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Waldsiedlung

Die alte Röttiger-Kaserne wird zum Seniorendorf

So wird der erste Bauabschnitt der „Fischbeker Höfe“ aussehen: Das bestehende Kasernengebäude wird architektonisch aufgehübscht und zu Seniorenwohnungen mit Balkons umgebaut. Im Kopfgebäude (links im Bild) wird eine Kindertagesstätte unterg

So wird der erste Bauabschnitt der „Fischbeker Höfe“ aussehen: Das bestehende Kasernengebäude wird architektonisch aufgehübscht und zu Seniorenwohnungen mit Balkons umgebaut. Im Kopfgebäude (links im Bild) wird eine Kindertagesstätte unterg

Wo einst die Panzergrenadiere ihren Dienst verrichteten, werden bald alte Menschen einziehen: Die Mannschaftsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger-Kaserne werden zur Basis eines Seniorendorf im neuen Wohngebiet Fischbeker Heidbrook.

Von Claudia Michaelis Freitag, 01.12.2017, 15:58 Uhr

Eingebettet in das Wohngebiet Fischbeker Heidbrook, das die IBA Hamburg derzeit auf dem ehemaligen Kasernengelände realisiert, soll schon 2019 ein Seniorenwohn- und Betreuungsprojekt entstehen, das Maßstäbe setzt und im Hamburger Süden eine neue Generation der Altenpflege einläutet. Der Hamburger Projektentwickler DeepGreen Development, bisher vor allem bekannt durch seine ökologisch nachhaltigen Massivholzbauten (unter anderem hat DeepGreen Development den Wood Cube zur IBA in Wilhelmsburg gebaut), will auf dem Kasernengelände ein Seniorendorf mit Einrichtungen für unterschiedlichste Bedürfnisse des Lebens im Alter schaffen.

In zwei Bauabschnitten sollen bis Ende 2019 die „Fischbeker Höfe“ entstehen und 116 Altenwohnungen, weitere Pflege-Appartements für 140 Bewohner, ein Thermalbewegungsbad und ein Restaurant in einem lebendigen Wohnumfeld bieten. Im April 2018 will Deep Green mit dem ersten Gebäude (Haus A) loslegen. In dem Mannschaftsgebäude von 1940, das ökologisch umgebaut und unter anderem ein Massivholzdach, Balkone und Glasvorbauten bekommen wird, sollen 116 Wohnungen für ältere Menschen entstehen, die noch größtenteils selbstständig leben können. Geplant sind Wohnungen mit eineinhalb bis dreieinhalb Zimmern, die Mieten sollen für Senioren erschwinglich sein, betont DeepGreen-Geschäftsführer Matthias Korff. Eine 50-Quadratmeter-Wohnung werde bei etwa 650 Euro liegen, schätzt der Investor. In Haus A wird zudem eine Kita für die Kinder aus dem neuen Wohnquartier einziehen, damit dort die Generationen aufeinandertreffen können.

In einem zweiten Bauabschnitt, den Korff ab Herbst 2018 in Angriff nehmen will, sollen im zweiten Bestandsgebäude vorn am ehemaligen Eingang zur Kaserne Wohnungen für 140 Bewohner mit Pflegebedarf geschaffen werden. Von den 90 Pflege-Appartements werden zwei Drittel für eine Person ausgelegt, ein Drittel für zwei Bewohner. Ins Erdgeschoss von Haus B soll ein Restaurant mit Orangerie und großer Küche einziehen. Angedacht sei, dass die Küche die Bewohner des Seniorendorfs und die Kita bekocht, sagt Korff. Die Gastronomie soll öffentlich sein und auch Gäste von außerhalb bewirten. Therapieflächen, Pflegedienst und Dienstleister wie Friseur und Kosmetikstudio könnten im Erdgeschoss ihren Platz finden.

Im Untergeschoss sehen Korffs Pläne ein Thermalbad mit einer 70 Quadratmeter großen Wasserfläche und eine Sauna mit Ruhebereich vor. „Kein Luxusbad, sondern ein Bad für Bewegung und Therapie, auch wenn es wie ein Spa aussehen wird“, sagt Korff. Bei geplanter Bauzeit von 14 Monaten soll Mitte 2019 der erste Bauabschnitt, Ende 2019 auch der zweite Bauabschnitt fertig sein. Das Investitionsvolumen für sein Projekt beziffert Korff auf 60 bis 70 Millionen Euro.

Vor seiner Spezialisierung auf den Holzbau hat der Hamburger Immobilieninvestor fast 30 Kasernen deutschlandweit saniert. Die Initialzündung für das Altenwohnprojekt habe ihm seine eigene Mutter gegeben, die allein in ihrer Mietwohnung vereinsame, sagt Korff. Er weiß nicht nur aus eigener privater Erfahrung, wie groß der Bedarf nach zeitgemäßen Seniorenwohn- und Betreuungsformen ist.

Mit den Fischbeker Höfen wolle er nun eine neue Generation von Altenpflege realisieren. Senioren sollen dort so leben, dass sie selbst im hohen Alter noch selbstbestimmt handeln können, ihre Privatsphäre behalten und trotzdem Gemeinschaft finden, beschreibt Korff sein Konzept.

Im ehemaligen Pförtnerhaus soll ein Erinnerungsort an die Röttiger-Kaserne geschaffen werden. Ein Vorkonzept mit Materialien und geschichtlichen Hintergründen ist bereits in Zusammenarbeit mit dem Helms-Museum entstanden. Zugleich solle dort ein Café eingerichtet werden, in dem sich morgens zum Beispiel die Kita-Mütter treffen könnten. Noch im Stadium der Idee ist ein drittes Gebäude, Haus C, in dem Maisonette-Wohnungen für Familien entstehen könnten. Abgerundet würde das Ensemble durch ein viertes Haus D, in dem die IBA ein Ärztehaus plant. „Das wäre die perfekte Ergänzung“, findet Korff.

Dass alte Menschen in die Röttiger-Kaserne einziehen, ist gar nicht so neu. Nach dem Krieg war die ehemalige Panzerkaserne 1949 vorübergehend zum Altenheim umfunktioniert worden. Mehr als 100 Helfer kümmerten sich damals um die 1300 Bewohner. Die Harburger Anzeigen und Nachrichten berichteten am 14. Oktober 1949 über den „letzten Hafen für die Alten“: „Geht man durch die weiten freundlichen Zimmer und Flure, glaubt man nicht, dass es eine Kaserne war. Nur die Gewehrständer sind stumme Zeugen des ehemaligen Kasernenhoftons ... Vier- bis sechsbettige Zimmer für die Ledigen, die Verheirateten wohnen selbstverständlich für sich. Vorbildliche Bade- und Duschräume sorgen für die Sauberkeit der Insassen.“ Im Zuge des Aufbaus der Bundeswehr mussten die Alten dann umgesiedelt werden, doch von 1959 bis 1962 teilten sich Soldaten und Senioren die Kaserne.

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