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Die Kirche bekommt ein neues Dach

Die drei Fledermausgauben auf der Nordseite vor der Verhüllung.

Die drei Fledermausgauben auf der Nordseite vor der Verhüllung.

Hat sich Verhüllungskünstler Christo nach Pont Neuf und Reichstag jetzt die Kirche in Apensen vorgenommen? Die steht nämlich derzeit in einem weißen Kleid da. Das hat aber keine ästhetischen, sondern ganz praktische Gründe.

Von Sabine Lepél Mittwoch, 15.02.2017, 16:34 Uhr

Die Apenser Kirche bekommt ein neues Dach. Das ist notwendig, wie bei regelmäßigen Baubegehungen festgestellt wurde. Nach langer Planung und mehrmaligem Verschieben geht es nun los. Das Gerüst steht und die Kirche ist eingehaust. Es war nötig, das große Zelt über das Gotteshaus zu stülpen, denn die Arbeiten sollen trotz der kalten Jahreszeit möglichst zügig und ohne Unterbrechungen ausgeführt werden können. Schließlich sollen die Untermieter im Dachgeschoss – die Fledermäuse und Mauersegler – schnell wieder ein neues Zuhause bekommen. Der Mauersegler trudelt im April in seiner Sommerresidenz ein. Den Winter über verbringt der Zugvogel in Afrika. „In Absprache mit dem Nabu ist geplant, das Dach bis Ostern neu einzudecken“, sagt Christian Kühn, dessen Horneburger Unternehmen die Federführung bei der Dachsanierung innehat.

Finanziert wird die Maßnahme überwiegend durch Mittel der Landeskirche Hannover. Auch der Kirchenkreis Buxtehude trägt einen großen Anteil zur Dachsanierung bei. Die Holzbauarbeiten hat die Firma Quelle Holzbau aus Bargstedt übernommen. Das Unternehmen stellt eine neue Schalung und eine neue Lattung her. Die Firma Kühn macht alle Blecharbeiten und deckt das Kirchendach neu ein. Mit speziellen Pfannen, die ein kleines Schlupfloch für die Mauersegler bieten. Schließlich sollen die Dachbewohner ja hinein und hinaus kommen.

„Es ist natürlich kein alltäglicher Auftrag, das Dach einer Kirche zu erneuern“, sagt Erik Klindworth, Meister bei Quelle Holzbau und zuständig für die Arbeiten an der Apenser Kirche. „Aber es ist auch nicht das erste Mal, dass wir so etwas machen.“ Die besondere Herausforderung sei nicht etwa die Höhe und die Größe des Dachs: „Da sind wir mit der Einrüstung gut aufgestellt“, sagt Klindworth. „Heute spielen die Sicherheitsauflagen eine viel wichtigere Rolle als früher. Für die Zimmerleute, die beim Kirchenneubau dabei waren, sah das noch ganz anders aus.“

Die Handwerker von Kühn und von Quelle Holzbau müssen aber dennoch viel von ihrem Gewerk verstehen, denn sie haben nicht nur eine Dachfläche von insgesamt 800 Quadratmetern mit entsprechend langen Balken und Sparren vor sich, sondern sie müssen auch insgesamt sechs so genannte Fledermausgauben herstellen. Die heißen nicht etwa so, weil sie eine Behausung für die kleinen Flugtiere wären. Der Name kommt von der geschwungenen Form. Es ist eine der aufwendigsten Gaubenformen in der Zimmerei. Nicht nur bei der Herstellung des Dachstuhls, auch bei der weiteren Dacheindeckung ist diese Gaubenform aufwendiger als die meisten anderen und sie wird zudem vollkommen ohne Metall hergestellt. Die Apenser Kirche hat drei Fledermausgauben auf jeder Seite. „Wir haben extra einen Spezialisten engagiert, der ein Auge auf diese alte Handwerkskunst wirft“, sagt Christian Kühn.

Einschränkungen für die Kirchenbesucher bestehen während der Bauphase nicht. Zu Ostern, spätestens zu den Konfirmationen, soll alles fertig sein.

Apensens Kirche trägt derzeit ein weißes Kleid . Das Zelt wurde dem Gotteshaus übergestülpt, damit die Dacharbeiten auch in der kalten Jahreszeit ausgeführt werden können. Fotos Lepél

Apensens Kirche trägt derzeit ein weißes Kleid . Das Zelt wurde dem Gotteshaus übergestülpt, damit die Dacharbeiten auch in der kalten Jahreszeit ausgeführt werden können. Fotos Lepél

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