Der neue Job von Dr. Mirko Slomka
Trotz Verletzungspech wird nicht gejammert: HSV-Trainer Mirko Slomka. Foto Witters
Acht Spieler aus der Bremen-Elf sind verletzt - Marcell Jansen fällt sechs Wochen aus.
HSV-Trainer Mirko Slomka sah sich am Donnerstag in einer neuen Rolle: Dr. Mirko Slomka musste 17 Minuten lang ärztliche Bulletins vermelden, die alles andere verheißungsvoll im Abstiegskampf klingen. Die aktuell bitterste Leidensgeschichte betrifft Nationalspieler Marcell Jansen, der dem HSV sechs Wochen fehlen wird.
Nicht jammern und nicht hinter den Verletzungen verstecken – das war die zentrale Botschaft von Dr. Slomka, der in seinem zweiten Heimspiel mächtig improvisieren muss, denn von seiner Startelf in Bremen sind acht Spieler auf seiner Krankenstation. Die Bulletins im Einzelnen:
Slobodan Rajkovic: Der Serbe wurde gestern in Belgien am Knie operiert – Kreuz und Innenband waren gerissen. Der gerade wieder zu neuer Stärke erweckte Abwehrspieler wird für den Rest der Saison ausfallen.
Marcell Jansen: Der Nationalspieler verletzte sich nach 23 Minuten im Länderspiel am Sprunggelenk, zwei Bänder sind lädiert, am Donnerstag wurde er operiert. Dr. Slomka geht von einer sechswöchigen Pause aus: „Sehr bitter“, sagt der Trainer.
Rafael van der Vaart: Der Kapitän lag auch am Donnerstag noch mit Grippe und Fieber im Bett. Bevor er wieder belastbar ist, soll er 24 Stunden fieberfrei sein. Einsatzchancen gegen Frankfurt: 10 Prozent
Milan Badelj: Der Sechser erlitt gegen Werder einen Bruch des 3. Mittelhandknochens. Wenn die Wundheilung gut verläuft, könnte er am Sonnabend spielen. Slomka: „Er will und hat große Lust uns zu helfen.“ Einsatzchancen gegen Frankfurt: 80 Prozent
Pierre-Michel Lasogga: Der Fast-Nationalspieler hat keine schwerwiegende Verletzung, aber eine Muskelverhärtung im Oberschenkel, mit der er sich seit Wochen quält und die bei der Nationalmannschaft schlimmer geworden war. Deshalb soll er auf Empfehlung der Ärzte erst einmal geschont werden. Slomka: „Wir brauchen ihn auch in den folgenden zehn Spielen noch.“ Einsatzchancen gegen Frankfurt: 0 Prozent
Petr Jiracek: Der Tscheche hat seine Oberschenkelzerrung fast überwunden und nahm wieder am Training teil. Einsatzchancen gegen Frankfurt: 80 Prozent.
Hakan Calhanoglu: Auch er hatte Probleme im Oberschenkel und nahm dosiert am Training teil. Einsatzchancen gegen Frankfurt: 60 Prozent
Lasse Sobiech: Er verletzte sich im Training beim Test gegen die eigene U23. Eine Gehirnerschütterung wurde diagnostiziert, die drei abgebrochenen Zähne waren auch für Nicht-Mediziner zu sehen. Einsatzchancen gegen Frankfurt: 0 Prozent
Es gab aber auch eine gute Nachricht in Hamburg: Johann Djourou hat 90 Minuten im Länderspiel für die Schweiz geackert und sich nicht verletzt und Ivo Ilicevic hat nach seiner Oberschenkel-Zerrung und seiner dreiwöchigen Pause wieder mit der Mannschaft trainiert.
Die größte Baustelle hat Mirko Slomka im Angriffszentrum, denn nur noch Jacques Zoua steht als gelernter Stürmer im Kader. Sollte Calhanoglu ausfallen, wäre Robert Tesche der Ersatzmann auf der zentralen Position, was den Gegner Frankfurt nur bedingt in Angst versetzen müsste. In der Abwehr muss Slomka rotieren und Heiko Westermann für Jansen bringen (Zhi Gin Lam ist auch verletzt) und Jonathan Tah wieder in die Innenverteidigung neben Johan Djourou befördern.
Trotz seiner Verletztenliste zeigte sich Slomka zuversichtlich: Wichtig sei die Einstellung: „Wir müssen die positiven Dinge sehen, ein Adler und Djourou hätten sich zu ihrer alten Stärke entwickelt und das Sechser-Duo Arslan und Badelj habe eine besondere Klasse. Dass Frankfurts Trainer Armin Veh sein Aus zum Saisonende angekündigt habe, sieht der Hamburger Coach als eine „interessante Personalie“. Slomka: „Ich glaube aber nicht, dass das die gute Frankfurter Mannschaft in Unruhe versetzen wird.“