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Tag des Ehrenamts

TDiese Menschen aus dem Kreis bereichern die Gesellschaft mit ihrem Einsatz

Ohne ehrenamtliches Miteinander würde es viele Dinge in unserer Gesellschaft nicht geben. Foto: Uwe Anspach/dpa

Ohne ehrenamtliches Miteinander würde es viele Dinge in unserer Gesellschaft nicht geben. Foto: Uwe Anspach/dpa

Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich – freiwillig und unentgeltlich. Was treibt sie an? Was nervt sie? Zum Tag des Ehrenamts an diesem Sonntag stellt das TAGEBLATT sechs Engagierte aus dem Kreis Stade vor.

Sonntag, 05.12.2021, 08:00 Uhr

Die Einsatzgebiete der Ehrenamtlichen sind vielfältig. „Ohne das ehrenamtliche Engagement von Millionen Menschen in Deutschland wären die vielfältigen Angebote in Sport- oder Kulturvereinen und die täglichen Einsätze der Rettungsorganisationen nicht denkbar“, sagt der scheidende Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).

Die meisten Menschen engagierten sich laut des Deutschen Freiwilligensurveys im Jahr 2019 im Bereich Sport und Bewegung (13,5 Prozent), gefolgt von den Bereichen Kultur und Musik (8,6 Prozent) sowie dem sozialen Bereich (8,3 Prozent).

Seit 40 Jahren auf dem Fußballfeld

Günter Buhrmester aus Himmelpforten wurde vor einigen Wochen vom Fußball-Kreis Stade im Niedersächsischen Fußballverband (NFV) für 40 Jahre Ehrenamt ausgezeichnet. Viele Urkunden und Ehrennadeln zieren das Büro des 73-jährigen Trainers. „Ich habe mich gefreut. Das ist eine schöne Würdigung“, sagt Buhrmester, außerdem Ehrenamtspreisträger des NFV 2013 und Mitglied im erlauchten „Club 100“ des Verbandes.

Buhrmester rief vor elf Jahren in Himmelpforten das Fußballtraining für Vorschulkinder ins Leben. Heute betreut er jeden Donnerstag 55 Kinder. Zwei Mal pro Woche kümmert er sich um den Nachwuchs vom MTV Himmelpforten. „Ich freue mich, wenn ich in die strahlenden Gesichter schaue“, sagt Buhrmester, dessen ehrenamtliche Karriere beim TuSV Bützfleth begann. Er umgebe sich gerne mit jungen Menschen. Er lerne viel von ihnen, von ihren Ansichten. Das erweitere auch seinen Horizont. Die Familie steht bei ihm an erster Stelle. „Aber dann kommt schon der Fußball.“

Günter Buhrmester trainiert seit vielen Jahren junge Fußballer beim MTV Himmelpforten. Foto: Berlin

Günter Buhrmester trainiert seit vielen Jahren junge Fußballer beim MTV Himmelpforten. Foto: Berlin

Insgesamt engagieren sich der Umfrage zufolge 39,7 Prozent der Deutschen im Alter ab 14 Jahren freiwillig. Am höchsten liegt der Anteil bei den 14- bis 29-Jährigen (42 Prozent) und den 30- bis 49-Jährigen (44,7 Prozent).

Jugendarbeit mit jungen Rettern

Svenja Armonies engagiert sich im Zug I der Buxtehuder Feuerwehr. Hier leitet die 29-Jährige die Jugendfeuerwehr Buxtehude-Altstadt, die Nachwuchsabteilung der Brandbekämpfer. Armonies kommt aus einer Feuerwehr-Familie: Großvater, Vater und Onkel sind Feuerwehrmänner. Mit zehn Jahren trat sie in die Jugendfeuerwehr ihres Heimatdorfes in Schleswig-Holstein ein. Für Ausbildung und Studium pausierte Armonies.

2020 wollte sie wieder durchstarten – und trat nach einem Umzug in die Buxtehuder Feuerwehr ein: „Ich bin hier voll angekommen.“ Seit einem Dreivierteljahr ist sie Jugendfeuerwehrwartin, für dieses Amt hat sie spezielle Lehrgänge absolviert. Außerdem bringt die Pädagogin berufliches Know-how mit, Armonies leitet eine Kindertagesstätte im Hamburger Süden.

Die Jugendarbeit liegt ihr am Herzen, sie möchte die Mädchen und Jungen auf ihrem Weg in die Feuerwehr begleiten und ihnen soziale Kompetenzen vermitteln: „Wir müssen uns bei der Feuerwehr 1000-prozentig vertrauen können.“ Mehr Nachwuchs und mehr Frauen in der Feuerwehr – dafür setzt Armonies sich ein. Dass Einsätze und Ausbildungsdienste Zeit rauben und ein harter Einschnitt im Privatleben sind, nimmt sie in Kauf: „Ich weiß, wofür ich das tue.“ Ihr soziales Umfeld habe Verständnis.

Svenja Armonies leitet seit einem Dreivierteljahr die Jugendfeuerwehr Buxtehude-Altstadt. Foto: privat

Svenja Armonies leitet seit einem Dreivierteljahr die Jugendfeuerwehr Buxtehude-Altstadt. Foto: privat

Infolge der Flüchtlingswelle 2015 waren es vor allem Ehrenamtliche, die sich bei der Aufnahme, Unterbringung und Integration der Geflüchteten und Migranten eingebracht haben und dies teilweise noch heute tun. „Zuletzt haben Herausforderungen wie die Corona-Pandemie oder die Flutkatastrophe in Teilen Deutschlands 2021 die große Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements einmal mehr in den Fokus gerückt“, heißt es beim für die Förderung des Ehrenamtes zuständigen Bundesinnenministerium.

Kindern eine Lobby geben

Anne Grajetzki aus Wischhafen engagiert sich für Kinder und Jugendliche. Denn: „Kinder haben keine Lobby“, sagt sie. Die 41-Jährige leitet gemeinsam mit Schulsekretärin Cordula Elkereit die Umwelt-AG der Nils-Holgersson-Grundschule. Hinzu kommt ihr Engagement bei der „Gemüseackerdemie“, die sie 2019 initiiert hat und bei der Grundschüler und Kindergartenkinder gemeinsam mit Erwachsenen Ackerbau betreiben. Nicht zu vergessen die vielen Stunden, die sie für die Konzeptentwicklung der Freizeitplätze investierte oder die elektronische Pinnwand, die sie während der Pandemie entwickelte, als sich Langeweile bei den Kindern breitmachte.

Mehr sogar: Die Bankkauffrau ist Beisitzerin der Jugendkonferenz, arbeitete mit an der Homepage des TV Wischhafen und an einem Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt in Kooperation mit dem Kreissportbund und der Beratungsstelle Lichtblick. Und im Weihnachtsmarktteam ist Grajetzki auch aktiv. Und da war ja auch die Ratsperiode 2016 bis 2021, in der sie für die CDU im Rat saß. In diesem Jahr ist sie allerdings nicht wieder angetreten. Grajetzki arbeitet lieber direkt in den Initiativen.

Anne Grajetzki aus Wischhafen engagiert sich für Kinder und Jugendliche . Foto: Helfferich

Anne Grajetzki aus Wischhafen engagiert sich für Kinder und Jugendliche . Foto: Helfferich

2020 haben mehrere Bundesministerien die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt mit Sitz in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) gegründet. Als zentrale Anlaufstelle auf Bundesebene stellt sie Serviceangebote wie Beratung und Qualifizierung für ehrenamtlich Engagierte bereit. Sie unterstützt Vereine und Initiativen bei der Weiterentwicklung ihrer Organisationsstrukturen. Dafür soll die Stiftung mit 75 Beschäftigten und 30 Millionen Euro jährlich ausgestattet werden.

Im Dienste der Stader Kultur

Axel Zager ist in sein Ehrenamt bei der Seminarturnhalle in Stade eher reingerutscht. Er war zunächst Gast in dem Kulturhaus und merkte, dass es nach Veranstaltungen viel zu tun gab: Stühle zurückstellen, Gläser abräumen, sauber machen. Der Übergang zum Ehrenamt war vor sechs Jahren dann fließend. Seither kümmert sich der pensionierte Physik- und Chemielehrer um immer mehr Bereiche. Er machte sich mit der Haustechnik vertraut, führte Installationen aus, verkabelt die Mikros.

Zager genießt es, immer etwas um die Ohren zu haben. Doch: „Mich nervt die mitunter an den Tag gelegte Konsumhaltung mancher Gäste.“ Dass der Verein die Seminarturnhalle mit vielen Ehrenamtlichen am Laufen halte, sähen viele nicht. Da sei es nicht zu viel verlangt, auch mal ein paar Gläser mit zum Tresen zurückzunehmen, findet Zager. Die geleistete Arbeit müsse stärker anerkannt werden, schließlich sei das nicht selbstverständlich.

Axel Zager ist in sein Ehrenamt bei der Seminarturnhalle in Stade reingerutscht. Foto: Stief

Axel Zager ist in sein Ehrenamt bei der Seminarturnhalle in Stade reingerutscht. Foto: Stief

Unter dem Motto „Ehrenamt ist Ehrensache“ stellt das Land Niedersachsen ehrenamtlich Tätigen die „Ehrenamtskarte“ zur Verfügung. Diese wird von den kreisangehörigen Samtgemeinden, Gemeinden und Städten verliehen. Die Besitzer können damit Vergünstigungen in ganz Niedersachsen in Anspruch nehmen. Die Ehrenamtskarte kann jeder Volljährige bekommen, der sich mindestens fünf Stunden pro Woche oder 250 Stunden im Jahr seit mindestens drei Jahren im Kreis Stade ehrenamtlich engagiert.

Seit 20 Jahren in der Gemeinde engagiert

Dörte Herzog engagiert sich seit 20 Jahren in der Kirchengemeinde Horneburg. „Wenn Not an der Frau ist, bin ich da“, sagt sie. Die gelernte Bürokauffrau, Hausfrau und Mutter zweier Töchter, später Bürokauffrau in Teilzeit, hatte immer viel Zeit fürs Ehrenamt. Seit 15 Jahren ist sie im Kirchenvorstand, inzwischen in der dritten Amtszeit, zwölf Jahre lang gehörte sie der Kirchenkreissynode Buxtehude an. Besonders wichtig ist ihr, die seit zehn Jahren Witwe ist, die Arbeit mit Senioren.

Für den kirchlichen Besuchsdienst etwa besucht sie ältere Menschen zum Geburtstag. Wenn die Senioren sich freuen, ist das für Dörte Herzog Dank und Anerkennung genug. Sie gestaltet mit einem Team von Frauen den Weltgebetstag und den Frauensonntag und gehört zur Redaktion der Kirchenzeitung „Unser Gemeindebote“, dessen Verteilung sie organisiert. In der Vorweihnachtszeit organisiert sie unter anderem den „Lebendigen Adventskalender“ oder zusammen mit ihrer Schwedisch-Gruppe den Lucia-Tag, der in Schweden am 13. Dezember gefeiert wird – und vieles mehr. „Solange ich kann, werde ich weitermachen“, sagt die 70-Jährige. Nur für den Kirchenvorstand wird sie nicht mehr kandidieren. Mit 72 Jahren will sie aufhören und Jüngere ranlassen.

Dörte Herzog setzt sich in der Kirchengemeinde Horneburg ein und kümmert sich gerne um Senioren . Foto: Lohmann

Dörte Herzog setzt sich in der Kirchengemeinde Horneburg ein und kümmert sich gerne um Senioren . Foto: Lohmann

Im Landkreis will die Freiwilligenagentur Stade Ehrenamtliche und Organisationen zusammenbringen, diese bietet Informationen und Beratungsangebote rund ums Thema Ehrenamt. Mehr Informationen gibt es unter www.fwa-stade.de.

Fürs Allgemeinwohl im Alten Land

Silke Ebers trug mit ihrem Engagement schon zur Rettung der Gemeindebücherei Steinkirchen-Grünendeich und des Apfelfestes bei, denn ohne Förderverein und Arbeitskreis würde es beides heute wahrscheinlich nicht mehr geben. „Man will doch solche Vereine, Gruppen, Institutionen und Feste erhalten“, sagt sie. „Man tut damit etwas für andere, aber auch für sich.“ Dabei bewegen sie zwei Faktoren ganz besonders: das Allgemeinwohl und ihre Kinder.

Ab 1998 engagierte sich Ebers, Mutter von Zwillingsmädchen und einem Sohn, mehrere Jahre im Mehrlingstreff in Horneburg, später kamen verschiedene andere Ämter dazu. Heute ist die 56-Jährige vor allem als Schrift- und Pressewartin beim DRK Ortsverein Grünendeich, in der Schützengilde Steinkirchen und im Arbeitskreis fürs Apfelfest aktiv. Ärgerlich sei, wenn Veranstaltungen, die mit viel Arbeit geplant werden, schlecht besucht würden. Umgekehrt sei eine erfolgreiche Veranstaltung ein großer Lohn: „Ein Schulterklopfer, ein Danke und leuchtende Augen sind immer besonders schön.“ (bat, bene, db, sal, ief, sh)

Silke Ebers hat mehrere Ämter inne und engagiert sich unter anderem in einem DRK-Ortsverein . Foto: Battmer

Silke Ebers hat mehrere Ämter inne und engagiert sich unter anderem in einem DRK-Ortsverein . Foto: Battmer

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