Der lange Weg vom Wrack zum Truck
Sich einen Traum zu erfüllen, ist schön, macht aber viel Arbeit: Thomas Hoffmann, Helge Cramer, Sacha Cramer, Florian Amberg und Heiner König an Bord ihres Citroën HY . Foto Richter
Eigentlich wollten wir an dieser Stelle erzählen, wie sich 20 Freunde einen großen Traum erfüllten. Doch die „Buxte-HY-der“, deren Projekt wir vor einem halben Jahr vorstellten, werden wohl noch lange an dem Citroën HY basteln, der einmal ein Foodtruck werden soll. Ein Werkstattbesuch.
Sie sind Freunde und sie fühlen sich offenbar überall dort wohl, wo es qualmt und brutzelt, dampft und kracht: Die „Buxte-HY-der“, eine etwa 20-köpfige Truppe, werkeln zurzeit jedes Wochenende an ihrem Traum. Sie wollen einen alten französischen Citroën HY, Baujahr 1964, eine wahre Ikone der Mobilität, in einen Foodtruck verwandeln und ihn dann auch selbst betreiben.
Zurzeit arbeiten sie vor allem an der Reeperbahn. Gemeint ist nicht die Amüsiermeile in Hamburg, sondern die Wohnstraße in Buxtehude, wo direkt an der Garage eines Doppelhauses ein weißes Zelt steht. Dort schrauben die Buxte-HY-der nicht nur – sie kochen und grillen auch.
Zum Beispiel für die Nachbarn. Die hätten so viel Geduld mit ihnen bewiesen, dass die kulinarisch versierten Bastler sich mit einem kleinen Garagen-Grillfest bei ihnen bedankten.
Zum Schulfest der Grundschule an der Harburger Straße am 24. Mai wollten die Buxte-HY-der ihren fertigen Foodtruck eigentlich stolz präsentieren und praktisch einweihen. Das wird nicht klappen. „Aber das ist gar nicht schlimm“, erklärt Helge Cramer, der von der ersten Stunde an dabei war. Sie seien eben „furchtbare Perfektionisten“, weshalb manches etwas länger dauere. Aber bei ihrem Projekt stehe die Freude am Tun im Vordergrund: „Deshalb ist der Weg auch das Ziel.“ Und zweitens gelte für die Buxte-HY-der: „Wir haben immer einen Plan B und meist auch noch einen Plan C.“
{picture1s} Zum Schulfest tritt Plan B in Kraft: Der erste öffentliche Auftritt des kultigen Kleintransporters wird stattfinden, obwohl er noch nicht fertig ist. Die Buxte-HY-der werden die eigenhändig gesandstrahlte Karosserie des Foodtrucks, der übrigens weder Getriebe noch Motor hat und auch nicht bekommt, auf jeden Fall auf den nahen Schulhof bringen. Und sie werden leckeres Essen servieren, wenn auch aus einem Zelt. Der Termin ist ihnen deshalb so wichtig, weil die Kerntruppe sich durch ihr Engagement im Schulverein der Grundschule kennengelernt hat. Die Freizeit-Schrauber und Rezeptentwickler sind nebenbei nämlich auch Väter, Ehemänner, Programmierer oder Chemiker – unter anderem.
„Wir werden zum Schulfest einen Filetspieß, den „Buxtehuder Freudenstab“, servieren, kündigt Heiner König, der „Food-Entwickler“ der Truppe, an. Als er auch von Spargelsuppe mit asiatischem Hähnchenspieß spricht, brandet allerdings eine kleine Diskussion auf.
Sicher ist, dass die Buxte-HY-der beim Schulfest ihre drei Smoker aufbauen und nutzen werden, außerdem eine Zuckerwatte-Maschine und drei Fritteusen für knusprige Pommes frites. Sie sind nämlich detailverliebt und legen offenbar gleichermaßen Wert auf die Qualität von Werkzeug, Material und handwerklicher Ausführung.
Das zeigt auch die akribische Arbeit am Citroën: Allein das Sandstrahlen, um allen Lack von der Karosserie zu entfernen, hat 200 Stunden Arbeit gebraucht, schätzen sie. Teile mit Rostlöchern wurden entfernt, eigenhändig nachgebaut und wieder angeschweißt. Das Dach des Transporters haben die Männer, unter denen einige recht hochgewachsen sind, um 30 Zentimeter erhöht, um bequem stehen zu können. Natürlich so, dass der Umbau optisch kaum zu bemerken ist.
Der unverwechselbare Stil des Citroën, den sie in Südfrankreich von einem Schrottplatz gerettet und auf einem Anhänger nach Buxtehude gebracht haben, soll unbedingt erhalten und durch die Neulackierung sogar noch unterstrichen werden. Dazu gibt es bereits ein Blech mit etwa zehn Lackfarbe-Probesprühungen. Die Palette beweist weitgehend geschmackliche Einigkeit: Sie reicht von schwarz bis schwarz. Für den Innenausbau des Trucks gibt es bereits CAD-Zeichnungen, die das modulare System zeigen, mit dem der Wagen schnell mal von der Crêpes-Bude zur Cocktailbar umgebaut werden kann.
Ein Logo im Retro-Look, das den Truck im Endzustand zeigt, gibt es bereits. Ebenso einen Business-Plan, der darlegt, wie sich Foodtruck und Smoker mit Catering und Events bezahlt machen sollen – zehn Leute aus der Kerntruppe bilden die Gesellschafter der Buxte-HY-der Event-Catering GmbH, die auch Genuss-Scheine ausgeben will. Im Vordergrund steht für die Buxte-HY-der aber nicht, sich selbst zu bereichern, sondern das kulinarisch-kulturelle Leben in und um Buxtehude.
Was die Buxte-HY-der draufhaben, zeigen sie demnächst auch vom 30. Mai (Himmelfahrt) bis zum 1. Juni am gegenüberliegenden Elbufer beim Wedeler Weinfest, dessen Veranstalter sie sind. Zum Programm gehören: Wedeler Weinroute, Wahl der Weinprinzessin, Verleihung des Titels „Wein des Jahres“, Livemusik und DJ. Auch die Smoker sollen angeworfen werden, kündigt Heiner König an – unter anderem für 24 Stunden lang bei 90 Grad gegartes Pulled Pork.