Die Zukunft der Notfallversorgung
Chefärztin Dr. Sara Sheikhzadeh (v. l.), Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, Joachim Gemmel, Sprecher der Geschäftsführung der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH, und Caroline Roos (stellv. Vorstandsvorsitzende der KVH).
Notaufnahmen wurden geschaffen, um Patienten in Notfall- und Unfallsituationen schnell helfen zu können. Inzwischen entwickeln sie sich jedoch immer mehr zum ersten Anlaufpunkt für Patienten mit teilweise nichtigen Wehwehchen. Ein Klinikum in Harburg will gegensteuern.
Noch kann es passieren, dass jemand, der einen schweren Unfall hatte, in der Notaufnahme einer Klinik auf jemanden mit einem leichten Schnupfen trifft. Das ist ärgerlich und frustrierend für alle Beteiligten und erschwert die Organisation einer Notaufnahme ungemein. In der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im Asklepios Klinikum in Harburg wird dieser Entwicklung nun mit einem neuen Konzept entgegengesteuert.
Es ist in Hamburg bisher noch einmalig und wurde nach umfassenden Umbaumaßnahmen realisiert und als erweiterte Zentrale Notaufnahme jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Das Besondere in dieser ZNA: Ärzte und Pflegekräfte der Klinik versorgen künftig gemeinsam mit Medizinern der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) die Patienten. An einem zentralen Tresen nehmen zwei medizinische Fachangestellte des Asklepios Klinikums Harburg, die seit zwei Jahren auch für die KV tätig sind, die Ersteinschätzung der ankommenden Patienten vor.
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Das neue Konzept am Asklepios Klinikum Harburg soll die besten Voraussetzungen dafür bieten, dass der Patient umgehend in die für ihn richtige Versorgungsebene geführt wird – entweder als Notfall in die ZNA oder ambulant in die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung. Die am Klinikum bestehende KV-Notfallpraxis wird damit räumlich in die ZNA integriert. Um den neuen Anforderungen zu entsprechen, wurden 13 neue Räume eingerichtet, alleine acht für die Ersteinschätzung, die sogenannte Triage. Hinzu kommen drei Funktionsräume sowie je einer für Demenzkranke und psychiatrische Patienten sowie drei neue Wartezimmer. Die Inbetriebnahme der neuen ZNA wird am 1. Februar erfolgen.
Ab dann gibt es im AKH nur noch eine zentrale Anlaufstelle für fußläufige Patienten. Die bisherige Praxis der Kassenärztlichen Vereinigung auf dem Gelände des Asklepios Klinikums Harburg wird damit faktisch in die neue Notaufnahme integriert.
„Wir sind in Harburg der zen-trale Notfallversorger. Mit Unterstützung der Stadt konnten wir unsere Notaufnahme noch einmal für den wachsenden Bedarf erweitern und neu strukturieren“, so Joachim Gemmel, Sprecher der Geschäftsführung der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH. Die klare räumliche Trennung von fußläufigen und liegend ankommenden Patienten in zwei Bereiche, mit zwei separaten Zugängen, in deren Mitte die wichtigen Funktions- und Diagnostikbereiche liegen, sei in dieser Form in Hamburg einmalig und ermögliche eine deutlich schnellere und bessere Patientenversorgung. „Diese Neustrukturierung ist der richtige Weg im Sinne des Patienten und kommt der Idee eines Integrierten Notfallzentrums schon sehr nahe“, sagte Chefärztin Dr. Sara Sheikhzadeh, Leiterin der Notaufnahme im AKH.
Neu ist auch, dass Patienten am Tresen künftig eine Art „Boarding-Pass“ erhalten, auf dem sie den geplanten Ablauf der Untersuchungen und Behandlung erkennen können. Sie erfahren also, ob sie ins Labor oder zum Röntgen müssen oder andere Untersuchungen anstehen und wie lange sie voraussichtlich zu warten haben. Der Patient wird durch mehrere Wartezonen gelotst, dabei gibt es eine speziell für psychiatrische Patienten. „Das neue Kommunikationskonzept, bei dem der Patient selbst jeden Schritt nachvollziehen kann und weiß, warum und auf wen er wartet, dient der Transparenz und der Patientenzufriedenheit“, so Chefärztin Sheikhzadeh.
Auch Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks war zu der feierlichen Eröffnung der neuen Zentralen Notaufnahme gekommen und hob den beispielhaften Charakter der Einrichtung für ganz Hamburg hervor: „Die neue Zentrale Notaufnahme ist ein weiterer wichtiger Schritt für eine noch stärker am Patienten orientierte medizinische Versorgung. Mit ihr wird die ambulante medizinische Versorgung im Raum Süderelbe auf hohem Niveau für die kommenden Jahre verbessert“, sagte die Senatorin. „Die ZNA ist mit der hier in Harburg realisierten Lösung mit einem modernen und geradezu einladenden Tresen als erste Anlaufstelle für Notfallpatienten ein Schritt hin zur zukünftigen Ausrichtung der Notfallversorgung in Hamburg mit Integrierten Notfallzentren.“
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Die Patientenzahlen der Zentralen Notaufnahme im Asklepios Klinikum Harburg steigen seit Jahren, so wurden 2019 rund 57.000 Patienten behandelt, 2018 waren es 54.150 und 46.600 im Jahr 2017. Zum Vergleich: 2013, vor der Umstellung der Notfallversorgung im Hamburger Süden, waren es noch rund 36.700. Aktuell dürften es inklusive der KV-Patienten also rund 150 Patienten pro Tag sein. Die häufigsten Krankheitsbilder sind Bauchschmerzen, Harnwegsinfekte, Brustschmerzen, Synkopen und Kollaps, Schwindel, offene Wunden, Hirninfarkte, Kreuzschmerzen, Bluthochdruck und psychische Probleme.