Die Pastorin geht: Iris Junge sagt Moisburg ade
Pastorin Iris Junge vor der Moisburger Kirche, rechts im Hintergrund liegt das Gemeindehaus. Die 50-jährige Theologin geht nach Uelzen. Foto Wöhling
Moisburgs Pastorin Iris Junge verlässt den Kirchenkreis und wechselt auf eine volle Stelle nach UelzenDer Abschied von der überaus aktiven Moisburger Gemeinde und dem familiären Miteinander falle ihr schwer, sagt die 50-jährige Pastorin.
Fast fünf Jahre war Iris Junge in Moisburg Pastorin auf der halben Pastorenstelle, die Moisburg seit vielen Jahren nur noch hat. „Ich bin dankbar für die Zeit, ich habe viel von den Menschen in der Gemeinde zurückbekommen, auch für meinen eigenen Glauben. Es war schön, mit ihnen unterwegs zu sein und den Glauben zu leben und zu gestalten“, sagt die 50-Jährige. Trotzdem wird sie Moisburg zum Jahreswechsel verlassen: Zum 1. Februar 2017 wird sie mit ihrer Familie nach Uelzen ziehen und dort künftig an der St.-Marien-Kirchengemeinde eine volle Pastorenstelle betreuen. „Der Abschied fällt mir schwer, das familiäre Miteinander werde ich vermissen“, sagt sie.
Der Zusammenhalt in Moisburg sei fast familiär, die zwischenmenschliche Nähe werde dort sehr geschätzt und das ziehe sich durch alle Gruppen, lobt die scheidende Pastorin ihre Gemeinde. Mit 1230 Gemeindemitgliedern sei sie zwar klein, das Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen dafür umso größer. Auch die Jugendlichen seien sehr engagiert, „auf unsere 16 Konfirmanden kommen 17 Teamer, die mithelfen“, sagt Iris Junge.
Mit einer solchen Unterstützung konnte die Pastorin in Moisburg auch neue Angebote schaffen, wie einen Taufgottesdienst im Pfarrgarten, den Neujahrsempfang, einen Scheunengottesdienst oder Themenabende wie den islamischen Abend. In der Zeit ihres Wirkens vor Ort hat Iris Junge den Konfirmandenunterricht neu konzipiert, mit Unterstützung von Ehrenamtlichen den Gemeindebrief und die Internetseite neu aufgestellt und sich zusammen mit der Hollenstedter Nachbargemeinde erfolgreich für eine volle Nachbarschafts-Diakonenstelle eingesetzt. Dass sie nun geht, ist nicht nur ihr allein zuzuschreiben. Iris Junge ist seit 2001 mit Neuklosters Pastor Carsten Junge verheiratet, und beide wollen in der Lebensmitte noch einmal etwas Neues in Angriff nehmen, ganz besonders ihr Mann, der seit mehr als 17 Jahren Pastor in der Marien-Gemeinde ist.
„Mit Anfang 50 wollen mein Mann und ich noch einmal einen beruflichen Neustart wagen“, sagt Iris Junge. Carsten Junge wird in der Justizvollzugsanstalt Uelzen die Stelle des Gefängnisseelsorgers übernehmen. Ein ausführliches Porträt mit dem scheidenden Neuklosteraner Pastor werden TAGEBLATT-Leser noch in dieser Woche lesen. Iris Junge wird im Kollegenteam an der St.-Marien-Kirche arbeiten. Ihr 14-jähriger Sohn Mathis zieht mit nach Uelzen, die drei erwachsenen Kinder studieren und wohnen bereits außer Haus.
Zwischen ihrem Studium in Berlin und Heidelberg und ihrer Zeit in Moisburg hatte die aus Elmlohe bei Bremerhaven stammende Theologin beim Evangelischen Rundfunkdienst Nord in Kiel gearbeitet, war zwei Jahre lang Pastorin in Heidenau, ab 2005 war sie im Kirchenkreis Buxtehude für innovative Projekte wie die Wiedereintrittsstelle und den Wünschbaum zuständig.
Doch nun freue sie sich auch, künftig auf einer vollen Stelle in ihrem Beruf engagieren zu können: „Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Vertrauen einem als Pastorin geschenkt wird. Und ich mag die Vielseitigkeit an meinem Beruf. Ich arbeite gleichermaßen gern mit Jugendlichen und Senioren, freue mich, mit ihnen den Glauben zu leben. Das war hier in Moisburg so besonders, ich habe für mich in dieser Gemeinde sehr viel für meinen eigenen Glauben bekommen. Dafür bin ich dankbar.
Einen Nachfolger für Iris Junge in Moisburg gibt es noch nicht, die Vakanzvertretung übernimmt Pastor Volker Klindworth aus Hollenstedt. (cm)
Am Sonntag, 8. Januar, findet in der Moisburger Kirche ab 10 Uhr der Gottesdienst zu Verabschiedung von Pastorin Iris Junge statt. Den Gottesdienst halten Iris Junge und Superintendent Dirk Jäger, gestalten werden ihn Chor und Combo, danach gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.