Die Boxengasse für die Flitzer
Blick in die größte ICE-Wartungshalle in Deutschland. Foto Lorenz
Jeder Zug der ICE-1-Baureihe hat seit 1991 satte 13 Millionen Kilometer zurückgelegt. Rechnerisch entspricht das 34 Mal der Entfernung zwischen Erde und Mond.
Zum Erdtrabanten haben es die schnittigen Hochgeschwindigkeitszüge zwar nicht wirklich geschafft, dafür aber ist jedes der 59 ICE-1-Exemplare mehr als 1000 Mal zu Gast in Hamburg-Eidelstedt gewesen. Denn im Instandhaltungswerk am Nordwestrand der Hansestadt wird die Intercity-Express-Flotte gewartet, repariert und nachgerüstet – kurz: fahrfähig gehalten. Jetzt feierte das größte ICE-Werk in Deutschland 25-jähriges Bestehen. Ein Ortstermin.
Die Ausmaße der Werkhalle sind gewaltig. „Viele Kollegen benutzen deswegen das Fahrrad“, erklärt Werkstattleiter Helge Agger. Verständlich bei einer Länge von 430 und einer Breite von 65 Metern. Auf 30 000 Quadratmetern verteilen sich in dem riesigen Bauwerk acht Gleise.
Atempausen gibt es in dem Werk mit seinen 700 Mitarbeitern keine. Gearbeitet wird 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Und das hat seinen Grund. Denn ICE sind Dauergäste in den Wartungshallen. Agger: „Nach 8000 Kilometern muss jeder Zug zur Kontrolle.“ Alle fünf bis sechs Tage geht es für die Fahrzeuge der ersten Baureihe nach Eidelstedt zur Überprüfung von Rädern, Drehgestellen, Bremsen, Stromabnehmern und mehr. Bis zu 70 Mitarbeiter machen sich bei einer solchen Inspektion gleichzeitig über einen Zug her, gewerkelt wird auf drei Ebenen: Unterhalb des aufgeständerten Gleises nehmen Mechaniker die Rad- und Bremstechnik sowie den Unterboden ins Visier, ebenerdig bringen Servicetrupps das Innenleben auf Vordermann, während sich Kollegen von Bühnen aus um die Stromtechnik auf dem Dach kümmern.
Im Werk werde zudem „gecatert“, erläutert Oliver Herrmann, Leiter Werke der DB in Hamburg. Heißt: Vom Toilettenpapier bis zum Kaffee gilt es, sämtliche Verbrauchsgüter aufzufüllen. Außerhalb der Halle bringt schließlich eine vollautomatische, 210 Meter lange Waschanlage die weißen Flitzer auf Hochglanz. Der „Parkplatz“ der fertigen Züge befindet sich ein Stückchen weiter nördlich und liegt damit bereits auf schleswig-holsteinischem Territorium in der Gemeinde Halstenbek (Kreis Pinneberg).
Bei alledem herrscht Zeitdruck. Ein normaler Boxenstopp dauere gerade einmal 60 Minuten, sagt Werkstattchef Agger.
Auch wenn die ICE-1-Reihe irgendwann einmal aufs Abstellgleis kommt, die Zukunft des Eidelstedter Werks ist gesichert. Zwei der acht Gleise sind bereits auf die Bedürfnisse des ICE 4 umgerüstet. Das neue DB-Flaggschiff geht im Juni feierlich in Betrieb.