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Die Geschichte des Gebäudes Huttfleth 18

Luftbild von 1972 aus dem Archiv der Samtgemeinde: Blick auf Grünendeich, die St.-Marien-Kirche (rechts) und die ehemalige Schule vor dem Umbau zum Rathaus (links).

Luftbild von 1972 aus dem Archiv der Samtgemeinde: Blick auf Grünendeich, die St.-Marien-Kirche (rechts) und die ehemalige Schule vor dem Umbau zum Rathaus (links).

Das Gebäude Huttfleth 18 war lange Rathaus, aber noch länger Volksschule. Seine Geschichte erzählt davon, wie schwierig die Zusammenarbeit der Gemeinden Grünendeich und Steinkirchen war. Eine gemeinsame Schule zu realisieren, dauerte 50 Jahre.

Von Karin Lankuttis Montag, 22.07.2019, 18:00 Uhr

Für die Nutzung als Rathaus der Samtgemeinde Lühe wurden sogar die Ortsgrenzen verschoben.

Das Gebäude wurde 1848 als Schule gebaut und war bis 1961 die Volksschule von Grünendeich. Im Huttfleth, wo die rechte Straßenseite zu Grünendeich und die linke zu Steinkirchen gehört, gab es früher zwei Schulen. Steinkirchener Kinder besuchten bis 1928 die Huttflether Schule (im noch bestehenden Haus Huttfleth 62), später die Grünendeicher Schule. Über Bezirke und Gastschulgeld wurde immer wieder diskutiert, wie Silke Ebers im Archiv der Samtgemeinde Lühe herausgefunden hat.

In Steinkirchen gab es im Bergfried eine weitere Volksschule, in der jetzt Tetsche wohnt. Beide Gemeinden hatten Interesse daran, eine gemeinsame Schule für beide Dörfer zu bauen, davon zeugen Ratsprotokolle von 1905 und 1909. Verhandlungen scheiterten wiederholt, erst 1958 wurden sie sich einig, wie Elisabeth Lemke in ihrem Buch „Grünendeich. Ein Dorf im Wandel der Zeiten“ schreibt. Lemke betont dabei die positive Rolle der Grünendeicher Kirchengemeinde. Sie habe dafür unter anderem Bauland für sechs Mark pro Quadratmeter verkauft.

Die neue „Mittelpunktschule Steinkirchen-Grünendeich“ im Striep wurde im April 1961 ein-geweiht.

In der alten Schule blieben Lehrerwohnungen, Klassenzimmer wurden teils zu Badezimmern umgebaut. Im hinteren Gebäude, wo es vier Klassenzimmer gab, zogen ein Steuerberater und die Gemeinde mit Büros ein.

Als die Samtgemeinde Lühe 1971 gegründet war, boten sich leerstehende Räume in der alten Volksschule für die neue Verwaltung an. Steinkirchens Bürgermeister Georg Vollmer war dagegen, aber er wurde von den anderen fünf Bürgermeistern überstimmt, wie Karin Hansen im Archiv recherchiert hat. „Es gab große Auseinandersetzungen“, sagt Hansen. Damit das Rathaus nicht in Grünendeich, sondern in Steinkirchen steht, wurden die beiden Grundstücke Huttfleth 18 und 20 umgemeindet. Ein Grenzänderungsvertrag zwischen den Gemeinden Steinkirchen und Grünendeich wurde 1971 auf den Weg gebracht und 1974 genehmigt. Der Einzug des Rathauses ging langsam vonstatten. Büros in den Gemeinden und Amtszimmer in den Privathäusern der Bürgermeister wurden laut Ebers erst nach und nach aufgelöst. Das vordere Haus wurde erst 1982 nach umfangreichen Umbauten bezogen.

Seit September 2018 ist das neugebaute Rathaus am Marktplatz in Steinkirchen in Betrieb. Die Gemeinde Grünendeich möchte die Grenzänderung jetzt wieder rückgängig machen und hat ein Gebietsänderungsverfahren beantragt. Die Gemeinde Steinkirchen hat einen entsprechenden Beschluss vertagt. Erst solle der Umbau zur Kindertagesstätte abgeschlossen sein, sagt Gemeindedirektor Tim Siol. Der Umbau zur Kita hat sich verzögert, aber drei von vier Gruppen sollen am 1. August einziehen – in eine Kita mit zunächst noch Steinkirchener Adresse.

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