Der Ökohof von Morgenstern
Moritz Morgenstern hat von seinem Vater Thomas den großen Demeter-Hof übernommen.
Für den Senior Thomas Morgenstern ist völlig klar: „Die letzte Entscheidung trifft Moritz.“ Meist diskutieren sie vorher darüber, manchmal sind sie auch unterschiedlicher Meinung, aber am Ende steht, dass der Junior die Verantwortung trägt.
Das sei vor allem auch in der Außenwirkung und gegenüber den Mitarbeitern wichtig, sagen beiden.
Bei der Hofübergabe vor gut drei Jahre lief alles super – ohne Streit und Reibereien. Moritz Morgenstern (34) hatte das seinem Vater (66) erst gar nicht zugetraut, dass alles derart reibungslos klappen wird, denn sein Vater sei schon eine dominante Persönlichkeit. Schließlich hat er den Hof gemeinsam mit seiner Frau Britta aufgebaut. Mit 37 Hektar haben sie angefangen, ihren Demeter-Hof zu betreiben und sind von manchen einem belächelt worden. Heute bewirtschaftet der Hof Morgenstern mehr als 450 Hektar – davon allein 300 Hektar Ackerfläche, der Rest ist Grünland und für den Futterbau der 120 Milchkühe.
Diesen Expansionskurs, den auch Jungbauern Moritz Morgenstern mit vorangetrieben hat, haben die beiden Landwirte schon vor der Hofübergabe gemeinsam entschieden. Als Thomas klar wusste, dass Moritz den Hof weiterführt, hat er noch einmal richtig Gas gegeben und Land dazu gekauft oder gepachtet, wann immer sich eine Gelegenheit bot. Die beiden wissen, dass sie zwar eine große Fläche bewirtschaften, aber sie wissen auch, dass sie als Demeter-Landwirte – eine der strengsten Formen der biologischen Landwirtschaft – auch erheblich geringere Erträge haben als ihre konventionellen Kollegen. Und das betrifft sowohl die Milchleistung ihrer Kühe als auch die Doppelzentnererträge beim Getreide. Gleichwohl erzielen sie natürlich höhere Preise. „Aber die kompensieren nicht die geringeren Ernten“, sagt Junior Moritz Morgenstern. Die wirtschaftliche Situation der Biohöfe in Deutschland sei nicht rosig.
Wie auch immer – der Hof setzt weiter auf Wachstum. So soll die Zahl der Milchkühe auf 160 erhöht werden. Die Ställe dafür sind bereits gebaut worden. Überhaupt ist auf dem Hof viel in den vergangenen Jahren in Gebäude und neue Technik investiert worden. Mit dem erweiterten Stall wurden Milchroboter angeschafft. „Klappt super“, sagt der Senior, der mehr der Treiber für diese moderne Technik war als sein Sohn.
Erst vor kurzem wurde der letzte Schritt der Übergabe vollzogen. Die beiden Senioren sind in ihr neues Altenteilerhaus gezogen. Nun kann Moritz mit seiner Familie – er hat mittlerweile auch schon drei kleine Kinder – das ganze Bauernhaus beziehen. Dabei gab es auch im Altbau vorher schon getrennte Wohnungen. „Gemeinsam eine Wohnung und Küche, das geht gar nicht“, sagen die beiden Morgensterns – und sind sich wieder einmal einig.
Ganz anders als die Eltern handhabt das Jungbauern-Ehepaar das Leben auf dem Hof. Während Moritz‘ Mutter sich überwiegend um die Versorgung der Mitarbeiter – auf dem Hof leben drei Lehrlinge, zwei feste Mitarbeiter kommen hinzu – gekümmert hat, hat Moritz Frau Lucie immer klar gesagt, dass sie sich nicht in dieser Form einbinden lassen wird. Sie hat zwar wie Moritz auch in Göttingen und Witzenhausen Landwirtschaft studiert, aber sie fährt heute noch für zwei Tage nach Göttingen, weil sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin gerade promoviert.
So helfen die Senioren nicht nur nach wie vor auf dem Hof mit, sondern kümmern sich auch mit um ihre Enkel. Dass er auch im Alltag noch in den Hof eingebunden ist, findet Thomas Morgenstern völlig in Ordnung. Nur trägt er nun nicht mehr die Verantwortung. Auch haben die beiden Senioren etwas mehr Zeit und können schon mal verreisen. Und Thomas engagiert sich für die Demeter-Landwirte zudem im Verband als Lobbyist und vertritt die Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit: „Das ist ein spannender Job“, sagt der Senior. Denn ohne Arbeit gehe es gar nicht…