Diakonieverband Buxtehude-Stade steht vor Umbruch
Geschäftsführerin Annette Kirn leitet den Diakonieverband. Foto
Die Arbeit des Diakonieverbandes stand auf der Tagesordnung der Sitzung des Kirchenkreistages Stade am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus in Steinkirchen.
Der Vortrag von Chefin Annette Kirn machte deutlich: Die Organisation befindet sich mitten in einem gewaltigen Umbruch.
Die Geschäftsführerin des Diakonieverbandes Buxtehude-Stade, Annette Kirn, berichtete vom Beratungsangebot ihres Hauses, das einem steten Wandel unterliegt. In nahezu allen Bereichen findet derzeit eine Verjüngung der Belegschaft statt, die 55 Mitarbeiter zählt. Darunter sind acht Verwaltungskräfte, der Rest Psychologen und Sozialpädagogen. Inzwischen arbeiten zwei Amerikanerinnen und eine Niederländerin in der Einrichtung. „Wir werden internationaler, das tut dem Team gut“, sagte die Diplomvolkswirtin. In der Suchtberatung konnte eine Selbsthilfegruppe installiert werden. Leider treten die Kunden zunehmend aggressiv auf.
Seit Anfang des Jahres bietet der Diakonieverband eine Erwerbslosenberatung an. Halbjährig gibt es Gespräche mit den Verantwortlichen beim Jobcenter, um Erfahrungen auszutauschen. In der Sozialberatung verzeichnet die Organisation einen starken Anstieg an Flüchtlingen, die das Angebot nutzen.
Das gleiche Bild zeigt sich bei den Essensausgabestellen der Tafeln. Die gegenwärtige Finanzierung aus Spenden auf der einen und kirchlichen Geldern auf der anderen Seite reicht in Zukunft nicht mehr aus, erklärte die Geschäftsführerin. Ihre Prognose: „Wir müssen auch die Gemeinden heranziehen.“ Außerdem wäre ein hauptamtlicher Koordinator sinnvoll.
Die Straffälligenhilfe, angesiedelt in einem Altbau am Schwingedeich in Stade, arbeitet unter einem neuen Konzept. Das Wohnheim wird renoviert, alle Zimmer bekommen eine zeitgemäße Ausstattung. Es besteht eine Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt in Bremervörde. Weitere Kontakte laufen zu den Hamburger Justizbehörden.
Für die nächsten Jahre machte Kirn sowohl die Altersarmut als auch die Verschuldung von Jugendlichen und Flüchtlingen als zentrales Thema von Beratungsangeboten aus. Sprachmittler werden gebraucht, um die Verständigung zu gewährleisten. Der interkulturelle Dialog muss gefördert, die Vernetzung vorangetrieben werden.
„Wir sind gut aufgestellt“, betonte die Volkswirtin. „Die Gesellschaft im Landkreis Stade braucht uns.“ Sie wies aber zugleich darauf hin, dass jetzt auch im Kirchenkreis Stade mit den Unternehmen Bethel im Norden und Rotenburger Werke eher kommerziell eingestellte Konkurrenten auf den Markt drängen. „Wir sind nicht mehr der alleinige Player“, sekundierte die Geschäftsführerin.