juni, ist sie ab 18 Uhr erstmals in der Buxtehuder St.-Petri-Kirche zu erleben.
Die Marienvesper enthält opernhafte und tänzerische Elemente, ungewohnte Texte, die auch den Bereich des Erotischen berühren, vollkommen neue instrumentale Klänge, die Verwendung von Concerti, die bis dato in einem geistlichen Werk nicht erwünscht waren und vieles mehr. Monteverdi hat damit nicht nur das erste abendfüllende Oratorium der Musikgeschichte komponiert, sondern gleichzeitig auch das Genre revolutioniert. Ein Werk, das von intimsten Klängen bis zur gewaltigen klanglichen frühbarocken Prachtentfaltung alles bietet, was das Herz des Chormusikfreundes erfreuen kann.
Mit St. Petri steht ein Raum zur Verfügung, der für Monteverdis Echo-Spielereien und diffizile klangliche Valeurs sehr gut geeignet ist. Die Zuhörer dürfen sich auf die prächtigen vier- bis zehnstimmigen Chöre, auf die intimen Soli mit Lautenbegleitung und auf eine auf theatralische Wirkung ausgelegte Musik freuen.
Es musiziert der Kammerchor des Kirchenkreises Buxtehude mit dem Barockorchester „Concerto Farinelli“. Mit dieser Epoche bestens vertraut und zum Teil international gefragt und gefeiert sind auch die Solisten Ute Engelke und Annegret Schönbeck, Sopran, Franz Vitzthum, Altus, Andreas Post und Nils Giebelhausen, Tenor, sowie Raimonds Spogis und Florian Günther, Bass. Die Leitung obliegt Kirchenkreiskantorin Sybille Groß.
Karten können per Mail unter hapegross@gmx.de, im Musik Markt Buxtehude oder ab 17 Uhr an der Abendkasse erworben werden.