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Die Kehdinger feiern ihre Traditionen

Die Kehdinger feiern ihre Traditionen

In Kehdingen war am Wochenende jeder auf Wanderschaft. Das lag aber ausnahmsweise nicht nur an den Spaziergängern an der Elbe bei sonnigen 20 Grad. Die Region vergoldete sich den Herbst selbst noch einmal mit einem prallen Veranstaltungskalender.

Von Sophia Ahrens Sonntag, 07.10.2018, 16:06 Uhr

Mit viel Zeit im Gepäck und der Sonne im Rücken machten sich viele Besucher an zwei Tagen auf eine Rundtour – und bekamen unterschiedlichstes geboten. Startschuss des Veranstaltungsmarathon am Sonnabend, 10 Uhr in Freiburg an der Elbe, Kornspeichermarkt. Unter dem Holzgewölbe hatten auf drei Etagen 42 Handwerks- und Hobbykünstler das ganze Wochenende eine bunte Mischung aus Dekoration, Kleidung, Holzarbeiten und regionalen Lebensmitteln aufgestellt. Um die besten Sachen zu erwischen, wurde hier schnell zugeschlagen. Da kann es schon mal vorkommen, dass zu alternativen Transsportmitteln gegriffen wird:

Klaus und Susi Musolf haben am Stand von Heinz Lohmann ein Vogelhäuschen ergattert. Die beiden wohnen nur ein paar Straßen entfernt, daher wird nicht lange gefackelt und das Unikat aus der Lohmann’schen Holzschmiede auf den Rollator gehievt. „Hier auf dem Markt sind einfach sehr niveauvolle Künstler, deshalb kaufen wir das Haus bereits zum zweiten Mal hier“, sagt Susi Musolf. Auf die geschätzte Vielfalt legt auch Geschäftsführerin Lotta Klein viel Wert:

„Und die Bewerbungen steigen immer weiter an.“ Die Zusammenarbeit mit der Veranstaltung um die Ecke sei dabei selbstverständlich, schließlich verfolgen alle dasselbe Ziel.

Denn wer sich am Sonnabend auf den Weg nach Freiburg, bekam noch mehr Programm geboten. Nächster Stopp ein paar hundert Meter weiter, 15 Uhr, der traditionelle Freiburger Bockmarkt. Vor der Bühne, die eben die Musik- und Spinnradgruppe aus Hemmor verlassen haben, stehen nun gespannte Kindergesichter vor großen Holzboxen. Als diese sich öffnen, ist die Freude riesig. Im Tiefflug flattern über ein Dutzend Tauben an den Kindern vorbei und machen sich auf den Weg, ihnen einen Preis zu bescheren.

Denn wessen gewählter Vogel zuerst sein Zuhause in Cadenberge erreicht, winkt ein großer Siegerpokal. Die erwachsenen Besucher kamen auf den traditionsreichen Markt ebenfalls auf ihre Kosten: Der namensgebende Bock suchte schließlich einen neuen Besitzer und musikalische sowie tänzerische Auftritte sorgten an beiden Tagen für Unterhaltung. Wer am Sonnabend schon in Freiburg Gast war, kam am Sonntag noch einmal in Kehdingen auf seine Kosten.

Neben Bock- und Kornspeichermarkt startete um 11 Uhr der Apfeltag in Oederquart mit den Erntedankgottesdienst. Für die Bewohner ging es an diesem Sonntag an schweres Geschütz: Das Amt des Apfelkönigs suchte eine neue Majestät. Direkt nach der Kirche ließ es sich der amtierende König Klaus Siedentopf nicht nehmen, zuerst auf die Äpfel mit Zielscheibe zu schießen. Mit der Armbrust traf er direkt in den Kern.

Linda Hellwege und Anna Horeis zückten währenddessen die Armbrust, um sich bei den Kindern als Prinzessin ins Rennen zu bringen. Bereits seit Anbeginn des Apfeltages in Oederquart, also seit 10 Jahren, wird bereits der König gebührt. Er könne auf ein schönes Jahr mit vielen Dorfveranstaltungen zurückblicken, so Siedentopf. „Die perfekte Gelegenheit, um sich auch als Neubürger zu integrieren.“ Zwischen den Zielscheiben und Ausstellern gab es frisches Brot und Äpfel aller Art aus der Region zu kaufen.

Für Liebhaber hatte die Dorfgemeinschaft eine Ausstellung mit dutzenden Oldtimertreckern, Feuerwehrwagen und anderen geschichtsträchtigen Gefährten organisiert. „Wir haben nie das Gefühl gehabt, dass sich hier in der Region jemand die Show stiehlt, eher im Gegenteil, die Leute wandern von einem Treffpunkt zum nächsten“, sagt Oliver Herbach von der Dorfgemeinschaft.

Wer von dem knackigen Obst immer noch nicht genug hatte, konnte seinen nächsten Stopp ein paar Kilometer weiter beim Kehdinger Apfeltag in Drochtersen einlegen. Um 13 Uhr herrschte hier schon einiges an Unterhaltung, denn die Gemeinde hatte einiges auf die Beine gestellt.

Während die Mitglieder des Kehdinger Appelhoff in der Kulturscheune noch in alter Manier frischen Apfelsaft herstellen, wird es nebenan auf der Bühne bunt: KIKA-Moderatorin Singa Gätgens war aus Hamburg angereist, um in Drochtersen gleich zwei Mal ihre Mit-Mach-Show auf die Bühne zu bringen. Zu bekannten Liedern wurde gehüpft, getanzt und mitgesungen. Die 43-Jährige ist über ihren Ausflug nach Drochtersen begeistert: „Hier im Alten Land leben die Leute wirklich, wo andere Urlaub machen.“ Ganz im Sinne des Apfels konnten die Eltern es sich dabei in der Scheune gemütlich machen und frischen Saft oder Apfelwein genießen, während die Kinder sich vor der Bühne austobten.

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