Die Woche in Hamburg: Eine Eisdiele gegen Rechts
Obwohl nicht wirklich Eiswetter ist, geriet eine Eisdiele an der Alster mit einem Schaufenster- Zettel in die Schlagzeilen. Dass, eine Gruppe von Menschen - Nazis, wie dem Zettel im Schaufenster zu entnehmen - dort kein Eis bekommen, stieß der AfD sauer auf.
Am Mittwoch war vielleicht was los in Hamburg. In Groß Borstel hat eine Person sehr laut Computer gespielt, in Wilhelmsburg fand jemand eine Geldbörse und in Heimfeld verlief sich eine Frau im Wald. Woher ich das weiß? Die Polizei Hamburg informierte zwölf Stunden lang via Twitter über jeden einzelnen Einsatz – und da kam eben ganz schön was zusammen: Stolze 400 Tweets haben die Beamten abgesetzt. In Hummelsbüttel versuchten falsche Polizeibeamte eine ältere Dame um ihr Erspartes zu bringen, in Hoheluft wurde ein älterer Herr von einer Prostituierten betrogen, im Containerhafen stritten sich zwei Lastwagenfahrer und in Winterhude warf der Gast einer Bar ein Glas nach dem Wirt. Doch damit nicht genug – in Rothenburgsort schwamm ein Tresor im Wasser, in Neuenfelde stieß ein Autofahrer mit einem „unbekannten Tier, größer als ein Hase“ zusammen und in Eppendorf saß ein Maler auf einem Hubwagen fest. Ein ganz normaler Tag in Hamburg, aber besser als jeder Krimi.
Auf Hamburgs Tourguides kommen schwere Zeiten zu: Ab Januar will der Anbieter der Stadtrundfahrten mit den roten Doppeldeckern auf Gästeführer verzichten. Stattdessen soll es nur noch Ansagen vom Band geben. Wie immer geht es dabei um Geld. Nach Auffassung der Deutschen Rentenversicherung müsste das Unternehmen die Gästeführer anstellen und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Bislang arbeiten sie selbstständig auf Honorarbasis, und weil die Rentenkasse darin eine Scheinselbstständigkeit sieht, drohen dem Unternehmen Nachzahlungen von mehr als eine Million Euro. Andere Anbieter in Hamburg haben das gleiche Problem und wollen die Beschäftigung von Tourguides ebenfalls reduzieren. Die Stadt müsse sich hinter ihre Tourguides stellen, forderte nun Die Linke, und zwar indem sie bei der nächsten Ausschreibung ortskundige Guides zur Bedingung machen. Schließlich ist es die Stadt, die den Busunternehmen die Haltestellen zur Verfügung stellt. Sollte also möglich sein, oder? Pustekuchen. So eine Bedingung sei nicht zulässig, ließ die Verkehrsbehörde verlauten. Wäre ja auch zu schön gewesen.
Ich gebe zu, es ist nicht wirklich Eis-Wetter. Trotzdem möchte ich Ihnen einen Besuch der Eis-Perle in der Alsterdorfer Straße ans Herz legen – Hamburgs Eisdiele mit Haltung. „Kein Eis für Nazis und auch sonst nichts außer Spott“ steht dort auf einem Zettel im Schaufenster. Das fiel am vergangenen Wochenende der AfD Bergedorf auf. Auf Nachfrage, was unter dem Begriff Nazi verstanden werde, habe die Antwort angeblich „AfD“ gelautet, echauffierte die Partei sich auf Facebook und rechnete wohl mit einem Shitstorm gegen die Eisdiele. Doch das Gegenteil trat ein: „Super Statement der Eisdiele!“, fand eine Nutzerin, ein anderer schrieb „Danke für den guten Tipp! Solche Eisdielen sollte man wirklich stärker bewerben“. Mittlerweile stehen knapp 5000 Beiträge unter dem Post und die meisten von ihnen feiern die antirassistische Haltung der Eisdiele. Ach so, der Zettel im Schaufenster hängt übrigens seit etwa einem Jahr…