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Die Vielfalt der Trachten im Lande

Drei Regionen, drei Trachten: Ilka Kobel in der Tracht aus dem Schaumburger Land, Marianne und Jürgen Hagenah in Altländer Tracht , Marion Meyer zu Drehle in Artländer Tracht aus dem Osnabrücker Land. Foto Ahrens

Drei Regionen, drei Trachten: Ilka Kobel in der Tracht aus dem Schaumburger Land, Marianne und Jürgen Hagenah in Altländer Tracht , Marion Meyer zu Drehle in Artländer Tracht aus dem Osnabrücker Land. Foto Ahrens

In Szene gesetzt statt eingemottet: Eine Tracht kann mehr als ein eingestaubtes Gewand auf dem Dachboden sein. Heimatverbundenheit gepaart mit Weltoffenheit, das will der Landestrachtenverband Niedersachsen am 21. Oktober beim deutschlandweiten „Tag der Tracht“ auf der Stader Museumsinsel vermitteln.

Von Sophia Ahrens Freitag, 05.10.2018, 17:04 Uhr

Austragungsort der niedersächsischen Veranstaltung ist in diesem Jahr die Stader Museumsinsel. Unterstützung bei einem bunten Programm für alle Altersklassen gibt es daher direkt vor Ort von der Altländer Volkstanzgruppe.

Marion Meyer zu Drehle vom Landestrachtenverband Niedersachsen ist dem Zauber der alten Gewänder längst verfallen: „Trachten lassen sich lesen wie ein Buch.“ Wer glaube, dass es Trachten nur noch auf Omas alten schwarz-weiß Bildern gibt, liege vor allem in Niedersachsen falsch. 128 Mitgliedervereine hat der Verband.

Bis zu fünf Lagen Röcke, prunkvolle Broschen, aufwendige Hüte, bestickte Westen und große Ketten – sich selbst in ein solches Kulturgut zu verwandeln, kann bis zu einer Stunde und einiges an Fremdhilfe in Anspruch nehmen. Durch die vielen Details entwickelt sich der Buchcharakter: Eine Tracht zeige, ob jemand ledig oder verheiratet ist, aus welcher Region er kommt und in welchem Wohlstand er lebt, so Meyer zu Drehle.

Unter dem Motto „Tracht im Wandel der Zeit“ wird am Veranstaltungstag die Abteilung Trachtenkunde anschaulich zeigen, was die unterschiedlichen Gewänder aus ganz Niedersachsen bedeuten. Nach einem Gottesdienst in der St.-Wilhadi-Kirche wird es eine Ausstellung über den Wandel geben, Beratung stattfinden und viele Tanzauftritte das Geschehen auflockern.

Neun Vereine planen Auftritte, bis zu 20 weitere haben sich mit Abordnungen angekündigt. Mit einem Kinderprogramm ist auch für die jüngsten Besucher gesorgt – Anprobieren inklusive.

„Wir müssen uns hinter Bayern nicht verstecken“, sagt Jürgen Hagenah von der Altländer Volkstanzgruppe über die vielfältige Trachtenlandschaft in Niedersachsen. Der Verein aus dem Alten Land hat das Glück, besonders prunkvolle Trachten zu tragen. Die Obstbauern waren im 19. Jahrhundert durch Handelsbeziehungen nach Hamburg zu größerem Vermögen gekommen als beispielsweise die Landwirte auf der Geest.

Die Sonntags- als auch Alltagstrachten erweckt der Verein mit Volkstänzen wieder zum Leben. Die Nachwuchsprobleme, die viele niedersächsische Gruppen plagen, kennen die Altländer (noch) nicht. „Bei uns tanzen Kinder mit, die sind erst drei Jahre alt“, freut sich Marianne Hagenah über ihre bunt gemischte Gruppe.

Mit dem „Tag der Tracht“ wollen sie mit den niedersächsischen Vereinen und dem Landestrachtenverband ihre Begeisterung für das Kulturgut weitergeben.

Interessierte können am Sonnabend, 20. Oktober, im Schwedenspeicher den Kurs „Monogrammstickerei und Symbolik in der Tracht“ besuchen, um sticken zu lernen und bei der Ausstellung am Sonntag mitzuwirken. Anmeldungen können per Mail an hbrocke@l-t-n.de zu Helge Brocke geschickt werden, die Teilnahmegebühr beträgt für Mitglieder des Landestrachtenverbandes 20 Euro, für Nicht-Mitglieder 30 Euro.

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