Die kirchliche Oma-Band aus Apensen
Bei der Probe im Gemeindehaus: Die Oma-Band der Kirche mit ihrer Leiterin Ilsetraud Bauernsachs (hinten, stehend). Foto Beneke
Bei ihren Zuhörern wecken sie Erinnerungen an vergessene Zeiten. Eine Gruppe von Frauen aus der Apenser Kirchengemeinde hat sich zusammengetan, um gemeinsam Musik zu machen.
Unter der Leitung von Musiklehrerin Ilsetraud Bauernsachs spielt die Oma-Band bei Gottesdiensten, Gemeindefesten und in Altenheimen. Zum Repertoire des Ensembles zählen vor allem deutsche Volkslieder.
Vor 20 Jahren gab die Pastorenfrau Marianne Münter den Startschuss für die Gründung der Oma-Band. Auf einer Seniorenfreizeit fanden sich ältere Damen zusammen, die Sketche aufführten und Lieder sangen. Zunächst probte die Gruppe mit den Mädchen und Jungen aus dem evangelischen Kindergarten „Arche Noah“. Ein generationenverbindendes Projekt. 2001 übernahm Musiklehrerin Ilsetraud Bauernsachs die Leitung.
„Sie haben mich bedrängt, und ich bin glücklich, dass ich es gemacht habe“, sagt die Apenserin heute. „Das macht total Spaß.“ Mit ihrem alten deutschen Liedgut ist die Oma-Band in den Gottesdiensten der Apenser Gemeinde, auf kirchlichen Festen, Altennachmittagen und Weihnachtsfeiern sowie in den Seniorenresidenzen in Buxtehude und auf der Geest zu Gast. Das Singen und die Gemeinschaft hält die Damenriege fit. Sich gesund wiederzusehen, ist für sie bei jeder Probe am Donnerstagmorgen ein schönes Erlebnis.
Wenn die Rentnerinnen einmal nicht dabei sein können, fehlt ihnen etwas, erzählen sie. „Jeder kümmert sich um jeden“, sagt Ilsetraud Bauernsachs über das Miteinander. Zwar schimpfen die Bandmitglieder schon mal mit ihr, wenn sie zu schwere Stücke aussucht, doch meist ist die Stimmung ausgelassen. Geselligkeit wird großgeschrieben, es wird viel gelacht und gescherzt.
Regelmäßig treffen sich die Damen zum Frühstück, unternehmen Musik-Reisen nach Berlin oder Dresden und lassen sich dort von professionellen Ensembles und historischen Konzertstätten inspirieren. Im nächsten Jahr möchten sie zur Eröffnung der Elbphilharmonie nach Hamburg fahren. Bei allem ist ihnen wichtig, dass sie frei von Zeit- und Leistungsdruck agieren können.
Das hat einen triftigen Grund: Die Musikerinnen sind nicht mehr die Jüngsten. Das älteste Mitglied des Ensembles feierte bereits den 87. Geburtstag. Dennoch beherrschen die Sängerinnen eine Vielzahl von Stücken. Die alten Volkslieder „Im Märzen der Bauer“ und „Lustig ist das Zigeunerlein“ gehören ebenso dazu wie die Schlager „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und „Die kleine Kneipe“. Wenn sie in den Altenheimen aufspielen, bekommen die Senioren Triangeln und Rasseln in die Hand gedrückt. „Alle sind dann ganz begeistert“, weiß Ilsetraud Bauernsachs.
Bei manchen Stücken sucht sie die Noten in Büchern oder im Internet und verändert die Tonarten entsprechend den Bedürfnissen ihrer Truppe, deren Besetzung sich immer mal wieder verändert hat. Ausländische Lieder werden mit einem deutschen Text versehen, der die Stimmung wiedergibt. Die Truppe verfügt sogar über eine eigene Hymne mit einem charmanten Text: „In Apensen steht ein Gemeindehaus, dort musizieren wir Jahr ein und Jahr aus. Dort stehen alle Türen für uns auf. (...) Wir sind die Oma-Band, die schon jeder kennt. (...) Wir singen laut im Chor und spielen gern was vor. Wir sind die Omas und haben viel Humor.“
Auf Flöten, Gitarren, Metallo- und Xylophonen begleiten die Frauen ihren Gesang. Einige Musikerinnen beherrschten ihre Instrumente schon, bevor sie zu dem Ensemble stießen. Andere lernten das noch im hohen Alter während der wöchentlichen Proben.