Der Meister der „Deutschen Riesen“
Züchter Jürgen Dettmer weiß, worauf es bei der Präsentation seiner Kaninchen ankommt. Nur gestellte Ohren beeindrucken die Richter. Fotos: Wahba
Deutsche Riesen“ sind die große Leidenschaft von Jürgen Dettmer. Der Sauensieker züchtet die großen weißen Kaninchen seit vielen Jahren mit großem Erfolg. Mit seinen Tieren räumt Dettmer regelmäßig Titel auf hohem Niveau ab.
Bei der Bundeskaninchenschau in Kassel ist Dettmer mit seiner weißen Riesen-Häsin gerade unter den ersten 20 Plätzen gelandet. Er habe sich mit dem Tier allerdings etwas mehr erhofft, sagt Jürgen Dettmer. Aber das sei eben so bei solchen Wettkämpfen. Die Kriterien, die die Tiere erfüllen müssten, seien sehr streng. Über bestimmte Kriterien lasse sich auch vortrefflich streiten. Aber am Ende hätten eben die Richter das Sagen. 14 Punkte kann ein Kaninchen fürs korrekte Fell bekommen. Dettmer: „Die Punktzahl habe ich noch nie erreicht.“ Die Ohrlänge muss stimmen. Ein „17er-Ohr“ sei das Minimum, sagt der Sauensieker Fachmann. Vor der Richterschaft müssen sich die Tiere präsentieren, also Haltung annehmen. Das Tier auf den Arm zu nehmen, ist unprofessionell. Dettmer: Das mögen sie nicht und legen sich dann flach. Ein Kaninchen muss aufrecht sitzen und die Ohren aufstellen. Dann macht es Eindruck.“
Ober- und Unterfell müssen im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Die ausgestellten Tiere sollen mindestens sieben Kilogramm wiegen, damit sie die volle Punktzahl von 20 für das Gewicht erreichen. Und auch die Kopfform muss stimmen. Dettmer: „Es muss alles passen, und natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu, um auf den ersten Plätzen zu landen.“
Kaninchen gehören bei den Dettmers in Sauensiek schon seit Generationen zur Familie und zu dem Haus, in dem Dettmer geboren ist und heute noch lebt. „Meine Großeltern hatten immer welche im Stall, um den Speiseplan zu erweitern. So bin ich da rein gewachsen. Aber mir haben es ganz besonders die Weißen Riesen angetan, die ich jetzt ausschließlich züchte“, sagt der Vorsitzende des Heidenauer Kaninchenzuchtvereins F 525. Das F steht für den Landesverband Hannover. Und jeder Verein bekommt seine eigene Nummer.
Über einen Fußball-Kollegen sei er in den Heidenauer Verein gekommen und auch gleich ins kalte Wasser geworfen worden. Der gelernte Schlosser übernahm 2004 den zweiten Vorsitz im Verein, seit 2007 ist Dettmer der erste Vorsitzende und räumt ab wie kein zweiter. Gerade im November holte er zum fünften Mal mit seinen Weißen den Vereinsmeister. Dettmer war schon Landesmeister, Landessieger, Bundessieger und Bundesvizemeister. Nur am Bundesmeister-Titel segelte der Sauensieker nur knapp vorbei. Genau drei Punkte trennen die Häsin von der Geest von der des frischgebackenen Bundesmeisters aus der Nähe von Cuxhaven. Trotzdem, sagt Dettmer, gönne er seinem Konkurrenten den Sieg. Insgesamt 25.000 Langohren wurden in Kassel an dem Wochenende ausgestellt.
Für ihn liege der Reiz darin, die Tiere das ganze Jahr über aufwachsen zu sehen , erklärt Dettmer. Im Sommer hat er schon mal an die 60 Tiere im Stall. Und wenn dann die Arbeit und Zuchtbemühungen am Ende auch noch mit einem Preis belohnt würden, sei für ihn das Glück komplett. Aber natürlich, Kaninchenzucht sei mit einer Menge Arbeit verbunden. Die Tiere müssten in ihren Ställen versorgt werden, ob Urlaub oder Weihnachten sei. Und wenn er selbst sich nicht um seine Tiere kümmern könne, müssten schon mal die Ehefrau und der Sohn aushelfen. Dettmers ganze Aufmerksamkeit in Sachen Zucht soll in der nächsten Saison auf der Länge der Ohren seiner Weißen Riesen liegen. An der mangelnden Länge soll es beim nächsten Mal nicht mehr scheitern, sagt der Sauensieker.
Jürgen Dettmers Häsin wurde das Prädikat „vorzüglich“ verliehen. Dafür gab es in Kassel auch eine Medaille.
Bis zu zehn Kilogramm kann ein Weißer Riese schwer werden. Die roten Augen sind ein Zuchtmerkmal.