Die Todsünden im Kupferstich
Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel d. Ä.: Desidia – Die Trägheit , Serie „Die sieben Todsünden“, 1558. Foto Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Monster, die Hölle, die sieben Todsünden sowie Heilige und Narren: Die sind ab 4. Juni im Bucerius Kunst Forum zu sehen. In einer neuen Ausstellung geht es darum, wie das Werk des niederländischen Renaissance-Malers Hieronymus Bosch andere Künstler beeinflusst hat.
Todesjahres von Hieronymus Bosch (1450-1516) beleuchtet das Bucerius Kunst Forum, wie seine fantastischen Szenerien der Hölle und seine drastischen Schilderungen des Sündhaften die niederländische Kunst des 16. Jahrhunderts prägten.
Gezeigt werden in der Ausstellung „Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch“ rund 90 Arbeiten von Künstlern der folgenden Generation, die Boschs Bildsprache aufgriffen, über die Druckgrafik verbreiteten und weiterentwickelten. Die Ausstellung macht anschaulich, wie sich diese Rezeption mit der geistesgeschichtlichen Entwicklung vom Ende des Mittelalters bis ins 17. Jahrhundert veränderte.
Die modernsten und wirkungsmächtigsten Aspekte im Werk von Hieronymus Bosch waren Darstellungen der Hölle und die Einbeziehung volksnaher Themen in die Kunst. Seine Bildfindungen und Themen wurden von Künstlern der folgenden Generation rezipiert und erreichten vor allem über die Druckgrafik eine enorme Reichweite.
Bis heute faszinieren die nach Entwürfen von Hieronymus Bosch oder Pieter Bruegel d. Ä., seinem wichtigsten Nachfolger, geschaffenen Kupferstiche. Sie zeigen die irrwitzigen Monster der Unterwelt, mahnen vor Sünden und Lastern, illustrieren Sprichwörter und ironisieren menschliche Dummheiten.
Als um 1600 die Angst vor Verdammnis und Hölle nachlässt, richten sich die moralisierenden Szenen auf das Diesseits, und die erschreckenden Mischwesen wandeln sich zu unterhaltsamen Grotesken.
In acht Kapiteln beleuchtet die von Dr. Michael Philipp konzipierte Ausstellung im Bucerius Kunst Forum, wie Boschs Nachfolger seine Bilderwelt über die Druckgrafik verbreiteten und vor dem ideengeschichtlichen Hintergrund des 16. Jahrhunderts weiterentwickelten. Dabei stehen Themen wie die Vorhölle, die sieben Todsünden, Heilige und Narren oder Redewendungen im Mittelpunkt.
„Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch“ entsteht in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die Ausstellung umfasst insgesamt etwa 80 Kupferstiche und Radierungen. Diese werden ergänzt durch zehn Gemälde, die zum Teil erstmals öffentlich gezeigt werden. (st/chw)
Die Ausstellung
Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch.
4. Juni bis 11. September
Bucerius Kunst Forum (Rathausmarkt 2).
Öffnungszeiten: täglich 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.
Führungen: Montag, Mittwoch, Freitag 13 bis 13.30 Uhr, Sonntag 12 bis 12.50 Uhr, Dienstag und Donnerstag 18 bis 18.50 Uhr, ohne Anmeldung, Eintritt plus 2 Euro.
Eintritt: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, montags Einheitspreis 5 Euro, unter 18 Jahren frei.