Der Vereinsmeier mit strahlendem Lächeln
Ferdinand Sick ist der erste „Vereinsmeier“ in Freiburg. Foto Helfferich
Ferdinand Sick ist der erste „Vereinsmeier“ des Flecken Freiburg. Er erhielt die Auszeichnung der Freiburger Vereine am Freitagabend im Historischen Kornspeicher. Und alle waren sich einig: Der hat es verdient.
Malte Bösch, Vorsitzender des Freiburger MTV und Initiator des Ehrenpreises von den Vereinen für die Vereine, machte es spannend. Als er schließlich um kurz vor 20 Uhr den Namen des ersten Freiburger Vereinsmeiers nannte, brandete im Dachgeschoss des Kornspeichers Jubel auf, ein Mann in der zweiten Reihe rief spontan „Klasse!“.
Ferdinand Sick war gleich von zwei Vereinen vorgeschlagen worden: von der Freiwilligen Feuerwehr, in der er seit 68 Jahren Mitglied ist, und von der Schützengilde, der er seit 40 Jahren angehört. Der ehemalige Gemeindebrandmeister Walter Becker, selbst als junger Mann von „Ferdi“ Sick in die Feuerwehr geholt, hielt die Laudatio auf den fast 88-Jährigen, der mit seiner Mitgliedschaft in vier Freiburger Vereinen ein echter Vereinsmeier ist. „Alle kennen und achten ihn über viele Jahre“, versicherte Becker. Eine Veranstaltung ohne „Ferdi“ sei undenkbar. Dass er trotz seines hohen Alters auch sportlich mithalten kann, zeigte er in diesem Jahr. „Er hat es allen noch mal gezeigt und holte den Jacob-Mügge-Preis der Freiburger Schützengilde.“
Mit geschärftem Blick hatte er den begehrten Preis errungen. Vorausgegangen war eine Augenoperation. Auch sonst packt der 87-Jährige immer noch mit an. „Gesundheitlich bin ich zufrieden“, bekennt er. Zum jährlichen Putzdienst der Gilde auf dem Schießstand schlägt er stets als einer der Ersten auf.
Tüchtig mit angepackt hatte der gelernte Tischler auch während der beiden Sturmfluten 1962 und 1976. Dabei war er selbst Flutopfer, stand doch sein Haus im Außendeich. „Bei ihm zu Hause kam der Öltank hoch, und geholfen hat er woanders“, erinnert Becker an die zupackende Art seines Feuerwehrmentors. Als Ortsbrandmeister – das war er von 1974 bis 2000 – sei „Ferdi“ nur einmal laut geworden, „um uns Jungen im Zaum zu halten“. Details werden nicht erzählt, aber der Nachwuchs hatte es wohl ein wenig übertrieben.
„Immer mit der Ruhe und immer mit einem strahlenden Lächeln, das war mir schon als kleiner Junge aufgefallen“ – so beschrieb Bürgermeister Herwarth von der Decken den Geehrten. Er bescheinigte der Jury der Vereine mit ihrer Entscheidung „einen absoluten Volltreffer“. Er dankte der Initiative. „Es ist ein guter Ansatz, Vereine und Gesellschaft zusammenzuführen. Ich hoffe, dass so die Vorurteile, die sich sei Jahrzehnten halten, dass in Freiburg ein Kastendenken herrscht, ad absurdum geführt werden.“ Malte Bösch sei für diesen Vorstoß prädestiniert, schließlich sei er ein „Kehdinger Global Player – aufgewachsen in Balje, wohnhaft in Hamelwörden, Vorsitzender des Freiburger MTV und beruflich in Drochtersen tätig.
Der „Vereinsmeier“ soll alle zwei Jahre verliehen werden. In diesem Jahr waren 24 Einzelpersonen und eine Mannschaft für die Auszeichnung vorgeschlagen worden.