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Die 24-Stunden-Reportage: Wenn Kühe im Stall Karussell fahren

Das neue Kuhkarussell auf dem Hof der Familie Alpers macht zwei Mal am Tag seine Runden, um die 400 Tiere zu melken. Fotos Kordländer

Das neue Kuhkarussell auf dem Hof der Familie Alpers macht zwei Mal am Tag seine Runden, um die 400 Tiere zu melken. Fotos Kordländer

Wenn die Kühe auf dem Hof der Familie Alpers in Fredenbeck Karussell fahren, dann geben sie leckere Milch. Zwei Mal am Tag. Morgens und abends. Das Kuhkarussell ist eine moderne Melkanlage, die die Familie seit einigen Monaten in Betrieb hat.

Von Hans-Lothar Kordländer Freitag, 22.07.2016, 15:50 Uhr

Die Tiere haben sich schnell an das große Rondeel gewöhnt. Geduldig stehen sie an, bis sie die Anlage betreten können. 400 Kühe sind es, die in vier Gruppen im Wartebereich des Karussells stehen.

Wie beim Kirmeskarussell für Menschen läuft auch das große Kuhkarussell, auf dem 44 Tiere gleichzeitig Platz finden, vollelektronisch. Zwei Melker allein können die Anlage bedienen, 200 Kühe werden pro Stunde durchgeschleust. Von 17 bis 18 Uhr läuft das Melken in dem neuen, nach modernsten Erkenntnissen gebauten Stall auf Hochtouren. Die dritte Gruppe ist an der Reihe. Die Kühe haben einen kurzen Laufweg zu ihrem Melkplatz.

„Wir haben hier einen sogenannten Außenmelker, erklären Christoph und Anni Brinckmann, die nächste Generation auf dem Hof Alpers. Das bedeutet, die Kühe betreten von außen das Karussell, und von dort wird auch das Milchgeschirr angeschlossen. Es gibt auch Karussells, bei denen die Kühe vom Innenraum in die Stände gehen. Und Junior Anton, der ebenfalls schon mit Begeisterung bei den Kühen im Stall ist, lässt sich auf Vaters Schultern tragen, damit er den weiten Überblick hat. „Wir sind ein Familienbetrieb mit zwei Generationen auf dem Hof. Anton soll das Unternehmen einmal in nächster Generation leiten“, sagt Christoph Brinckmann.

Melkdienst hat an diesem späten Nachmittag die Auszubildende Annkatrin Bredehöft (19) aus Fehrenbruch im Landkreis Rotenburg. Sie bedient den Karussell-Computer. Kurz nach 16 Uhr hat sie angefangen. Landwirt Jan Alpers leitet die große Kuhschar in die Wartehöfe. Viel antreiben muss er sie nicht. Von alleine wissen die Tiere, wie sie zum Karussell kommen.

Aber der enge Kontakt mit den Kühen ist dem Landwirt wichtig. So kann er schnell feststellen, wenn ein Tier mal nicht so gut drauf ist und sich unwohl fühlt. „Dafür bekommt man schnell den Blick, wenn man täglich mit den Tieren zusammen ist“, erläutert Christoph Brinckmann. Im Notfall können dann gleich gesundheitsfördernde Maßnahmen ergriffen werden.

Annkatrin macht seit einigen Wochen ihre landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Fredenbecker Meisterbetrieb. Obwohl ihre Eltern zu Hause gar keine Kühe haben, sondern Schweine halten. Aber schließlich möchte die junge Frau das ganze Umfeld der Landwirtschaft kennenlernen. Sie bereitet das Ansetzen des Milchgeschirrs vor. Mit einem Einmaltuch werden Euter und Zitzen saubergewischt. Und ihr kommt noch eine ganz wichtige Aufgabe zu: Sie bestimmt das Tempo das Karussells.

Gleich nebenan steht Aushilfsmelker Julian Kalt (20) aus Schwinge. Als Elektroinstallateur hat er die Fredenbecker Melkanlage mit ausgebaut und in Fahrt gebracht. Dabei entdeckte er die Lust am Melken und hilft seither in seiner freien Zeit auf dem Hof aus. Diesmal schließt er die Zitzenbecher an die Euter an. Von dort aus läuft die Milch dann direkt in den Milchturm, wo sie heruntergekühlt wird. Ein Tankwagen der Molkerei holt das Nahrungsmittel, für das die Landwirte zurzeit nur 20 Cent bekommen, alle zwei Tage ab.

Die Melkanlage zeichnet alle für die Kuh und den Betrieb notwendigen Daten elektronisch auf. „Im Durchschnitt gibt jede Kuh jeden Tag 30 Liter Milch“, sagt Brinckmann.

Bäuerin Anke Alpers berichtet: „Bei uns hat in den Papieren jede Kuh ihren Namen.“ Die Aufzeichnungen über das Melkkarussell erfolgten allerdings über Nummern. Landwirt Jan Alpers kennt die Namen seiner Kühe noch, wenn er durch den Stall geht. Während in dem neuen Stall gemolken wird, versorgt Anke Alpers die Kälber nebenan. Im Abkalbestall liegt ein erst vor kurzem geborenes Kälbchen, um das sich intensiv die Mutterkuh kümmert.

In den Wartehöfen des Stalls wird die Anzahl der Tiere weniger. Kurz vor 18 Uhr müssen nur noch wenige Kühe gemolken werden. Danach wird die komplette Milchanlage gereinigt, und so ist sie wieder klar für die nächste Melkrunde am kommenden Morgen.

Reportageserie

In unserer Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Montag lesen Sie an dieser Stelle einen Bericht über eine Stunde in einem Fitnessstudio.

Julian legt Melkgeschirr an.

Julian legt Melkgeschirr an.

Annkatrin bedient den Computer .

Annkatrin bedient den Computer .

Im Stall : Anni und Christoph Brinckmann und Anton.

Im Stall : Anni und Christoph Brinckmann und Anton.

Die 24-Stunden-Reportage: Wenn Kühe im Stall Karussell fahren

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