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Freiburger Kornspeicher

Die provokanten Thesen des Udo Pollmer zu Ernährung

Vom Geiersterben und unhaltbaren Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Fleischkonsum berichtete Udo Pollmer in Freiburg. Der Vortrag des für polarisierenden Thesen bekannte Lebensmittelchemikers hatte durchaus Unterhaltungswert.

Von Peter von Allwörden Montag, 01.04.2019, 09:40 Uhr

Die Kehdinger Niederlassung der Ostfriesischen Volksbank hatte gemeinsam mit den Beratungsringen aus Kehdingen zum zweiten Mal in den Freiburger Kornspeicher heimische Landwirte zu einer Vortragsveranstaltung eingeladen. Pollmer – ein Bayer, der in Himmelpforten geboren ist – brach in seinem launigen und unterhaltsamen Vortrag eine Lanze für den Fleischkonsum. Der Lebensmittelchemiker und Buchautor gilt als einer der provokantesten Kritiker von Ernährungsberatern, die von Fett und Fleischkonsum abraten.

Wovon – so seine fast schon satirische Zuspitzung der Kritik an Veganern und Rohkostenthusiasten – sollten die armen Menschen in Regionen, wo nichts wachse, denn leben: „Sollen wir die vom Hubschrauber aus mit Salatköpfen bewerfen, wenn die kein Fleisch mehr essen dürfen?“ Mit Blick auf nicht gerade gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe im Gemüse überspitzte er: „Gemüse ist eine reine Todesfalle.“

Heftig kritisierte Pollmer eine Studie der WHO (World Health Organization), deren Ergebnisse 2015 durch die Medien der Welt gingen. Darin wurde der Fleischkonsum als gesundheitsgefährdend kritisiert. Diese Studie aber habe gar keine nachvollziehbaren Ergebnisse gehabt. Pollmer warnte davor, solche Statistiker für bare Münze zu nehmen. Meistens steckten massive Interessen dahinter.

Pollmer lobte in diesem Zusammenhang die „grandiose Leistung der Landwirtschaft“, die heute mit viel weniger Tieren als noch vor 100 Jahren eine wachsende Bevölkerung mit hochwertiger Nahrung versorge. Mit Blick auf Indien, wo Rinder als heilige Tiere verehrt würden, zeige sich, wohin einer solcher Kult führe: Die heiligen Rinder verendeten auf der Straße. Verwesung und Tod überall, der zur gefährlichen Krankheiten führe. Sogar die Geier, die sich an den Kadavern gütlich tun, stürben aus, so der Wissenschaftsjournalist.

Vor dem Pollmer-Vortrag hatte Johann Kalverkamp von der VR Agrarberatung, eine landesweit tätige Unternehmensberatung für Landwirte im Auftrag der Volks- und Raiffeisenbanken, die kehdinger Landwirte in die wesentlichen betriebswirtschaftlichen Entscheidungsgrundlagen für ihre Investitionen eingeführt. Im voll besetzten Veranstaltungsraum des Kornspeichers gab er Tipps, was die Banken von den Landwirten erwarten, wenn es etwa um die Finanzierung neuer Maschinen oder Ställe geht.

Zur Person

Udo Pollmer, Jahrgang 1954, (Studium der Lebensmittelchemie in München) arbeitet als selbstständiger Buchautor, Wissenschaftsjournalist und Unternehmensberater. Er hat mehrere Sachbücher veröffentlicht, in denen er sich mit den Ernährungsberatern und deren Empfehlungen für gesundes Essen anlegt.

Titel wie „Prost Mahlzeit – krank durch gesunde Ernährung“, „Liebe geht durch die Nase – was unser Verhalten beeinflusst und lenkt“, „Mythos Cholesterin – die zehn größten Irrtümer“ machen seine ebenso kritische wie provokante Grundhaltung schon deutlich. Seit 1995 leitet Pollmer das Europäische Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E.) in München. Pollmer lebt mit Frau und Tochter bei Heilbronn.

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